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21. August 2007, 13:10 Uhr

Wissenschaftler säubern Lexikon

Wie verbreitet sich die Sumpfbinse und was ist ein Gewittermikrofon? Bei Wikipedia stehen Antworten auf ungewöhnliche Wissensfragen - nicht immer korrekt recherchiert. Wissenschaftler sollen jetzt unseriöse Einträge im Internet-Lexikon löschen.

Tagung soll Kontakt zu Wissenschaftlern stärken© Boris Roessler/dpa

Die Idee von Wikipedia als usergeneriertes Lexikon war gut: jeder darf Einträge zu Themen veröffentlichen - oder bestehende verändern. Das wäre alles kein Problem, wenn die User der Wahrheit verpflichtet wären. Doch die Freiheit verführt einige schwarze Schafe zur Manipulation. Deshalb sollen Wissenschaftler als Filter fungieren und falsche Einträge löschen. Um den Kontakt zu Geisteswissenschaftlern zu vertiefen, organisiert der Verein Wikimedia Deutschland am 24. und 25. August unter dem Motto „W wie Wissen“ eine Tagung in Mainz, gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften. Dabei geht es vor allem um Perspektiven der Wissenschaftskommunikation für die breite Masse, abseits von Fachjournalen und Expertenforen.

Unreflektierter Umgang mit Fakten

Die Online-Enzyklopädie kann kostenlos genutzt werden - dies ist zugleich die Chance und das Risiko für Wikipedia. Denn ob die vermeintlichen Fakten auch wirklich stimmen, kann nicht immer zweifelsfrei überprüft werden. Gleichzeitig werden jedoch Fehler - vor allem auf populären Seiten - von anderen Nutzern schnell erkannt und getilgt. „Wir haben eine große Verantwortung für die Inhalte“, sagt Frank Schulenburg von Wikimedia Deutschland e.V. „Schließlich nutzen auch viele Schüler Wikipedia. Die übernehmen meist alle Fakten unreflektiert.“

Schlechte Artikel werden gelöscht

Um die Qualität der Beiträge weiter zu fördern, richteten die Mitarbeiter der deutschsprachigen Wikipedia Anfang des Jahres mehrere Fachredaktionen ein. Mit der Hilfe ehrenamtlicher Experten - darunter sowohl Geistes- als auch Naturwissenschaftler - werden die Artikel geprüft. Pro Tag landen laut Schulenburg rund 400 bis 500 neue Artikel bei Wikipedia. „Die schlechten löschen wir sofort wieder“ - dazu zählen Selbstdarsteller und reine Werbeartikel. Es fallen beispielsweise auch Beiträge durch, in denen die Fakten nicht mit korrekten Quellenangaben belegt sind. „Über Beobachtungslisten sehen wir auch Veränderungen an bestehenden Texten“, erklärt der Wikipedia- Autor. „Vor allem während der großen Schulpausen gibt es viel Vandalismus, etwa Einschübe wie „Nils ist doof“ irgendwo im Text. Das kann man schnell wieder entfernen.“

Täglich 154 Millionen Klicks

Vor allem um die Texte verständlicher zu machen, würden besonders gute Artikel mit dem Attribut „exzellent“ versehen und an prominenter Stelle auf der Startseite präsentiert. Dort ist dem Autor eine große Leserschaft sicher - schließlich klicken derzeit weltweit täglich mehr als 154 Millionen Menschen Wikipedia in den verschiedenen Sprachen an.

„Man muss noch Wege finden, mehr hochqualifizierte Wissenschaftler für Wikipedia zu begeistern“, sagt der emeritierte Professor für Buch- und Bibliothekswissenschaften an der Universität Göttingen, Elmar Mittler, einer der rund 100 Tagungsteilnehmer. Deren Vorteil sei schließlich, dass Informationen an die breite Masse weitergegeben werden können. Zudem gebe es in der Wissenschaft insgesamt die Tendenz, Erkenntnisse so aufzuschreiben, dass auch Laien sie verstehen. Nach den Worten des Historikers Andreas Kuczera von der Mainzer Akademie der Wissenschaften können Forscher in Wikipedia auch einen „Dienst an der Allgemeinheit“ leisten, wenn sie die Erträge ihrer - oft auch von Steuergeld finanzierten Arbeit - der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Der Verein Wikimedia wurde 2001 gegründet und hat inzwischen rund 370 Mitglieder. Die „Mutter“ von Wikipedia sitzt in den USA und hat inzwischen zehn nationale Sektionen, außer in Deutschland auch in Frankreich, Großbritannien und Israel.

dpa/ts
 
 
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