Internet statt Kaffeekränzchen

26. Juli 2010, 08:01 Uhr

Senioreneinrichtungen müssen umdenken - die Ansprüche ihrer Zielgruppe an die Infrastruktur ändern sich. Die ältere Generation will auch am digitalen Leben teilhaben und lässt sich nicht mehr mit Volksmusik und Fernsehabenden ruhig stellen.

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Auch Senioren wollen am digitalen Lifestyle teilhaben©

Die ältere Generation drängt ins Mitmach-Internet, sei es in Soziale Netzwerke, in Blogs, Foren, Chats oder in sonstige Communities. Das Web 2.0 verändert nach Überzeugung des Autors auch unser Leben im Alter. Dies wird sich auf die Ansprüche auswirken, die Senioren und deren Angehörige zukünftig an Einrichtungen zur Seniorenbetreuung stellen.

Frau Stein ist körperlich noch recht rüstig und geistig fit, ist aber vor kurzem in einen Seniorenwohnsitz gezogen. "Der Schritt umzuziehen war richtig, solange ich noch halbwegs fit bin", so ihre Meinung. "Die Kinder und Enkel sind über die ganze Welt verstreut, da sind Besuche eher selten. Kontakt haben wir bisher über Skype und Facebook gehalten und über andere Seniorenplattformen stehe ich ständig im Austausch mit interessanten Menschen - da wird es nie langweilig. Für mich hat sich diesbezüglich durch den Umzug in die Seniorenresidenz nichts geändert."

Falsches Bild der hilfsbedürftigen Senioren?

Sicherlich ein nicht alltägliches Szenario, welches nicht so recht zum herrschenden Bild hilfe- und pflegebedürftiger Senioren sowie zum Angebot von Senioreneinrichtungen passen will. Es gibt durchaus viele agile Senioren, die ehrenamtlich aktiv sind, sich als Hobby "Motorad-fahren" auswählen oder mit 78 in Computerkursen büffeln. Menschen, die jetzt (bzw. in den kommenden Jahren) in den Ruhestand gehen, hatten 25 bis 30 Jahre im Beruf und/oder im Privatleben Umgang mit Computer und Internet.

Diese Zielgruppe fühlt sich von den durch Sozialträger, Kommunen und Kirchengemeinden angebotenen "Kaffeekränzchen" und "Seniorennachmittagen" ganz und gar nicht angesprochen. Trotzdem organisieren Senioreneinrichtungen häufig ihr Programm unter der Prämisse, dass Senioren gerne Volksmusik hören und ihre Zeit mit Bastelnachmittagen verbringen möchten. Aktivitäten in Senioreneinrichtungen sind überwiegend auf therapeutische Aspekte oder Beschäftigungstherapie ausgerichtet, ohne auf die Wünsche und Vorstellungen der Betroffenen einzugehen.

Aktive Senioren haben dagegen genaue Vorstellungen, wie und mit wem sie ihre Zeit verbringen möchten. Hobbies, die im Internet gepflegt werden (Foto- und Video-Communities) gehören ebenso dazu, wie Partnersuche per Internet oder Kontaktaufnahme und Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten über soziale Netzwerke, Chats oder Foren. Warum sollte sich dies beim Wechsel in eine Senioreneinrichtung ändern?

Generation-Online ist nicht auf Jüngere begrenzt

Dass die Generation 50+ im "Internet angekommen ist", lässt sich auch an Nutzerzahlen ablesen. Der gerade erschienene Nonliner-Atlas 2010 gibt an, dass 71,5 Prozent der Altersgruppe 50-59 Jahre online ist, während dies bei den 60-69 jährigen immerhin noch 54 Prozent sind. Hier sind auch die größten Steigerungsraten zu vermelden. Der Bruch kommt in der Gruppe 70+, die erst zu 23% das Internet nutzt. Weitere Zahlen belegen, dass die Generation der Senioren gerade das Mitmach-Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten entdeckt. Von den 3 bis 4 Millionen Facebook-Nutzern in Deutschland (Stand Ende 2009) sind - je nach Quelle, zwischen 120.000 und 300.000 über 50 Jahre alt. Spezielle Senioren-Communities, wie Feierabend.de, Platinnetz.de oder forum-fuer-senioren.de, haben nach eigenen Aussagen je um die 100.000 Mitglieder. Bei wer-kennt-wen ist ein Großteil der Teilnehmer "deutlich dem Teenie-Alter" entwachsen und bewegt sich eher auf 40 bis 50 Plus zu. Besonders interessant ist dort, dass sich Kontakte über Altersgrenzen etablieren. Da finden sich durchaus rüstiger Pensionäre, die mit Freunden, alten Bekannten und ehemaligen Arbeitskollegen vernetzt sind, aber im Profil auch jüngere Personen (vermutlich Enkel) als "Ich kenne" aufweisen.

Über das Buch

Über das Buch "Nett, Sie online zu treffen" bietet Senioren einen leichten Einstieg ins Internet. Sie wollen wissen, was es mit Facebook, "wer-kennt-wen", Twitter und Blogs auf sich hat und ob das nicht auch was für Sie sein könnte? Möchten Sie nicht mal per Internet mit Ihren Lieben telefonieren und sie dabei auch sehen? Veröffentlichen Sie doch Ihre besten digitalen Fotos bei einer Fotocommunity. Oder wagen Sie etwas ganz Neues und bewerben Sie sich als Experte in einem Expertennetzwerk. Dieses Buch zeigt Ihnen leicht und verständlich, was es alles gibt, wie es geht und was Sie beachten müssen. Machen Sie einfach mit!

Über den Autor

Über den Autor Günter Borns Einsteiger-Bücher sind Bestseller. Auch schwierige Sachverhalte kann er leicht und verständlich vermitteln. Profitieren Sie von seiner langjährigen Erfahrung als Trainer und Autor

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