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7. November 2005, 16:39 Uhr

Der Traum von der mobilen WM

Es gibt in Deutschland wohl kaum eine bessere Chance für die Einführung von Handy-TV als die Fußball-WM 2006. Doch ein rechtzeitiger Start ist ungewiss. Die Problemfelder sind vielschichtig.

Nokias N92-Modell unterstützt den DVB-H-Standard© Nokia

Drei Standards kämpfen darum, das erste deutsche Mobilfernsehen zu sein: UMTS, DMB und DVB-H. Und das möglichst pünktlich zum 9. Juni 2006, dem Start der Fußball-WM. Dieser Dreikampf wird von Experten jedoch kritisch betrachtet. Zu kritisch? In Südostasien floriert dieser Markt doch schon seit vielen Monaten. In Korea beispielsweise gehört der mobile Fernsehgenuss zum Alltag. Bis zu zwei Stunden täglich schauen Besitzer der kleinen TV-Handys dort unterwegs auf die Mini-Mattscheibe. Warum sollte dies mittelfristig nicht auch in Deutschland realisierbar sein?

Das Hauptproblem: Die Sendelizenzen sind gerade erst ausgeschrieben, die Rechte-Fragen ist noch nicht geklärt, und eine Infrastruktur muss zudem für das leistungsstärkste der drei möglichen Formate - DVB-H - noch komplett aufgebaut werden.

Drei Instanzen, ein System

"Alle Beteiligten - T-Systems, Landesmedienanstalten, Gerätehersteller - arbeiten mit Hochdruck", sagt T-Systems-Manager Bertold Heil, der bei der Telekom-Tochter den Bereich Strategie und Geschäftsentwicklung "Media & Broadcast" verantwortet. T-Systems plant die technische Infrastruktur, die Medienanstalten müssen für die Sendelizenzen sorgen, die Hersteller für ausreichend Geräte - es ist eine Angelegenheit mit viel Abstimmungsbedarf. T-Systems könnte jederzeit die notwendige Infrastruktur aufbauen, es gibt aber bislang noch keinen Auftraggeber.

Der technische Aufbau würde einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, sagt Heil. "Die WM wäre ein tolles Argument, Handy-TV zu starten. Man kann aber natürlich ein solches Ereignis nicht zum Dreh- und Angelpunkt für Investitionen in dieser Größenordnung machen." Ziel sei vorerst nur die Ausstrahlung der WM-Spiele in Ballungsräumen, rund um die Spielstätten. Neben dem Handy-Empfang soll es aber auch WM-Dienste der Mobilfunk-Anbieter über UMTS geben. Mehr zu leisten ist dieses System jedoch nicht imstande. Von Handy-TV kann bei UMTS nicht die Rede sein. Es handelt sich hierbei um kein flächendeckend ausgestrahltes Programm, sondern um einen Datenstrom, der gezielt vom Nutzer abgefragt wird.

DMB hat leicht die Nase vorn

Derzeit gibt es zwei von der Bildqualität gleichwertige technische Standards für Handy-TV. DVB-H (das "H" steht hierbei für Handheld) hat eine höhere Bandbreite und könnte dadurch bis zu 20 TV- und mehr als 100 Rundfunkkanäle ausstrahlen. Bei dem aus Asien kommenden DMB (Digital Media Broadcast) wären es bis vier Fernseh- und 18 Rundfunkkanäle. Die Infrastruktur für DMB ist bereits geschaffen. Es gibt schon jetzt zahlreiche freie Frequenzen, während es für DVB-H nach dem Start des digitalen terrestrischen Empfangs im Moment nur wenige in vereinzelten Gebieten gibt. Zum Beispiel Norddeutschland oder Berlin. Damit wird zur WM nach heutigem Stand eher eine DMB-Ausstrahlung wahrscheinlich, während DVB-H sich erst 2007 oder 2008 ausbreiten dürfte. Dieser Trend zeigte sich auch schon auf der Ifa im September. Hier wurden der Öffentlichkeit die ersten DMB-Empfangsgeräte vorgestellt.

In einem sind sich Experten jedoch sicher - Handy-TV wird die Fernsehbranche verändern. Kenner sprechen von drei neuen Prime-Times, die durch die mobile Glotze entstehen: Der Weg zur Arbeit, die Mittagspause und der Heimweg. Dafür ist jedoch eine andere Art von Inhalten notwendig, vor allem kurz müssen sie sein, denn kaum jemand wird sich einen kompletten Spielfilm auf dem kleinen Bildschirm ansehen wollen.

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