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Messenger Viele wollen weg von Whatsapp - das muss man zur Hype-Alternative Signal wissen

Viele Nutzer*innen schauen sich nach Alternativen zu Whatsapp um
Viele Nutzer*innen schauen sich nach Alternativen zu Whatsapp um
© Catherine Waibel/ / Picture Alliance
Signal ist die App der Stunde. Nachdem Whatsapp neue Nutzungsbedingungen angekündigt hat, werden dem Signal-Messenger die Server eingerannt. Das liegt am starken Fokus auf Privatsphäre.

Whatsapp ändert seine Nutzungsbedingungen - und die halbe Welt ist in Aufruhr. Denn der Messenger mit mehr als zwei Milliarden aktiven Nutzer*innen sichert sich derzeit die Rechte für einen erweiterten Datenaustausch mit Mutterkonzern Facebook. Zwar ändert sich für europäische User erst einmal nichts (mehr dazu können Sie hier nachlesen), doch für viele scheint das Pop-up mit den neuen Nutzungsbedingungen ein Denkanstoß gewesen zu sein. Schließlich sammelt Whatsapp schon lange Zeit und unabhängig von den jüngsten Änderungen weitaus mehr private Daten als viele Alternativen.

Neben Threema scheint Signal derzeit der Hauptprofiteur des Whatsapp-Exodus zu sein. Seit Tagen dominiert die Gratis-App den App Store und den Play Store, zwischenzeitlich hatte der auf Privatsphäre fokussierte Messenger mit dem Ansturm zu kämpfen. Immer wieder kam es bei Neuanmeldungen zu Verzögerungen. Dafür dürfte nicht zuletzt Elon Musk, Tesla-Gründer und seit neuestem reichster Mensch der Welt, verantwortlich sein. Er twitterte an seine mehr als 40 Millionen Follower: "Use Signal", nutzt Signal.

Wer steckt hinter Signal?

Signal ist schon seit einigen Jahren bekannt für seine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und seine unabhängige Struktur als Non-Profit-Organisation, die von einer Stiftung betrieben wird - und nicht von einem großen Tech-Unternehmen. Bekannt wurde Signal vor allem als Kommunikations-Tool von Aktivist*innen und anderen Menschen, die besonders um ihre Privatsphäre besorgt sind.

Im Jahr 2018 spendete übrigens ausgerechnet Whatsapp-Gründer Brian Acton 50 Millionen Dollar, um die Signal Foundation zu gründen, welche die Messenger-App nun betreibt. Acton wollte laut eigener Aussage einen wirklich privaten Messaging-Dienst erschaffen, nachdem er Whatsapp verließ, weil Facebook zunehmend die Privatsphäre aushöhlte.

Für welche Plattformen gibt es Signal?

Die App ist kostenlos und steht auf Apple- und Android-Smartphones zum Download bereit. Sie kann aber auch am Desktop-Computer genutzt werden. Alles, was Sie für eine Anmeldung benötigen, ist eine Telefonnummer. Anschließend können Sie Textnachrichten sowie Sprach- oder Videoanrufe mit Freunden und Bekannten tätigen, sowohl einzeln als auch in Gruppen. Wie in anderen Messenger-Apps gibt es diverse Sticker und Emojis.

Wie sicher ist Signal?

Die Kommunikation auf Signal ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das heißt, dass ausschließlich jene Personen den Inhalt von Nachrichten lesen können, die an der Unterhaltung beteiligt sind. Außenstehende - nicht einmal das Unternehmen selbst - sind dazu nicht in der Lage. Signal meint es in puncto Privatsphäre besonders ernst, selbst Sticker-Pakete besitzen eine eigene Verschlüsselung. Zudem hat Signal jenes Verschlüsselungsprotokoll entwickelt, welches andere Dienste wie etwa auch Skype und Whatsapp nutzen. Kein Wunder, dass Whistleblower Edward Snowden einer der prominentesten Unterstützer der App ist.

Moment, Whatsapp nutzt die gleiche Verschlüsselung?

Ja. Auch dort sind Anrufe privat und Nachrichten können nicht mitgelesen werden. Jedoch sammelt Facebook Daten, die auf den ersten Blick harmlos erscheinen - etwa die Login-Zeiten, die Gerätekennung und mit welchem Netzwerk man verbunden ist. Diese Metadaten verraten jedoch mehr über unsere Verhaltensmuster, als man zunächst denkt. Anhand solcher Daten könnte man sogar eine Affäre enttarnen, erklärt die Datenaktivistin Katharina Nocun im stern-Gespräch.

Sammelt Signal wirklich nichts über die Nutzer?

Nach allem was bekannt ist, nein. Und bislang gibt es keinen Grund vom Gegenteil auszugehen. Die einzige Information, die Sie bereitwillig mit der App teilen, ist Ihre Telefonnummer. In den Augen einiger Kritiker ist das die größte Schwachstelle. Das Unternehmen arbeitet mit Hochdruck daran, den Messenger von der Telefonnummer zu entkoppeln.

Warum sammelt Signal keine Daten?
Hinter Signal steckt eine gemeinnützige Stiftung und kein gewinnorientiertes Unternehmen. Dementsprechend haben die Betreiber keinen Grund, persönliche Daten der Nutzer*innen zu sammeln.

Bietet Signal auch Nachrichten mit Ablaufdatum?

Ja. Auf Wunsch kann man Nachrichten erstellen, die nach einem definierten Zeitraum von selbst verschwinden.  

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