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4. Mai 2010, 11:47 Uhr

1,6 Millionen SchülerVZ-Daten ausgelesen

Das beliebte soziale Netzwerk SchülerVZ hat offenbar ein neues Sicherheitsproblem: Ein Lüneburger Wissenschaftler sagt, er habe 1,6 Millionen Datensätze minderjähriger Nutzer auslesen können, darunter auch private Daten. Laut der VZ-Netzwerke gibt es aber kein Datenleck.

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SchülerVZ stand einige Male in der Kritik wegen Datenschutzmängeln© Gerit Borth/DDP

Das Online-Netzwerk SchülerVZ hat offenbar erneut mit einem Datenleck zu kämpfen: Ein Computerexperte griff einem Bericht der Blogs Netzpolitik.org zufolge 1,6 Millionen Datensätze von überwiegend minderjährigen Schülern ab. Dies entspreche rund 30 Prozent aller Nutzerprofile des Netzwerks. Ein Sprecher des Unternehmens wies die Angaben gegenüber "Spiegel Online" zurück und sagte, aus der vorliegenden Stichprobe der abgegriffenen Daten gehe "nicht hervor, dass es sich um private Nutzerdaten handelt".

Bei sozialen Netzwerken können Nutzer ein eigenes Profil anlegen und sich mit Freunden und Bekannten vernetzen. Auch können sie auf den Internetportalen etwa Fotos, Videos oder persönliche Informationen veröffentlichen. Laut Netzpolitik.org enthalten die nun aufgetauchten SchülerVZ-Datensätze Basisinformationen der Nutzer wie Name, Schule und einen Link zu dem Bild des Angemeldeten. Viele der Schüler hätten jedoch bei ihrem Profil nicht die Option "privat" eingestellt. In diesem Fall seien auch Angaben wie Alter, Geschlecht, Klasse, Hobbys, Beziehungsstatus, politische Einstellung sowie Angaben zu Lieblingsfächern, -büchern und -bands abgegriffen worden.

In der Vergangenheit war SchülerVZ wiederholt in die Kritik von Daten- und Verbraucherschützern geraten, weil Daten aus dem Netzwerk in Umlauf gekommen waren. Der Verbraucherzentrale-Bundesverband teilte etwa im vergangenen Oktober mit, ihm seien durch Netzpolitik.org 100.000 Datensätze von Mitgliedern des Netzwerks übergeben worden, darunter ebenfalls sensible personenbezogene Daten. Im März hatte SchülerVZ jedoch bei einer Bewertung der Stiftung Warentest eine gute Bewertung für den Datenschutz erhalten.

Mitarbeiter der Uni Lünburg

Urheber der Aktion ist Florian Strankowski von der Leuphana Universität in Lüneburg. Um an die die Daten zu gelangen, habe er einen so genannten Crawler namens "LenaML" programmiert, eine Software, die vollautomatisch große Datenmengen durchsucht und sammelt. Im Interview mit Netzpolitik.org erläutert er, wie er über fast 800 automatisch angelegte Zugangskonten die Obergrenze für erlaubte Datenabfragen pro Profil umgangen und dann automatisch rund neun Schüler-Profile pro Sekunde abgegrast hat. Dabei seien auch Informationen zum Vorschein gekommen, die von den Nutzern eigentlich auf "privat" gestellt worden waren und damit für Unbefugte nicht einsehbar sein sollten. Doch die meisten Mitglieder sind in Gruppen organisiert. "In Gruppen sind Profile sichtbar, obwohl sie privat sind, auf Bildverlinkungen stehen die Namen von Profilen, welche auch privat sind", so Strankowski gegenüber Netzpolitik.org. Die in diesen Fällen abrufbaren Basisinformationen enthalten Name des Schülers, Name der Schule und deren ID-Nummer sowie Links zu Bildern.

Strankowski sagte, er habe zeigen wollen, dass SchülerVZ weder seinen Datenschutz verbessert habe, noch positive Bewertungen des Netzwerks in dieser Hinsicht berechtigt seien. Zudem habe SchülerVZ nicht auf Hinweise bezüglich des Datenlecks regiert. "In zwei Mails habe ich in den vergangenen Wochen die VZ-Gruppe auf Sicherheitslücken hingewiesen und meine Hilfe angeboten", sagte der Urheber der Aktion Netzpolitik.org. "Auf beide Mails habe ich keine Reaktion erhalten."

Ein SchülerVZ-Sprecher wies gegenüber "Spiegel Online" den Vorwurf eines Datenlecks zurück: Ein angemeldeter Nutzer habe für alle SchülerVZ-Mitglieder einsehbare Informationen kopiert. Es handle sich "explizit nicht um ein Datenleck". Aus der SchülerVZ vorliegenden Datenstichprobe aus den 1,6 Millionen abgegriffen Sätzen gehe nicht hervor, dass es "sich um private Nutzerdaten handelt".

Der Chef der VZ-Netzwerke, Clemens Riedl, zeigte sich Strankowski gegenüber "dankbar, dass er uns auf das Defizit aufmerksam gemacht hat". "Entscheidend ist, dass es sich hierbei weder um ein Datenleck noch um einen Angriff auf unsere Server handelt, sondern vielmehr um einen Verstoß gegen unsere AGB." Der Kopierschutz von öffentlich zugänglichen Daten werde "immer ein Katz-und-Maus-Spiel bleiben, deshalb sind wir für jeden Hinweis unserer Nutzer dankbar". Weiter erklärte das Unternehmen: "Wir haben Maßnahmen ergriffen und den Sicherheitsstandard auf diesen Aspekt hin, das maschinelle Auslesen von Daten- über mehrere hunderte beziehungsweise tausende Accounts, optimiert." Kritik am Verhalten der VZ-Netzwerke übte allerdings der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). "Da wird offenbar nach wie vor nicht genügend für die Datensicherheit getan", sagte der Referent des vzbv-Projekts "Verbraucherrecht in der digitalen Welt", Falk Lüke. "Wir gehen allerdings davon aus, dass SchülerVZ nicht die einzige Plattform ist, bei der eine solche Attacke möglich ist."

AFP/san
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Shik (05.05.2010, 14:21 Uhr)
@rixdorf
Diesen "privaten" Modeus von anfang an eingeschaltet zu haben wäre auf jeden Fall sinvoll.
Gleichzeitig kann man dem Betreiber aber auch keinen Vorwurf darüber machen das die Datenschutzkompetenz der Benutzer so gering ist und diese Funktion die zumindest einen großteil der Daten geschützt hätte nicht genutzt wird.

Hier würde ich begrüßen, wenn es mehr "Aufklärung" in den Schulen geben würde, denn viele Eltern haben einfach nicht das nötige Wissen und/oder die Erfahrung mit dem "neuen" Medium Internet um alle Gefahren die es so mit sich bringt zu erkennen.
______

Sicherlich, es wäre möglich CAPTCHA einzusetzen, aber auch das bringt nachteilt und schwierigkeiten mit sich.

Zum einen senkt es die Usebilety ungemein! Es ist ein essentieller Bestandteil von Seiten wie Schüler/MeinVZ, Facebook und Twitter das man schnell von einem Profil zum anderen wechseln kann um dort dann seine Nachrichten, Bilder, Kommentare etc. zu hinterlassen und das würde durch ständiges eingeben von Buchstaben die man sich erstmal aus Bildern raussuchen darf ungemein erschwert werden.

Desweiteren bringt eine Captcha funktion auch keine 100 Prozentige Sicherheit mit sich. Einfache Captchas können mitlerweile auch von Software ausgelesen werden und nur recht komplexe machen überhaupt sinn, was die benutzerfreundlichkeit wiederum soweit senken würde das die meisten Leute schnell auf andere Dienste umsteigen würden.
rixdorf (04.05.2010, 19:28 Uhr)
@shik
Dass viele Leute sehr schlampig mit ihren privaten Daten umgehen, ist leider wahr. Deshalb sollte diese Funktion auch vom Betreiber beim Erstellen eines Accounts standardmäßig aktiviert sein und nicht erst durch den Benutzer eingeschaltet werden.
Und das automatisierte Abrufen von Daten kann ganz einfach blockiert werden. Beim z.B. 2. Datensatz innerhalb einer Minute muss erst eine Sicherheitsgrafik bestätigt werden. Und schon braucht man für 1,5 Mio Datensätze über 3 Jahre Zeit.
Shik (04.05.2010, 19:02 Uhr)
@rixdorf
Das man die Benutzerkonten automatisiert abfragen kann ist überhaupt kein Skandal...

Das Problem an der Sache ist, dass die meisten Leute kein gefühl dafür haben was für sensieble Daten Sie ins Internet stellen, da Sie sich hier anonym fühlen.

Ausgehend davon das SchülerVZ genauso wie MeinVZ funktioniert ist es überhaupt nicht nötig Leute auf die Freundesliste zu setzen um ihre Daten einzusehen. Nach meiner einschätzung sind 90% alles Profile frei zugänglich und Private Daten sind nur da vor fremden "geschützt" wenn man diese Funktion auch aktiviert, was wie schon geschrieben die meisten nicht tun.

Die Daten nun über ein selber entwickeltes Programm auszulesen ist aufgrund der einheitlichen Struktur der Daten auf der Seite überhaupt kein Problem und eigentlich für jedem besseren hobby Programierer möglich.
stasicom (04.05.2010, 13:56 Uhr)
Hie der Link...
zum Interviev mit Florian Stankowski:

http://www.netzpolitik.org/2010/netzpolitik-interview-hintergruende-zum-schuelervz-datenleck/#more-13158
stasicom (04.05.2010, 13:47 Uhr)
Kann mir gut vorstellen...
das es schon etliche "private" Datenbanken aufgrund von nicht vorhandenden Sicherheitsmechanismen gibt.

Und wohl auch schon verscherbelt sind.
rixdorf (04.05.2010, 13:39 Uhr)
@neyzen
Der Skandal ist, das es scheinbar möglich ist, automatisiert Benutzerkonten anzulegen und ebenfalls automatisiert die Daten anderer Benutzer abzufragen.
Und wenn ich das richtig sehe, habe ich erstmal keine Freunde, wenn ein neues Konto angelegt wird und deshalb eigentlich auch keinen Zugang zu privaten Daten...
johnniedeamonic (04.05.2010, 13:39 Uhr)
na dann hoffe ich
mal stark das bereits Ermittlungen gegen diesen "Wissenschaftler" laufen der online Informationen über Minderjährige Sammelt
stasicom (04.05.2010, 13:36 Uhr)
Also...
...es war nicht die "Stiftung Warentest", die die VZ-gruppe zertifiziert hat, sondern der TÜV-Süd...
neyzen (04.05.2010, 13:29 Uhr)
Wenn...
ich mich als normaler user Einlogge und Freunde habe,dan sehe ich die Daten auch,das ist keine Kunst. Das ist nur die Dummheit anderer sich auch sollchen Profilen seine Privaten Daten öffentlich zu machen...
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