Powershopper, die viel bei Ebay einkaufen, haben ganz besondere Strategien, um gute Geschäfte zu machen. Hier verraten erfahrene Käufer ihre persönlichen Sparmaßnahmen.
Wer viel über Ebay kauft, entwickelt irgendwann aus Erfahrung eigene Strategien, um möglichst günstige Schnäppchen zu erkennen und zu ersteigern. Elf Power-Shopper verraten ihre persönlichen Tricks zum Geldsparen.
Im Wesentlichen lassen sich die Empfehlungen so zusammenfassen: flexibel sein, zur Not einige Mühe auf sich nehmen und sich anders verhalten als die Masse. Wie diese Grundregeln umgesetzt werden können, schildern erfahrene Ebay-Nutzer, die jeden Trick kennen.
Benedikt
Schmidt, 22, Bad Neustadt:
"Als Kunde freut man sich ja, wenn in
der Auktion die Ware genau beschrieben
und auf Fotos gut zu sehen ist. Aber für
Schnäppchen kann es sich lohnen, gezielt
nach Auktionen zu suchen, bei denen
genau das nicht der Fall ist. Ich hatte mit
dieser Strategie schon mehrmals Glück.
Mein bester Griff war ein Schreibtisch
der Designermöbel-Marke Vitra, der neu
etwa 2000 Euro kostet: Der war bei Ebay
ohne ein einziges Bild und mit einer
grottenschlechten Beschreibung eingestellt.
Natürlich ist es immer ein Risiko,
auf etwas zu bieten, das man nicht sieht
und über das wenig erklärt wird. Ich tat
es trotzdem - und bekam dieses Wahnsinns-
Teil für läppische 50 Euro!"
Sandy Sawilla, 31, Oldenburg:
"Wenn der Zoll in Deutschland nicht so
streng wäre, würde ich überhaupt nur
noch bei Ebay USA einkaufen. So wie
der Dollar momentan steht, ist dort einfach
fast alles billiger als bei uns. Das gilt
vor allem für amerikanische Marken-
Klamotten, die es hier zum Teil gar nicht
oder nur deutlich teurer gibt. Für manche
Jeans des Luxus-Labels 7 For All Mankind
müsste ich in Deutschland 270 Euro
hinblättern - über Ebay.com zahle ich
dafür maximal 80 bis 90 Euro. Ein Ed-
Hardy-Shirt habe ich vor kurzem gar für
25 Euro bekommen. Und das war keine
Fälschung, sondern ein Original. Ich habe
mittlerweile einen festen Stamm von
Verkäufern in den USA, denen ich in
dieser Hinsicht vertrauen kann. Mit einigen
dieser Händler sind inzwischen sogar
Mailfreundschaften entstanden."
Mehr für weniger
kaufen Hans Büttner,
38, Sulzbach-Rosenberg:
"Ich habe schon mehrfach festgestellt,
dass es sich lohnen kann, Dinge im Paket
zu kaufen. Bei mir sind das CDs, bei
Büchern dürfte es aber genauso funktionieren.
Schon wegen der Versandkosten
ist es billiger, einen größeren Posten anstatt
mehrerer einzelner Artikel zu kaufen.
Natürlich sind in einer Kiste mit
20 CDs nur fünf dabei, die ich noch nicht
habe oder die mir gefallen. Aber weil mir
auch das Verkaufen Spaß macht, stelle
ich die 15 CDs einfach wieder ein. Oft
komme ich auf diese Weise am Ende null
auf null raus - das heißt, die Platten, die
ich wollte, hab ich umsonst bekommen."
Frank März, 34, Nürnberg:
"Ich halte es für extrem wichtig,
im richtigen Moment einzukaufen. Der
Sommer ist fürs Schnäppchenmachen
viel besser geeignet als der Winter, wahrscheinlich
weil dann die Leute - und
damit Mitbieter, die die Preise hochtreiben
- eher draußen sind als am Computer.
Unabhängig von der Jahreszeit biete
ich bevorzugt auf Angebote, die zu
untypischen
Zeiten auslaufen. Wenn
man Geduld hat und etwas nicht sofort
braucht, was ohnehin die Grundvoraussetzung
für günstiges Einkaufen ist, führt
diese Strategie auch zum Erfolg - zumindest
bei mir: Nach meiner Erfahrung
würde ich schätzen, dass ich bei einer
Auktion, die um 10 Uhr morgens endet,
30 Prozent Rabatt gegenüber überlaufenen
Abendangeboten raushole."
Anna Reg, 55, Bamberg:
"Wer es richtig anstellt, kommt über Ebay
unschlagbar günstig an Reisen. Die wichtigste
Voraussetzung ist, dass man extrem
flexibel ist - sowohl beim Ziel als auch
beim Zeitpunkt der Reise. Denn die besten
Schnäppchen gibt es nicht bei professionellen
Anbietern, sondern bei Privatverkäufern,
die etwa ein Zugticket für
eine bestimmte Strecke an einem bestimmten
Tag kurzfristig loswerden müssen.
Auf diese Weise sind mein Mann und
ich schon für 27 Euro von Bayern nach
Hamburg und zurück gefahren. Auch
Übernachtungen bekommen wir so regelmäßig
zum Spottpreis: Einmal habe ich
einen Gutschein für zwei Nächte mit
Halbpension für zwei Personen im Ramada-
Hotel Leipzig gekauft - für läppische
19 Euro. Weil der Gutschein nur noch
wenige Wochen
gültig war, wollte der
Besitzer
ihn unbedingt loswerden. Ich
rief nach dem Kauf beim Hotel an, das den Gutschein ohne zu murren um zwei
Monate verlängerte. Aber wie gesagt:
Die Strategie
funktioniert nur, wenn man
nicht unbedingt
zu einer bestimmten
Zeit an einen bestimmten Ort will. Wir
richten uns einfach nach dem Angebot
und kommen
so in Gegenden, an die
wir selbst gar nicht gedacht hätten. Den
Gutschein
für unsere nächste Reise habe
ich schon: vier Tage Bad Birnbach in
Niederbayern
für 100 Euro."
Michael Zehetner, 31, München:
"Wir kaufen fast alles, was wir brauchen,
bei Ebay: Damenklamotten, Herrenhemden,
Spielsachen, Möbel, Instrumente,
Geschirr. Damit wir mit überteuerten
Angeboten gar nicht erst konfrontiert
werden, suchen wir grundsätzlich nur bei
Privatverkäufern, indem wir bei der Suche
die Option "nur gebrauchte Artikel"
aktivieren. Wir tun das aus mehreren
Gründen: Erstens sind uns gewerbliche
Händler irgendwie suspekt, wir bevorzugen
einfach den flohmarktartigen Handel;
zweitens finden wir nur bei Privaten
Dinge, die man im regulären Handel nicht
mehr bekommt, etwa eine Ergänzung zu
unserer alten Besteckgarnitur; und drittens
lassen sich bei gebrauchten Sachen
die besten Schnäppchen machen. Ich
trage zum Beispiel am liebsten Hemden
von Jacques Britt. Die bekomme ich für
13 bis 15 Euro - zwar getragen, aber fast
immer im Top-Zustand - während ich im
Handel das Fünffache bezahlen müsste."
Hans Büttner, 38,
Sulzbach-Rosenberg:
"Günstig einkaufen kann man nur, wenn
man den Marktwert einer Ware kennt.
Um den herauszufinden, betreibe ich
schon ein bisschen Aufwand: Wenn ich
ein Album von einer bestimmten Band
haben will, gehe ich erst einmal in die
erweiterte Suche, tippe den Namen der
CD ein und markiere "nur beendete
Angebote". Dann sehe ich, in welchem
Preiskorridor sich dieser Artikel bei
Ebay bewegt, und pendle mich mit
meinem Gebot im unteren Drittel dieses
Preiskorridors ein. Wenn etwa eine CD
bislang bei 25 bis 40 Euro endete, würde
ich mir 28 Euro als Limit setzen und dann
so oft bei Auktionen
mitbieten, bis ich
den Zuschlag erhalte - verbunden mit
dem schönen
Gefühl, weniger gezahlt zu
haben
als viele andere Interessenten."
Claudia Spranz, 42, Hoffenheim:
"Wenn's geht, versuche ich mich
bei Ebay anders zu verhalten als die
große Masse der Käufer. Der Klassiker ist
natürlich, auf Auktionen zu bieten, die
zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr
früh enden, wenn kaum Käufer am Computer
sitzen. Aber ich gehe noch weiter,
um mich von anderen abzuheben: Hohe
Versandkosten etwa schrecken viele Käufer
ab - aber wenn der Kaufpreis dafür
niedriger bleibt, kann es sich lohnen,
mehr Porto zu zahlen. Manchmal schaue
ich mir auch gezielt die Angebote von
Verkäufern mit relativ schlechtem Bewertungsprofil
an, bei denen die meisten
Mitglieder aus Prinzip nicht kaufen würden.
Dann prüfe ich die Kommentare, um
zu sehen, warum der Verkäufer negativ
bewertet wurde. Oft lese ich nur Kritikpunkte,
die mich persönlich nicht stören, etwa "verlangt drei Euro Versandkosten,
obwohl er nur 85 Cent draufklebt". In
solchen Fällen, wenn es also keine Hinweise
auf Betrug oder grobe Unzuverlässigkeit gibt, schlage ich gerne zu."
Sebastian Deck, 30, München:
"Ein Freund hat mir erzählt,
dass es bei Handyverträgen oft Fernseher,
Kameras und ähnliche Unterhaltungselektronik
als Zugabe gibt. Also hab ich
mir die Kategorie bei Ebay angeschaut
und bin tatsächlich unschlagbar günstig
an eine Wii gekommen: Ich musste dafür
zwei Verträge zu je zehn Euro Grundgebühr
à 24 Monate abschließen. Als Gegenleistung
bekam ich nicht nur die
Spielkonsole und zwei Motorola-Handys,
sondern auch eine Barauszahlung über
384 Euro, sodass mich die Verträge de
facto nur je zwei Euro im Monat kosten.
Ein Handy habe ich meiner Freundin
geschenkt, das andere verkaufe ich noch.
Wenn ich 20 Euro dafür bekomme, hat
mich die Wii alles in allem rund 80 Euro
gekostet - regulär hätte ich fast das Dreifache
gezahlt. Da nehme ich gern in Kauf,
dass solche Handy-Geschäfte umständlicher
sind, als wenn man direkt das gewünschte
Gerät kauft: Ich musste mehrere
Extra-Optionen stornieren, durch die
zusätzliche Kosten entstanden wären,
und darf auf keinen Fall vergessen, die
Verträge vor Ende der Laufzeit zu kündigen
- sonst wird das Schnäppchen im
Nachhinein noch richtig teuer."
Jens Leske, 36, Berlin:
"Bei Ebay gibt es eine praktische
Funktion namens 'Umkreissuche',
die ich oft nutze. Wenn ich Dinge wie
Möbel brauche, wo der Versand so viel
oder noch mehr als das Produkt selbst
kosten würde, gehe ich direkt in die erweiterte
Suche und markiere dort 'Artikelstandort
25 km' als Entfernung zu
meiner Postleitzahl. So sehe ich nur die
Angebote von Verkäufern in meiner
Nähe. Nur wenn dabei gar nichts Brauchbares
kommt, suche ich ohne Ortseinschränkung.
Bei anderen Dingen, die sich
leicht verschicken lassen, gehe ich umgekehrt
vor: Erst sehe ich mir das komplette
Angebot an, dann schaue ich, ob es eine
CD oder ein Buch zum selben Preis in
meiner Stadt gibt. Da ich in Berlin wohne,
ist meine Selbstabholer-Quote recht
hoch - und ich konnte so schon viel
Versandkosten
sparen."
Immer mit der Ruhe
Claudia Spranz, 42, Hoffenheim:
"Im Laufe der vielen Jahre, die
ich jetzt schon als Sammlerin bei Ebay
aktiv bin, habe ich gelernt, dass man
nicht immer alles sofort haben muss.
Geduld ist die wichtigste Eigenschaft
eines Schnäppchenjägers. Ich sammle
Katzenbücher und habe bei Ebay mehrere
Suchanfragen gespeichert, die mich
täglich über neu eingestellte Angebote
informieren. Während ich anfangs gewisse
Bücher regelrecht gejagt habe,
halte ich mich nun bei aktuellen Bestsellern
zurück und warte, bis sie nicht
mehr von jedem gekauft werden - denn
erst dann bekommt man sie zu guten
Preisen. Selbst wenn ich etwas schon
lange suche, würde ich heute nicht
mehr bei der erstbesten Auktion zuschlagen:
Nichts ist bei Ebay einmalig,
alles kommt wieder ins Angebot."
Hier darauf hinzuweisen Klamotten in den USA zu kaufen, echt schlau! Wer z.B. Kleider der Marke Abercrombie & Fitch in Europa verkauft hat schneller nen Brief eines Anwalts im Briefkasten als er diese Kolumne gelesen hat! Ein kleines Beispiel von vielen...
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weiterverkaufen. Sein Bestseller: die extrem seltene Birkin Bag von Hermès. mehr...
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