Kims MEGA-Attacke auf Hollywood

18. Januar 2013, 17:25 Uhr

Er ist groß, dick und bringt Filmbosse ins Schwitzen: Kim Schmitz startet am Samstag die neue Mega-Plattform. Die soll nicht nur schneller sein, sondern Raubkopierern völlig neue Möglichkeiten bieten. Von Christoph Fröhlich

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Kim Schmitz im Juni 2012: Der Megaupload-Gründer plant für Samstag den Start seiner neuen Hostingplattform Mega.©

In wenigen Stunden wird es wieder voll auf der Datenautobahn. Dann gibt Kim Schmitz, das protzige Enfant terrible des Internetgeschäfts, den Startschuss für sein neues Mega-Imperium. Am 19. Januar, exakt ein Jahr nach seiner spektakulären Festnahme, wird der gebürtige Deutsche gegen 19 Uhr die Server des Megaupload-Nachfolgers hochfahren. Und nicht nur Filmpiraten und Raubkopierer werden das Datum rot im Kalender eingekreist haben, auch Hollywood und die Musikindustrie dürften sich den Dienst genauer ansehen. Denn eins ist sicher: Kim "Dotcom" Schmitz will wieder dick ins Downloadgeschäft einsteigen, und dafür dürfte erneut das eine oder andere Gesetz gebrochen werden. Doch diesmal will er sich nicht erwischen lassen - und dafür hat er sich jede Menge Tricks einfallen lassen.

Megadreist und megaschlau

Die Geschäftsidee ist dieselbe wie zuvor: Nutzer können Daten auf Schmitz' Internetplattform anonym hochladen und anderen Usern zum Download bereitstellen. Wie auch beim Vorgänger dürften das meist angesagte Kinofilme, Musikalben, Games oder Serien sein. Nur eines ist diesmal anders: Anwälte der Film- und Musikindustrie sollen keine Angriffsfläche mehr finden können, behauptet Schmitz.

Dafür nutzt er eine komplizierte Technik, die Dateien schon beim Hochladen verschlüsselt und erst auf dem Computer der Nutzer entpackt. Im Ernstfall sollen weder die Betreiber noch Ermittler die Dateien knacken können. Wie eine Bank wisse auch Schmitz nicht, was die Kunden in ihr Schließfach tun würden. In Interviews präsentiert er sich als megaschlau, in Wahrheit ist er aber vor allem eins: megadreist. Denn die Verschlüsselung dürfte weniger der Sicherheit dienen, sondern vor allem zur Verschleierung von Urheberrechtsverletzungen eingesetzt werden.

Für den User ändert sich dagegen wenig, im Mittelpunkt steht immer noch die simple Handhabung der Vorgänger-Plattform, bei der Downloads mit einem Klick gestartet werden können. Außerdem soll es weitere Funktionen geben. Gerüchten zufolge plant Schmitz einen eigenen E-Mail-Service und einen Dienst für Internettelefonie.

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Kim Schmitz vor der Bühne, auf der er die neue Hostingplattform Mega eröffnen will.©

Frecher Pfundskerl

Wie gewohnt nimmt der korpulente Ex-Hacker den Mund wieder ziemlich voll: "Erwartet eine unvergleichliche Pressekonferenz. Ihr kennt mich. Ich kann es nicht klein machen", schreibt Schmitz via Twitter. In einem späteren Tweet präsentiert sich der massige Zwei-Meter-Mann vor einer riesigen Open-Air-Bühne, die eher zu einem Musikfestival passen würde als zum Start einer Internetseite. Die Botschaft ist klar: Kim Schmitz ist zurück. Und sein Dienst soll die Welt verändern. "Ich denke, ihr werdet ziemlich zufrieden mit dem neuen Mega sein", erklärt Schmitz seinen fast 200.000 Followern. "Es ist wie eine Zeitreise. Wir bringen euch direkt in die Zukunft!!!"

Auch die Chance, gegen die US-Behörden zu sticheln, lässt sich der Wahl-Neuseeländer nicht entgehen: "Noch zwei Tage bis Mega. Zwei Tage, bis die US-Regierung versagt und die Innovation siegt." Auf seiner Internetseite poltert er weiter: "Mr. President, der Krieg ums Internet hat begonnen". Darunter findet sich ein Video, in dem sich Kim Schmitz zum modernen Martin Luther King aufschwingt und als Retter des Internets heroisiert.

So lautstark Mister Dotcom sein baldiges Comeback feiert, so kleinlaut geben sich derzeit die US-Behörden. Nach der hollywoodreifen Festnahme des Wahl-Neuseeländers vor einem Jahr mussten sie viele Rückschläge im Prozess erleiden. So erklärte ein Gericht in Neuseeland die von der Polizei gesammelten Beweismittel für unzulässig, außerdem erhielt Schmitz einige Millionen seines eingefrorenen Kontos wieder zurück.

Zudem wurde die Verhandlung für die Auslieferung in die USA auf Juli 2013 verschoben. Dass es dazu jemals kommen wird, darf bezweifelt werden. Wenn doch, drohen Schmitz bis zu 55 Jahre Haft, unter anderem wegen Verstößen gegen das Urheberrecht, Geldwäsche und Bandenkriminalität.

Weiße Weste

Ein bisschen seien die Film-, Musik- und Gamingindustrien ja auch selbst schuld, wenn ihre Werke kopiert werden, findet der Web-Entrepreneur. Noch sei es bequemer, sich Daten illegal herunterzuladen als zu kaufen, in einigen Fällen gäbe es nicht einmal eine legale Alternative. Um Internetpiraterie einzudämmen, gibt Schmitz der Contentindustrie fünf mehr oder weniger wertvolle Tipps:

• Schaffe großartige Inhalte
• Mache es leicht, Inhalte zu erwerben
• Veröffentliche Inhalte weltweit am selben Tag
• Biete einen fairen Preis
• Lasse es auf jedem Gerät funktionieren

Dass er selbst jahrelang prächtig an den Raubkopien seiner Nutzer verdiente, verschweigt der pfundige Internetmillionär. Er stellt sich stattdessen als Ratgeber mit weißer Weste dar. Der Erfolg seines Filehosting-Dienstes war gigantisch: Schätzungsweise 175 Millionen US-Dollar hat Megaupload im Jahr eingebracht, auch dank Gebühren von namhaften Firmen wie Shell, Beiersdorf, L'Oreal oder Daimler, die den Dienst legal nutzten.

Skurril: Selbst Filmproduzent Paramount speicherte Daten im Mega-Universum des Kim Schmitz, Filmpiraten und Filmindustrie teilten sich die gleichen Server. Zu Spitzenzeiten nutzten 50 Millionen Menschen täglich die Seite, zeitweise seien sogar bis zu vier Prozent des gesamten weltweiten Datenverkehrs über Megaupload abgewickelt worden, heißt es in verschiedenen Quellen.

Geld und Größenwahn

So schnell wie das Geld eintrudelte, gab es Schmitz auch wieder aus: Er gönnte sich eine Prachtvilla samt riesigem Grundstück in Neuseeland, eine Flotte von Sportwagen, beschäftigte mehrere Bedienstete und führte auch sonst ein Leben zwischen Geld und Größenwahn. Nun hat er laut eigener Aussage nicht einmal genug Geld, seine Anwälte zu bezahlen.

Genug für ungewöhnliche Werbekampagnen ist aber scheinbar noch da: Um die Werbetrommel für den Megaupload-Nachfolger zu rühren, verteilt Kim Schmitz laut einem Bericht der neuseeländischen Website "stuff.co.nz" tonnenweise Eiscreme im Hafen von Auckland. In zehn der kostenlosen Eisbechern sollen zudem Eintrittskarten für die Start-Party abgedruckt sein.

Doch der Auftakt verläuft schon jetzt alles andere als reibungslos: Eine schon gebuchte Radio-Werbekampagne für Mega sollen die Sender bereits wieder storniert haben. "Es ist noch nicht einmal gestartet und schon sagen sie, dass es böse sei", beschwert sich Schmitz. "Im dunklen Zeitalter haben die Feinde des Fortschritts Bücher verbrannt, heute verbrennen sie Webseiten. Mega wird die Webseite sein, die das alles beendet."

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