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12. Juni 2009, 14:57 Uhr

Funk ist kein Allheilmittel gegen DSL-Lücken

Der Weg zum schnellen Internet-Ausbau auf dem Land ist endgültig frei. Der Bundesrat stimmte einer entsprechenden Verordnung zu. Vor allem Funktechnik soll zum Einsatz kommen, um bisher von Breitband-Internet abgeschnittene Regionen ans Netz zu bringen. Das könnte Probleme geben.

Wlan, Digitale Dividende, DSL,

DSL-Anschlüsse sind in vielen ländlichen Gegenden Mangelware© Ferdinand Ostrop/AP

Viele Bundesbürger auf dem Lande dürfen aufatmen - das Warten auf einen schnellen Internetanschluss soll bald ein Ende haben. Das meint jedenfalls die Bundesregierung. Und der Bundesrat hat den Weg frei für die entsprechenden Pläne gemacht. Mit der Nutzung von freien Frequenzen aus der Umstellung auf den digitalen Rundfunk, der so genannten digitalen Dividende, könnten jetzt bis in die letzten Winkel der Republik die weißen Flecken in der Breitbandversorgung verschwinden. Schnelles Surfen, das Herunterladen von Dateien, Musik und Videos mit Höchstgeschwindigkeit könnte bald für jedermann möglich werden.

Doch Experten warnen: Als Wundermittel zur Überwindung der digitalen Kluft in der Breitbandversorgung sei die digitale Dividende nicht geeignet. Schon seit Jahren wird der Ausbau von schnellen Internetanschlüssen in der Fläche gefordert. Vor allem in dünn besiedelten Regionen, unter anderem in Ostdeutschland, sind derzeit viele Haushalte und Unternehmen vom schnellen Internet abgeschnitten.

Bislang schreckten Telekom-Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen davor zurück, solche Anschlüsse zu legen. Rund fünf Millionen Menschen in bis zu mehr als 5000 Gemeinden oder rund acht Prozent aller Haushalte sollen nach Angaben von Experten derzeit noch keinen Breitbandzugang haben. Die digitale Dividende soll Abhilfe schaffen.

Mit der Bundesratszustimmung steht zumindest die Voraussetzung für die flächendeckende Versorgung mit Breitband-Verbindungen auch in ländlichen Regionen. Die Bundesregierung will bis Ende 2010 schnelles Surfen im Internet in ganz Deutschland ermöglichen - unter anderem sollen deshalb freigewordene Rundfunkfrequenzen für die Breitband- Internetverbindungen genutzt werden.

"Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein"

Bernd Rudolph von der Initiative gegen digitale Spaltung hält von vollmundigen Versprechungen allerdings wenig. "Die digitale Dividende ist kein Allheilmittel und auch nicht der große Wurf", sagt er und befürchtet: "Ganz im Gegenteil, die digitale Spaltung des Landes wird sich vertiefen". Tatsächlich sind die angestrebten Bandbreiten von 1 Megabit pro Sekunde im Vergleich zu den Raten in Ballungsgebieten, wo inzwischen bis zu 100 Megabit erreicht werden, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auch Harald Summa, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft in Köln warnt vor überzogenen Hoffnungen. "Die Funkfrequenzen sind eine Möglichkeit, in dünn besiedelten Gebieten kostengünstig Verbindungen herzustellen". Es sei eine Chance, diese Technologie zu etablieren, nachdem in der Vergangenheit alle anderen kläglich gescheitert seien. Doch als der Weisheit letzter Schluss, hält Summa die digitale Dividende nicht. Um die unterschiedlichen Versorgungsgrade anzugleichen, müssten auch die Regionen langfristig mit Glasfaser angeschlossen werden.

Unterdessen warten die Mobilfunkanbieter auf ein Startzeichen. Vodafone, T-Mobile & Co haben seit längerem die Freigabe der Rundfunkfrequenzen gefordert. Vodafone-Chef Friedrich Joussen betonte mehrfach, bei der digitalen Dividende zugreifen zu wollen: Wenn das Unternehmen Frequenzen bekäme, "wird es 2010 keine weißen Flecken mehr geben", verspricht er. Die Konkurrenz hält sich noch bedeckt, wird das Geschäft aber nicht Vodafone allein überlassen wollen.

Frequenzen werden versteigert

Loslegen können die Unternehmen vermutlich aber ohnehin erst 2010. Denn die Frequenzen müssen versteigert werden, voraussichtlich Anfang kommenden Jahres. Die Vorbereitung darauf nehme einige Monate in Anspruch, heißt es bei der Bundesnetzagentur. Unter den Hammer kommen dabei neben den Funkfrequenzen aus der digitalen Dividende gleich weitere Mobilfunkfrequenzen.

Obwohl die Versteigerung eine der größten Auktionen der Bundesnetzagentur sein wird, Erlöse in der Größenordnung der UMTS- Versteigerung im Jahr 2000 erwartet niemand. Damals hatte die spektakuläre Auktion, aufgepeitscht durch die Euphorie und einer nie dagewesenen Goldgräberstimmung in der Branche, rund 50 Milliarden Euro in die Staatskassen gespült.

Probleme mit Funkmikrofonen

Wenig begeistert von den Plänen der Bundesregierung ist auch eine ganz andere Fraktion, die mit Breitband-Internet eigentlich nichts zu tun hat: Hersteller und Nutzer von Funkmikrofonen. Zumindest bis Ende 2015 hat die Bundesnetzagentur die Frequenzen von 790 bis 862 Megahertz auch für Funkmikrofone freigeben. Tummelt sich in diesem Bereich bald auch der Datenfunk, könnte es zu massiven Störungen bei Konzerten, in Theatern oder sonstigen Einsatzfelder für drahtlose Mikrofone kommen. Die Zahl der in Deutschland im Einsatz befindlichen Funkmikros wird auf 700.000 geschätzt.

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Auf der nächsten Seite finden Sie ein Deutschlandkarte, die die bisherige Verbreitung von Breitbandanschlüssen zeigt

DPA/san

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
muzza (14.06.2009, 01:53 Uhr)
Schneller Seitenaufbau ist die Kosten nicht wert...
(falls er überhaupt zustande kommt).
.
Bevor es an meinem Wohnort DLS gab waren auch Funkanbieter vorhanden.
Den Empfänger sollte man selbst bezahlen (150 Euro oder so) dazu kam die Anschlussgebür (100 Euro) und der Monatsbeitrag lag bei 80 Euro.
Ich habe mit Leuten gesprochen die eine Funkverbindung hatten und die
waren nicht gerade begeistert; die Bandbreite war niedriger als bei ISDN. Es kommt auch auf den Abstand zum Sendemast an und die Überlandleitung wird immer noch benötigt. 100 Km Überlandleitung machen auch bei DSL einiges aus.
.
Es stellt sich überhaupt die Frage wofür man die Bandbreite nutzen will
wenn man denn DSL hätte. Ich sehe da eigentlich außer schnelleren Seitenaufbau beim Browsen und
Online-Spiele keinen erhöhten Bedarf für den Normalbürger.
Es sei denn Sie haben den ganzen Tag frei. Dann würde sich vielleicht aber auch ein Umzug lohnen. Sogar als Freizeit-Programmierer versenden Sie normalerweise keine Dateien
von mehreren hundert Megabyte. Um was sollte es sich dabei handeln?
Eine Linux-Distribution gibt's auch per Post oder im Laden. Und was Online-Spiele und den Riesenhype der darum gemacht wird (ich kenne da wirklich jeden Aspekt) betrifft ist die Luft nach spätestens drei Jahren raus. Selbst wenn Sie ein ernsthaftes Hobby daraus machen.
Das sieht von außen alles ganz schön aus, ist es aber nicht. Sehen Sie sich mal um; drei Jahre sind ungefähr der Verfallswert für eine beliebige Spiele-Reihe. Das ist kein Zufall. Eine LAN-Party von Zeit zu Zeit tut's auch und zwar besser.
Also lassen Sie sich nicht verrückt machen.
mcrae (12.06.2009, 19:37 Uhr)
Seit
Jahren wird seitens der Politik gelabert und gelabert, nur bewegt hat sich da nichts.
Wie Üblich nur reden und keine Taten.
a2d2 (12.06.2009, 17:46 Uhr)
egal wie - her damit und bißchen dalli !!!
da kann ich ja jetzt meinen UMTS-Tarif bei T-Mobile schon vorzeitig für 2010 kündigen. War bisher sehr stabil, leider nur mit EDGE/UMTS bei ca. 240, nicht mal DSL 384 Bandbreite. T-Mobile will, auf Anfrage, hier trotzdem nicht ausbauen, da sollte man dann gehen.
VODAFONE, O2 und Andere sind hier, beim Kreis Rendsburg an der Eider jederzeit willkommen. Denn 39,90€ nur für die kleine Bandbreite sind doch irgendwie teuer, ich zahle auch bis 49,90 €, wenns nur ein Bißchen schneller werden würde. Schon 2000er Leitung wäre hier ein Geschenk des Himmels - und da stehe ich nicht alleine.... tschüß T-Mobile
muzza (12.06.2009, 16:44 Uhr)
Funk?
Lassen Sie sich bitte nicht ausrauben liebe Call-by-Call-Nutzer. Ohne DSL verpassen Sie rein gar nichts. Kaufen Sie stattdessen Ihrem Sohn ein Mofa und wenden Sie sich an einen DVD-Verleih.
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