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Messenger Nach AGB-Update wollen alle weg von Whatsapp - jetzt erklärt der Konzern, was dahinter steckt

Frau mit Handy, Whatsapp Logo
Whatsapp meldet sich zu den AGB-Änderungen zu Wort (Symbolbild)
© Whatsapp und mdphoto16 / Getty Images
Die Download-Zahlen von Alternativ-Messenger schießen seit einem Update von Whatsapps Nutzungsbedingungen nach oben. Der Konzern zeigt sich überrascht. Und erklärte nun, warum sich eigentlich fast nichts ändert.

Für viele scheint es der Tropfen gewesen zu sein, der das Fass zum Überlaufen bringt: Nachdem die Nachricht einer Änderung der Nutzungsbedingungen von Whatsapp die Runde machte, luden sich Millionen Menschen rund um die Welt eine oder mehrere der Alternativen herunter. Signal dominierte die Download-Charts, der Zweitplatzierte Telegram konnte in kürzester Zeit 25 Millionen neue Nutzer zulegen. Kein Wunder, dass bei Whatsapp alle Alarmglocken klingeln.

Die Facebook-Tochter sah sich nun sogar genötigt, die Wogen mit einem Blogpost zu glätten. Der hat zusammengefasst eine einzige Nachricht: Alles ist ein gigantisches Missverständnis. Mit dem Update sei eigentlich nur die Speicherung der Whatsapp-Nutzerdaten bei Unternehmen klarer formuliert worden, wenn diese von Whatsapp-Nutzern über den Messenger kontaktiert werden. In der Praxis dürfte die Änderung also die wenigsten betreffen. Doch da war das Kind schon in den Brunnen gefallen. 

Woge des Widerstandes

Denn in den sozialen Netzwerken hatte sich im Nu verschiedene andere Versionen verbreitet. "Wir haben vor Kurzem unsere Datenschutzrichtlinie aktualisiert und viele wohl überlegte Fragen erhalten", versucht der Post die vielen Gerüchte nett zu umschreiben, um dann schnell zur Klarstellung zur kommen. "Wir möchten deutlich herausstellen, dass die Aktualisierung der Richtlinie absolut keine Auswirkungen auf deine Privatsphäre hinsichtlich deiner Nachrichten an Freunde oder Familie hat." Die privaten Nachrichten und die Anrufe könne Whatsapp ebenfalls nicht belauschen. Und auch die Zusammenlegung der Daten mit Facebook sei nicht, wie von vielen behauptet, mit der Änderung eingeläutet worden.

Das hatte auch Whatsapps Politik-Chefin Niamgh Sweeny in einem langen Twitter-Thread schon klargestellt. "Es gibt keinerlei Änderung bei Whatsapps Praxis zum Teilen von Daten." Die Daten der europäischen Nutzer würden weiterhin nicht für die Anzeige von Werbung oder die Verbesserung von Facebook genutzt. 

Im Rest der Welt wurde das übrigens auch nicht gerade eingeführt - sondern schon vor Jahren. Für eine kurze Zeit konnte man 2016 der Daten-Übernahme durch den Mutterkonzern widersprechen. Wer das damals nicht tat oder sich danach angemeldet hat, hat seine Daten außerhalb der EU ohnehin schon jahrelang mit Facebook geteilt.

Für Facebook dürften die Gerüchte mehr als ärgerlich sein. Der Konzern sieht sich regelmäßig mit Vorwürfen eines übermäßigen Datenhungers konfrontiert, oft auch zurecht. In diesem Fall reichte aber der - tatsächlich wohl unbegründete - Verdacht, um die Kunden scharenweise zur Konkurrenz zu treiben. Kein Wunder, dass sich neben Sweeny noch mehrere andere Manager bei Twitter zu rechtfertigen versuchten.

Wechsel kann sinnvoll sein

Gründe, den Messenger zu wechseln, gibt es ohnehin genug. Obwohl Whatsapp durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung keinen direkten Zugriff auf die Chats hat, kann der Messenger trotzdem jede Menge persönliche Informationen über seine Nutzer sammeln. Die sogenannten Metadaten sind dabei fast wertvoller als die Chats selbst, verriet Datenschutz-Expertin Katharina Nocun dem stern bereits letztes Jahr. So kann man aus dem Zeitpunkt, der Häufigkeit und der Dauer von Gesprächen zwischen Personen viel über die Netzwerke zwischen den Menschen erfahren. Eine Sprachnachricht nachts um drei deutet etwa auf eine andere Beziehung hin, als ein gelegentlicher Gruppenanruf in Bürozeiten. Mehr Details und welche Daten Whatsapp sammelt, erfahren Sie hier.

Als Alternative empfehlen Datenschützer und auch der NSA-Whistleblower Edward Snowden meist die App Signal. Der mittlerweile von Whatsapp-Gründer Brian Action mitfinanzierte Messenger funktioniert sehr ähnlich wie der Konkurrent, hat aber große Vorteile beim Datenschutz. Weil der Quellcode der App offengelegt ist, kann man zudem nachvollziehen, dass sie nicht heimlich Nutzerdaten sammelt. Was man zu der App wissen muss, erfahren Sie hier.

Quelle: Blogpost

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mma

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