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Messenger Wirbel um neue Whatsapp-Richtlinien: Was wirklich dahintersteckt

Whatsapp Symbolbild
Neue Whatsapp-Richtlinien sorgen derzeit für Wirbel
© Aytac Unal/ / Picture Alliance
Greift Facebook nun im großen Stil Nutzungsdaten von Whatsapp ab? Diesen Eindruck bekommt man derzeit in sozialen Netzwerken. Allerdings ist das nicht ganz korrekt, wie ein Blick ins Kleingedruckte zeigt.

Whatsapp ist mit mehr als zwei Milliarden aktiven Nutzer*innen der populärste Messenger der westlichen Welt. Wer in den vergangenen Tagen die Chat-App gestartet hat, wurde mit einem unübersehbaren Popup begrüßt. Darin heißt es: "Whatsapp aktualisiert seine Nutzungsbedingungen und seine Datenschutzrichtlinie", die hierzulande ab dem 8. Februar gelten sollen. Stimmt man nicht zu, soll man ab dem Stichtag die App nicht mehr verwenden können.

In den neuen Regelungen wird vor allem angepasst, wie Mutterkonzern Facebook die Daten der Messenger-App verarbeiten und wie Unternehmen Whatsapp als Kommunikationstool mit Kund*innen nutzen darf. Dementsprechend groß ist die Aufregung in sozialen Netzwerken. Häufig heißt es, Facebook dürfe nun auf die deutschen Whatsapp-Daten zugreifen und sogar an Werbekunden weiterreichen.

Datenschützer schlagen Alarm, sprechen bisweilen sogar von einem nun unbeschränkten Datenverkehr zwischen Whatsapp und Facebook. Es wird der Eindruck erweckt, die eigenen Chats könnten bald zur Optimierung von Werbeanzeigen von Facebook genutzt werden. Doch ganz so einfach, wie sie auf den ersten Blick wirkt, ist die Sache nicht - vor allem in Deutschland.

Diese Whatsapp-Daten nutzt Facebook

Wer die neuen Whatsapp-Nutzungsbedingungen nachlesen möchte, wird hier fündig. Und hier findet man die aktualisierte Datenschutzrichtlinie. Darin heißt es unter dem Punkt "So arbeitet Whatsapp mit anderen Facebook-Unternehmen zusammen": "Whatsapp arbeitet auch mit den anderen Facebook-Unternehmen zusammen und teilt Informationen mit diesen, damit sie uns dabei helfen können, unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten." Nach weiteren Ausführungen folgt jedoch ein entscheidender Satz: "Keine der Informationen, die Whatsapp auf dieser Grundlage weitergibt, dürfen für die eigenen Zwecke der Facebook-Unternehmen verwendet werden."

Das heißt im Klartext: Technische Daten von Whatsapp werden durchaus an Facebook übertragen. Dazu gehören unter anderem die Telefonnummer, die bei der Registrierung für Whatsapp angegeben wurde, einige Geräteinformationen (Gerätekennung, Betriebssystemversion, App-Version, Plattforminformation, Ländervorwahl der Mobilnummer, Netzwerkcode) und einige der Nutzungsinformationen (wann Whatsapp zum letzten Mal genutzt wurde, wann der Account registriert wurde, sowie die Art und Häufigkeit der Nutzung von Features). Diese Daten werden jedoch nicht zum Optimieren der Werbeanzeigen verwendet.

EU-Nutzer*innen sind außen vor

Das Unternehmen hat mittlerweile in einem Statement noch einmal klargestellt, dass die neuen Regelungen nicht für EU-Nutzer*innen gelten. "In der EU gibt es ein separates Privacy Policy Update, laut welchem die Daten von Whatsapp-Nutzern weiterhin nicht mit Facebook geteilt werden." Weiter heißt es: "Es gibt keine Änderungen an den Praktiken der Datenweitergabe von Whatsapp in der europäischen Region (einschließlich Großbritannien), die sich aus den aktualisierten Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien ergeben." bestärkt wird dies durch die Tweets der Whatsapp-Mitarbeiterin Niamh Sweeney. Sie schreibt: "Derzeit nutzt Facebook deine Whatsapp-Account-Informationen nicht dazu, deine Produkterlebnisse auf Facebook zu verbessern oder dir interessantere Facebook-Anzeigen zu zeigen.“ Daran werde sich auch weiterhin nichts ändern. In den USA ist das jedoch anders.

Dass die neuen Regeln nicht für deutsche Nutzer*innen gelten, bedeutet jedoch nicht, dass Whatsapp aus Datenschutz-Sicht empfehlenswert ist. Andere Messenger wie Signal verarbeiten etwa deutlich weniger personalisierte Daten.

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