Die AGB-Checker

23. August 2012, 14:48 Uhr

Die meisten User denken nicht lange nach, bevor sie Nutzungsbedingungen auf Webseiten bestätigen. Drei Netzaktivisten haben deshalb eine Art AGB-Tüv entwickelt, der eine schnelle Orientierung bietet. Von Verena Kuhlmann

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Das Wesentliche auf einen Blick: Auf ihrer Webseite bewerten Hugo Roy und seine Kollegen die AGB anderer Internet-Angebote©

Ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen und akzeptiere diese" – ein Satz den die meisten Online-User viel zu schnell mit einem einfachen Klick bestätigen, ohne auch nur ein einziges Wort gelesen zu haben. Nur jeder fünfte Internetnutzer liest die Geschäftsbedingungen, die sogenannten AGB, wenn er sich bei einer Webseite registriert. Das hat eine Umfrage des Hightech-Verbandes Bitkom ergeben. Ein großes Problem, für das der Pariser Jurastudent Hugo Roy eine Lösung gefunden hat. Zusammen mit Programmierer Michiel de Jong und Designer Jan-Christoph Borchardt hat er die Webseite "Terms of Service; Didn’t Read" (ToS;dr) erstellt.

Der etwas sperrige Name ist abgeleitet von dem bekannten Internet-Akronym "Too long; Did’nt Read" (tl;dr). Es wird verwendet, um Aussagen und Beiträge im Internet zu kommentieren, die schlicht zu lang sind, um sie aufmerksam bis zum Ende durchzulesen. So wie die AGB. Roy kann voll und ganz verstehen, dass sich niemand die Mühe machen möchte, die ewig langen Texte zu lesen. "Ich habe die meisten selbst auch nicht gelesen. Und wenn, dann habe ich schnell den Faden verloren", gibt er zu. "Aber die User sollten sich ihrer Rechte bewusst sein und nicht akzeptieren, gelehrig und unwissend zu bleiben, nur weil sie sich sonst mit fürchterlich langen Texten auseinandersetzen müssen." Deshalb listet das Team die wichtigsten Webseiten auf, die nach ihren AGB bewertet und eingeordnet wurden.

Wie ein "Eco"-Siegel für Waschmaschinen

Die drei Gründer machen also das, wozu der Otto Normalverbraucher keine Zeit hat: Sie sichten die AGBs der Webseiten, führen Mängel und Qualitäten auf und vergeben am Ende eine Gesamtnote. An dieser Note können die User sehen, ob sie den Bedingungen einer Webseite zustimmen können oder es lieber lassen sollten. Die Idee, Bewertungsnoten von Klasse A (sehr gut) bis Klasse E (sehr schlecht) zu vergeben, hatte Programmierer Michiel, als er sich genauer mit Waschmaschinen beschäftigte. So wie es dort in Sachen Umweltschutz genügt, auf das europäische "Eco"-Siegel zu achten, wollte er auf der Webseite dem User sofort klar machen, welche Bedingungen legitim sind und welche nicht. So hat zum Beispiel das Social-Media-Programm für Bilderuploads "Twitpic" ein rot hinterlegtes "Klasse E" erhalten: Gelöschte Inhalte werden hier nicht wirklich vernichtet und das Portal erhält automatisch alle Rechte an hochgeladenen Bildern. Die Suchmaschine "Duck Duck Go" dagegen hat ein einwandfreies "Klasse A" erhalten. Hier werden keinerlei Suchabläufe gespeichert und nachverfolgt. In den AGB der großen Seiten wie "Facebook", "Google" und "Amazon" sammelt das Team bereits Details und listet sie auf, zu einer Gesamtnote sind die drei aber noch nicht gekommen.

Die Reaktionen auf das Projekt, das seit Juni läuft, sind sehr positiv: "Die Seite ist gut besucht, schon 330 Interessenten haben sich dem Projekt angeschlossen, zwei von ihnen haben sich sogar beteiligt, indem sie Browser-Erweiterungen für die Server Chrome und Firefox erstellt haben", berichtet Roy stolz. Wer diese Erweiterungen aktiviert, bekommt schon beim betreten der gewünschten Webseite die Information eingeblendet, welche Gesamtnote vergeben wurde. Über das Portal Flattr kommen außerdem täglich Spenden von Usern an, die das Vorhaben der drei Aktivisten unterstützen wollen. Und auch die Webseite tossos.com, die sich ebenfalls mit der Kryptik von AGB beschäftigt, hat sich bereits mit ihnen zusammen getan.

Trotz all der Unterstützung sucht das Team um Roy aber noch nach mehr Hilfe. "Wir hoffen auf einen Vollzeit-Mitarbeiter mit juristischem Wissen, der mit uns an der Umsetzung feilt und die Community mit einbezieht", sagt er. Außerdem können sie sich derzeit nur um die größeren Webseiten kümmern. Deshalb beanspruchen die drei Betreiber kein Monopol auf ihre Idee: "Für spezifischere und landesabhängige Kriterien sollten andere aktiv werden, das Projekt kopieren, sich einen anderen Namen aussuchen und einfach anfangen!"

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