20. Juli 2010, 12:13 Uhr

Nokia sucht neuen Chef

Marktführer Nokia findet kein Mittel gegen den Erfolg des iPhones. Die finnischen Smartphones können in der Kundengunst nicht mit dem Apple-Handy mithalten. Nun soll ein neuer Chef die Geschicke leiten - doch bisher haben alle Wunschkandidaten abgesagt.

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Nokia sucht nach einem Nachfolger für den glücklosen Chef Olli-Pekka Kallasvuo©

Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia sucht laut einem Zeitungsbericht einen neuen Chef. Mindestens zwei Kandidaten aus den USA seien bereits angesprochen worden, der Nokia-Aufsichtsrat strebe eine Entscheidung bis Ende des Monats an, berichtete das "Wall Street Journal" am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen.

Nokia hat Probleme bei den boomenden und lukrativen Smartphones, den Computer-Handys mit mobilem Internet-Zugang. Der finnische Konzern ist zwar immer noch größter Smartphone-Hersteller mit einem Marktanteil von zuletzt knapp 40 Prozent. Die Initiative in dem Bereich haben jedoch Apple mit seinem iPhone und Google mit dem Betriebssystem Android an sich gerissen. Nokias Versuche, das Steuer herumzureißen, blieben bisher wenig erfolgreich.

Der aktuelle Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo steht seit 2006 an der Spitze des weltgrößten Handy-Herstellers. Der Zeitung zufolge hat ein Chef eines großen US-Technologiekonzerns Nokia abgesagt, weil er nicht nach Finnland ziehen wollte. Auch ein weiterer Manager aus den USA sei bereit für den Job interviewt worden, hieß es. Der Aufsichtsrat mache ernst mit einem Wechsel.

Zukunftsmarkt Smartphone

Die Smartphones sind ein schnell wachsender Markt. Wichtiger noch, es ist nach einhelliger Meinung von Experten der wichtigste Zukunftsbereich. Im Moment geht es um die Eroberung von Neuland. Bisher nutzen weitaus die meisten Menschen einfache Handys, bei denen Nokia sehr stark ist. Doch die Computer-Telefone sind rapide auf dem Vormarsch. Zu Jahresbeginn war etwa jedes sechste verkaufte Handy ein Smartphone, Branchenbeobachter rechnen jedoch damit, dass bereits in wenigen Jahren zumindest in der westlichen Welt mehr Smartphones als herkömmliche Telefone - und auch mehr als Computer - verkauft werden. Zu Nokias Problemen kommt hinzu, dass die Finnen im wichtigen US-Markt kaum vertreten sind.

Verliert Nokia den Anschluss, läuft die langjährige Nummer eins Gefahr, mit der Zeit vor allem auf die Märkte der Entwicklungsländer reduziert zu werden. Dort wächst die Zahl der Mobilfunknutzer zwar explosionsartig - man kann aber vor allem günstige Handys verkaufen, mit denen man weniger Gewinn macht. Hingegen sind Smartphones ein überaus profitables Geschäft. Schon heute macht Apple nach Berechnungen von Experten mit Mobiltelefonen mehr Gewinn als Nokia - muss dafür aber deutlich weniger Geräte verkaufen.

Schwindener Marktanteil bei den Finnen

Noch vor wenigen Jahren hielt Nokia zwei Drittel des damals noch kleinen Smartphone-Marktes. Mit der wachsenden Popularität der High-Tech-Handys schwand jedoch der Marktanteil der Finnen. Bei mobilen E-Mail-Diensten sind die BlackBerry-Handys von Research in Motion stark. Apple veränderte das Geschäft mit dem Start seines iPhone 2007 mit einem Fokus auf Software und eine einfache Bedienung. Die Stärke von Android ist die Vielzahl der Hersteller, die Telefone mit dem offenen Betriebssystem anbieten.

Nokia versuchte in den vergangenen Jahren immer wieder, bei Smartphones mit der Konkurrenz mitzuhalten. Ähnlich wie bei Apple gibt es zum Beispiel einen Musikdienst und eine Software-Plattform. Doch die Popularität der Dienste und Geräte von Nokia hielt sich in Grenzen. Im Juni musste der Konzern seine Gewinnprognose senken - wegen der Schwächen im Smartphone-Bereich.

Nokia hofft nun auf das neue Smartphone N8, eine neue Version des Betriebssystems Symbian und eine Kooperation mit dem weltgrößten Chiphersteller Intel, mit dem zusammen das neue Betriebssystem MeeGo entwickelt wird. Mit MeeGo hoffen die Partner, eine Plattform für alle möglichen Arten mobiler Geräte etablieren zu können.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Nokia World 2009 - schon damals wenig Innovatives aus Finnland"

DPA/bla
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Jack1000 (20.07.2010, 20:35 Uhr)
Nokia - never again!
Nokia? Ist das nicht diese Ballertruppe aus Finnland, der die Milliarden-Gewinne nicht gereicht haben und die deshalb die deutschen Arbeitsplätze vernichtet haben?

Sorry - aber ob Symbian oder Android - ist mir völlig egal. Sollen die netten Damen und Herren doch Ihre Handys in Indien verkaufen.

Nur eine Meinung aus dem Ruhrgebiet!
Motzerator (20.07.2010, 17:06 Uhr)
Dabei währe es so einfach!
Nokia muss sich endlich von den eigenen Betriebssystemen und dem unsäglichen OVI Store verabschieden.

In meinen Augen gibt es viel zu viele mobile Betriebssysteme, mit der Folge, das eine App für diverse Systeme entwickelt werden muss, damit alle was davon haben. Plattformen wie Symbian bleiben dort nach iPhone OS und Android auf der Strecke, die Anzahl der verfügbaren Apps ist viel zu gering.

Für den Kunden bedeutet dies, das man am besten ein handy mit Android oder ein iPhone kauft, weil man dort die größte Anzahl an Apps zur Auswahl hat und daher sein Telefon viel besser mit Software für die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.

Was bedeutet das für Nokia? Wenn man wieder in der Oberklasse angreifen will, kommt man um Android nicht herum. Jeder Chef, der Symbian und Meego nicht sofort auf die Abschriftenliste setzt, hat bei Nokia keine Chance auf Erfolg.

Symbian mag sich noch eine Zeit im Billigsegment halten, aber in der preisklasse über 200.- Euro sollte es Android sein.

Was Nokia mit der eigenen Entwicklerpower tun kann, sind beispielsweise schnellere Updates als andere Android Hersteller und eine gute Hardware Qualität.

hosiannarunner (20.07.2010, 16:34 Uhr)
No ... kia
Mit der Firma Nokia habe ich nun wirklich kein Mitleid. Nachdem sie in Deutschland die Arbeitsplätze wegrationalisiert haben, sollen sie doch dann auch bitte ihre Handys in den Ländern verkaufen, wo sie jetzt angeblich so günstig produzieren. Ich kaufe jedenfalls von dieser Firma nichts mehr.
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