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6. August 2008, 14:11 Uhr
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Schlupflöcher in Chinas Firewall

Während westliche Medien und Politiker sich noch darüber empören, dass Olympia-Journalisten mit derselben Internetzensur zurechtkommen müssen wie die Chinesen, schreitet der Chaos Computer Club zur Tat: Er legt Schlupflöcher in Chinas Internet-Mauer offen. Tipps, die weltweit nützlich sind. Von Markus Wanzeck

Der "Freedom Stick" des Chaos Computer Club stellt eine Verbindung zum Anonymisierungsdienst Tor her© CCC

Freier Internetzugang in China - das scheint sich nun auch für die internationalen Olympia-Berichterstatter, die eine bevorzugte Behandlung im Pekinger Medienzentrum erwartet hatten, als Illusion zu entpuppen. IOC-Präsident Jacques Rogge versuchte am Wochenende, die neue Situation mit rhetorischem Weichspüler zu entschärfen: "Größtmöglicher Zugang" zum Internet, das sei doch schon mal was. Das Wort "uneingeschränkt", von dem im Vorfeld der Olympischen Spiele bisher stets die Rede war, vermied er. "Größtmöglich", das weiß der um Diplomatie bemühte Rogge nur zu genau, ist ein dehnbarer Begriff. Verschiedene chinakritische Internetseiten wurden und werden von staatlichen Zensoren geblockt. Der deutsche Chaos Computer Club (CCC) hat sich nun entschieden, den Berichterstattern in China mit seiner Hacker-Expertise aus der Ferne zu assistieren.

"Aufgrund der vielen Anfragen beschäftigen wir uns nun schon einige Zeit mit dem Thema Zensur in China", erklärt CCC-Sprecherin Constanze Kurz gegenüber stern.de. "Wir werden versuchen, den Reportern und Sportlern in China technische Hilfe anzubieten." Der CCC hat zu diesem Zweck die Seite chinesewall.ccc.de ins Netz gestellt. Hier werden - vorerst nur auf Deutsch, demnächst auch in englischer Sprache - Umgehungsmöglichkeiten für die "Great Firewall of China" vorgestellt und anhand detaillierter, bebilderter Bedienungsanweisungen erläutert.

Tear down this wall! - mit einem Proxy

Eine gängige Zensurmethode in China ist das Einsetzen von Wortfiltern. So können Internetadressen, die Begriffe wie "Tibet", "Menschenrechte" oder "Falun Gong" enthalten, für chinesische Computernutzer - meist als banales Netzwerkproblem getarnt - unerreichbar gemacht werden. Diese Blockade lässt sich umgehen, indem man das Internet über einen Vermittlungscomputer jenseits der Zensurmauer betritt, einen so genannten Prox. Hat man einen solchen freien Proxy ausfindig gemacht - zum Beispiel durch die Suche nach Begriffen wie "proxy" oder "free proxy" in Google oder Yahoo -, baut man eine Verbindung zu ihm auf und sieht das Internet über den Umweg des zwischengeschalteten Vermittlers, aus dessen unzensierter Sicht.

Ein Problem allerdings bleibe, erklärt IT-Sicherheitsexperte Lars Fischer vom CCC: "Ein Proxy, der heute funktioniert, kann morgen schon von den Zensoren entdeckt und gesperrt worden sein." Er rät deshalb dazu, die Verbindung möglichst zu verschlüsseln und immer eine Liste mit Ausweich-Proxys in der Hinterhand zu haben. Davon gebe es genügend, so Fischer. "Man kann zwar versuchen, das Internet selektiv zu sperren. Aber solange man es nicht vollständig stilllegt, tun sich immer wieder neue Lücken auf." Wichtig sei der "erste Anker": Ist man von China aus erst einmal über eine Proxy-Verbindung ins freie Netz gesurft, kann man dort leicht mithilfe von Suchmaschinen weitere Proxy-Computer ausfindig machen.

Tear down this wall! - mit einem Anonymisierungsdienst

Anonymisierungsdienste wie der von der Technischen Universität Dresden mitentwickelte "JAP" oder das internationale Non-Profit-Projekt "Tor" können ebenfalls behilflich sein, die eigenen Spuren im Netz vor den Augen des Großen Bruders zu verwischen. Solche Dienste leiten die Datenströme einzelner Internetnutzer über mehrere Server. Unterwegs werden die Datenpakete sowohl verschlüsselt als auch durcheinander gewürfelt. Das drückt bisweilen auf die Geschwindigkeit der Internetverbindung - doch ein bestimmtes Surfverhalten lässt sich so nicht mehr ohne weiteres einem einzelnen Computernutzer zuordnen. "Auch technisch Unbedarfte kriegen solche Dienste unserer Erfahrung nach schnell installiert", sagt CCC-Experte Fischer.

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
gmathol (05.08.2008, 22:53 Uhr)
Mein Dial-up AOL hat prima in China funktioniert.
War zwar teuer, aber damit wurde der chinesische Proxy ausgeschaltet. AOL aendert uebrigens waehrend der Session permanent die IP Adresse. Es gibt noch andere Provider dieser Art z. B. von Swisscom.
Desweiteren Satellit Modem Verbindungen koennen ebenfalls nicht geblockt werden.
Man kann auch auf einem nicht beblockten Server eine Citrix Session starten welche die entsprechenden Seiten die man anfordert als Steganogramm zurueckschickt oder entsprechend verschluesselt.
Ich bin ueberzeugt es gibt noch mehr Moeglichkeiten - eine schoene ist der Proximizer hier kann man den PC der eigentlich "illegale" Aktivitaeten verhindern soll als Partner benutzen.
Offensichtlich sind die chinesischen Autoritaeten von den gleichen Irrtuemern wie Schaeuble's Spezialisten befallen.
RenneR_01 (05.08.2008, 16:49 Uhr)
@ johnniedeamonic
mit Verlaub ==> das mit dem in der Zeitung lesen, wie man Autos klaut............. IST MAL DER BLÖDESTE VERGLEICH SEIT LANGEM!
Zum einen ist das nicht verboten, denn sonst wäre jeder Krimi verboten!!
___________________________________
Und wenn man dumme Vergleiche anstellen will, dann würde ich das, was der CCC macht eher damit vergleichen, als wenn jemand zwischen 1933 und 1945 in der Zeitung beschrieben hätte, wie man von den Nazis Verfolgte sicher im Keller versteckt! (*hui --- gewagter Vergleich von mir* ^^ )
weeeeed (05.08.2008, 16:27 Uhr)
Der Stern und CCC entdecken Tor! Wow!
Das Jahr 2003 hat angerufen, es will seine nachrichten zurück haben!
In anderen Nachrichten... Erdbeben stärke 6.0 in Sichuan.
johnniedeamonic (05.08.2008, 15:14 Uhr)
schon lustig
wie hier offen für tools geworben wird mit denen staatliche blockaden umgangen werden können ;)
ist ne feine Sache wirklich,
aber irgendwie auch als ob man in der tageszeitungen lesen würde wie man am schnellsten autos knackt...
rued (05.08.2008, 14:57 Uhr)
Heikel, heikel
Super Sache, auch wenn sich der CCC natürlich nur auf Firmenwunsch an die Sache herangewagt hat.
Aber auch ziemlich gefährlich.
Ich kann mir gut vorstellen das sich die Chinesen das trauen, denn auch wenn das für uns unverständlich ist, verstösst man mit sowas doch gegen geltendes chinesisches "Recht".
Ist natürlich die Frage wie die Chinesen reagieren, ob sie sich als grossmütige Gastgeber geben, oder doch lieber ein Exempel statuieren.
Also ich finds wirklich gut das der Zensur da mal Einhalt geboten wird, aber man sollte das nicht so naiv hochjubeln ohne zu vermitteln in welche doch schon erhebliche Gefahr man sich damit begibt.
heartlander98 (05.08.2008, 14:39 Uhr)
2008 und totale Zensur?
Zensur wie bei Orwells 1984: Unwürdig.
Man hätte nicht wie 1936 eine zweifelhafte aufstrebende Macht mit den Spielen ehren sollen.
Ugly (05.08.2008, 14:39 Uhr)
Danke CCC
Das ist das, was die Freiheit vorantreibt. Reisst die Internetmauern ein. Bravo.
@havranek : Es gibt bald in dem Land nur noch Inhaftierte und Prügeltrupps. Das funzioniert wohl nicht wirklich auf Dauer. An verschlüsselten Verbindungen können sich ja die staatskonformen Hackerbrigaden die Zähne ausbeissen.
Daniel-Duesentrieb (05.08.2008, 13:55 Uhr)
@havranek
meinst du wirklich die werden einen westlichen Journalisten einbuchten? Da bekommen die aber ganz große Probleme.
havranek (05.08.2008, 13:22 Uhr)
Tolle Sache
Und wenn dann die chinesische Behörde den Proxy kontrolliert, kann sie sehen wer ohne Zensur online gegangen ist.
Und schon wieder einige Hunderte Unschuldige in chinesischen Gefängnissen für 10 Jahre, tolle Sache solche Tipps
edwin (05.08.2008, 13:19 Uhr)
noch eine Möglichkeit:
Das FreedomFone
http://w2p.odem.org/
Ist leider etwas teuer und wird auch nicht in chinesischer Sprache angeboten. Damit kann z.Bsp. auch die Filterung in Nordrhein-Westfalen umgangen werden.
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