Zuckerberg erobert Android

4. April 2013, 21:29 Uhr

Mark Zuckerberg mischt den Smartphone-Markt auf: Mit einer neuen App namens "Facebook Home" will sein Online-Netzwerk auf Android-Geräten allgegenwärtig werden. Das erste Facebook-Phone kommt von HTC. Von Christoph Fröhlich

Das langerwartete Facebook-Phone ist da - und es steckt theoretisch bereits in Millionen Hosentaschen. Mark Zuckerberg hat am Donnerstagabend eine neue App namens "Facebook Home" für Android-Geräte vorgestellt, die Googles mobiles Betriebssystem tiefgreifend verändert und Funktionen des sozialen Netzwerks in den Mittelpunkt stellt. "Telefone sollen sich um Menschen drehen, nicht um Apps", sagte Zuckerberg zu Beginn der Veranstaltung. Die wesentliche Neuerung der Anwendung ist ein neuer Homescreen: Statt Wetter-Widgets und kleinen App-Symbolen prangen dort nun bildschirmfüllende Fotos und Statusmeldungen von Freunden. Facebook nennt diese Funktion "Cover Feed".

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Freunde auf dem Display

Der veränderte Homescreen lässt sich wie folgt bedienen: Verschiebt der User das Profilbild am unteren Bildrand, kann er auf wichtige Inhalte des Handys zugreifen. Mit einem Wisch nach links kann er den Facebook-Messenger öffnen, ein Zug nach oben öffnet ein Untermenü mit den installierten Anwendungen. Wischt man nach rechts, kehrt man zur zuletzt verwendeten App zurück. Benachrichtigungen über Anrufe, Veranstaltungen oder Facebook-Aktualisierungen werden ebenfalls auf dem Startbildschirm angezeigt.

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Die tiefgreifende Android-Integration zeigt sich an den sogenannten Chatheads: Schreibt ein Facebook-Freund eine Nachricht, wird die Mitteilung samt Foto des Absenders eingeblendet, unabhängig davon, welche App geöffnet ist. Man sieht am Bildrand dann ein kreisrundes Foto des Gesprächspartners und kann durch Antippen die Unterhaltung starten oder fortsetzen. Dadurch will Facebook die Gespräche persönlicher gestalten.

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Die App wird am 12. April für Googles Play Store zum Download freigegeben. Zum Start werden folgende Geräte unterstützt: HTC One, HTC One X und X+, Samsung Galaxy S3, Samsung Galaxy Note 2 und demnächst das Samsung Galaxy S4. Das neu vorgestellte HTC First ist das erste Smartphone, das ab Werk Facebook Home installiert hat. Das HTC First bietet ein 4,3 Zoll großes Display. Das Gerät nutzt einen Zweikernprozessor der Firma Qualcomm und unterstützt den neuen Mobilfunkstandard LTE.

Weitere Smartphones sollen demnächst unterstützt werden, auch für Tablets soll die Software zur Verfügung gestellt werden. Zur Integration von Facebook Home auf Apple-Geräten schwieg Zuckerberg.

Angriff auf Google

Mit Facebook Home attackiert Zuckerberg den größten Rivalen Google, der mit Google+ ebenfalls ein soziales Netzwerk betreibt, das aber deutlich weniger Nutzer hat. Der Suchmaschinenriese ist zugleich die treibende Kraft hinter dem mobilen Betriebssystem Android, das die Basis für Facebook Home ist. "Das Tolle ist, dass Android total offen ist", sagte Zuckerberg. Er gehe davon aus, dass Google zu dem Versprechen stehe, Android offen zu lassen, und das Online-Netzwerk nicht aussperen werde, sagte der 29-jährige nach der Präsentation der neuen Software dem Technologie-Blog "The Verge" zufolge. Auch Werbung könnte künftig in den "Cover Feed" eingebaut werden.

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Android-User verbringen mit Abstand die meiste Zeit auf Facebook©

Facebook ist Zeitfresser Nummer eins

Fast ein Viertel der Zeit verbringen Smartphone-Nutzer mit Facebook, sagte Zuckerberg zu Beginn der Veranstaltung. Damit ist das soziale Netzwerk deutlich vor Pandora, Instagram, Youtube und Twitter. Mehr als hundert Mal täglich würde ein User durchschnittlich zum Smartphone greifen.

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit nutzen Facebook, knapp 25 Millionen Nutzer sind in Deutschland angemeldet. Immer mehr von ihnen greifen inzwischen von Smartphone und Tablet auf das Netzwerk zu. Facebook richtet sein Geschäft entsprechend stärker auf die mobilen Geräte aus. "Wir denken, dass es die bisher beste Version von Facebook ist", sagte Zuckerberg über die neue Android-App.

Damit zeigt sich Facebook auch überzeugt, dass es die Umsätze auf Werbung auf mobilen Geräten schnell genug steigern kann. Monatelang hatte das Online-Netzwerk mit dem Wechsel zu Smartphones und Tablets zu kämpfen: Die Werbeanzeigen waren auf PC-Nutzer ausgerichtet, auf Mobilgeräten gab es zunächst gar keine Werbung. Die Anleger sahen das Facebook-Geschäftsmodell in Gefahr, der Aktienwert rauschte in den Keller. Inzwischen kommt bereits rund ein Viertel der Werbeerlöse aus dem mobilen Geschäft. Die Anleger reagierten positiv auf die Neuvorstellung, der Börsenkurs stieg innerhalb weniger Minuten um knapp 3,6 Prozent.

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