Lulu.com bietet die Möglichkeit, kostenlos eigene Bücher, CDs und andere Kunst zu veröffentlichen. stern.de sprach mit Lulu-Gründer Robert Young über Verlage, gute und schlechte Literatur - und Golfautos. Von Ralf Sander

Robert Young ist Gründer von Lulu.com und glaubt, dass alles wert ist, veröffentlicht zu werden© M. J. Sharp
Lulu.com kommt nach Deutschland, um den Buchmarkt zu revolutionieren. Und den für Kalender und CDs gleich mit. Jeder soll seine geistigen Ergüsse - Romane, Gedichte, Fotos, Lieder - einfach selbst publizieren, als Buch, CD, Kalender oder auch als Download. Die Produkte werden erst hergestellt, wenn sie gekauft werden. Für die Autoren und Künstler entstehen keine Kosten. Wer nichts verkauft, bezahlt auch nichts. (Mehr zu Lulu.com im Kasten)
Als "Ebay für geistiges Eigentum" preist Lulu-Gründer und -Chef Robert Young sein Baby an. stern.de hat den 51-jährigen Kanadier zum Gespräch getroffen.
Ja! Absolut! Eine andere Frage ist, ob alles wert ist, gelesen zu werden. Aber veröffentlicht? Auf jeden Fall. Ich habe als Schüler William Faulkner gelesen. Sein spezieller Stil ließ mich denken: Das ist der schlechteste Schriftsteller, den ich kenne. Und heute gehört Faulkner zu den Klassikern der modernen amerikanischen Literatur. Niemand, auch kein Lektor im Verlag, sollte entscheiden können, ob ein Werk veröffentlicht werden soll oder nicht. Der Leser soll entscheiden, was gut ist und was schlecht.
Das ist das Schöne am Internet. Die ganzen Werkzeuge des "Social Networking" helfen genau bei dieser Frage. Wie gut Empfehlungen anderer Leser funktionieren, sieht man bei Amazon. Wir setzen auf ein vergleichbares System, dazu kommen Foren, Chats, Blogs und andere Communityfunktionen. Das alles nützt natürlich auch den Autoren. Wir ermöglichen es, dass Autor und Leser in direkten Kontakt mit einander treten.
In der Tat. Die guten Bücher werden viel diskutiert und bekommen dadurch mehr Aufmerksamkeit. Schlechte Bücher werden ignoriert. Und richtig schlechte Bücher bekommen wiederum viel Aufmerksamkeit, allerdings mehr aus Spaß. Der freie Markt entscheidet.
Stimmt. In den USA gab es mal eine Firma, die hat "Pet Rocks" (sinngemäß auf Deutsch: "Steine zur Pflege") verkauft. Völlig verrückt. Jeder kann einen Stein vom Straßenrand mitnehmen. Aber eine Zeitlang haben wirklich Leute diese Pet Rocks gekauft. Schnell war der Markt gesättigt, die Firma gibt's nicht mehr. Der freie Markt macht schon merkwürdige Dinge und ist auch nicht besonders schöngeistig. Aber er ist sehr effizient.
Nur zum Teil. Viel wichtiger waren meine Erfahrungen, die ich durch die Gründung der Linux-Vertriebsfirma Red Hat gesammelt hatte. Dadurch, dass wir ein freies Betriebssystem verkauften, ermächtigten wir den Softwarenutzer, damit so zu arbeiten, wie er es wollte. Wenn man ein proprietäres Betriebssystem von Microsoft oder IBM kauft, behält der Hersteller die Kontrolle. Die Einflussmöglichkeiten auf das Produkt, die wir und die anderen Linux-Distributoren dem Käufer anboten, machten uns so erfolgreich.
Als Red Hat erfolgreich etabliert war, gab es genügend talentierte Manager, um den Laden am Laufen zu halten. Ich als Unternehmer suchte mir eine neue Herausforderung, ein Geschäftsfeld, in dem man mit dem Prinzip des "Dem Kunden Macht verleihen" erfolgreich sein könnte. Ich fand das Verlagswesen, das in seiner bisherigen "Prä-Internet"-Struktur dazu nicht in der Lage ist. Wer heute ein Buchmanuskript bei zehn Verlagen einschickt, bekommt zehn Absagen. Das hängt nicht unbedingt mit der Qualität des Buches zusammen, sondern mit der Kapazität eines traditionellen Verlages. Mit den Möglichkeiten des Internet können wir jedem helfen, ein Buch zu drucken, bei Bedarf eine ISBN-Nummer zu besorgen und den Titel zu verkaufen. Wichtig ist uns aber: Nicht wir sind der Verleger, der Autor ist es.
So funktioniert Lulu.com Lulu.com ist ein Online-Angebot, das Autoren, Musikern und anderen Künstlern als Veröffentlichungsplattform dient. Die Daten müssen in digitaler Form vorliegen, dann können sie über das Internet hochgeladen werden.
Der Urheber kann festlegen, ob er zum Beispiel ein Hardcover- oder Taschenbuch kreieren, eine Musik-CD machen oder aus eigenen Fotos einen Kalender erstellen will. Lulu übernimmt die Herstellen des gewünschten Produktes - aber erst dann, wenn es verkauft wird. Es ist sogar möglich, nur ein einzelnes Exemplar herstellen zu lassen.
Die Nutzung von Lulu ist kostenlos. Wird zum Beispiel ein Buch verkauft, werden Herstellungskosten und eine Provision von 20 Prozent des Autorenhonorars berechnet. Den Preis (und damit sein Honorar) legt der Autor selbst fest, er behält auch alle Rechte an seinem Werk. Gegebenenfalls können Kosten für Versand und weitere Dienstleistungen von Lulu (z. B. eine ISBN und Aufnahme in Buchhandelskataloge) anfallen.
Lulu.com bietet einen Shop-Bereich, in dem alle über Lulu publizierten Werke erhältlich sind.