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30. Juni 2008, 08:32 Uhr

Leider kein Tonausfall bei Tom Bartels

Was kann Tom Bartels für die Niederlage der deutschen Mannschaft im EM-Finale gegen Spanien? Natürlich nichts. Aber seit wann ist schlechte Laune gerecht? Szenen eines Fußballabends, der einfach keinen Spaß machen wollte. Von David Denk

Er hat zum EM-Finale in Wien "den Deckel zugemacht": ARD-Kommentator Tom Bartels© Kai-Uwe Knoth/AP

Nichts für ungut, aber so ungefähr ab der 75. Minute hätte man Tom Bartels am liebsten geknebelt, und mit jeder Minute, die die Deutschen ihrer verdienten Niederlage im EM-Finale entgegeneierten, wollte man den Knebel fester ziehen. Doch Bartels war ja in Wien, Hunderte Kilometer weit weg, sodass man tatenlos zuhören musste, wie der ARD-Kommentator sein Phrasenköfferchen öffnete und mit dem Inhalt um sich warf wie mit Schmutzwäsche.

Er selbst würde das Gerede von einem Deckel, der irgendwo draufgemacht wird, von einem Türspalt, der sich vielleicht noch irgendwo öffnet und von Titeln, die aus den Händen gleiten, wohl als "Fazit" oder so ähnlich bezeichnen. Man wollte es einfach nicht hören. Man hat es ja schließlich gesehen - und das war schon schlimm genug. Am liebsten hätte man den Ton abgestellt, doch dafür hätte man hinter den Tresen klettern müssen. Denn natürlich hat man das Spiel nicht zu Hause geguckt. Man hatte ja gehofft, dass es anschließend noch was zu feiern geben würde.

Delling: Keiner ist gestorben

Nun ist die Euro 2008 Geschichte und Deutschland hat wieder keinen Titel geholt. "Es ist heute keiner gestorben", sagte Gerhard Delling nach dem Spiel. Wenn das ein Trost sein sollte, war es ein verdammt schwacher. Die Stimmung in der Kneipe nach dem Abpfiff als gedämpft zu beschreiben, wäre eine glatte Übertreibung. Jeder Gast trauerte anders: Manche sprangen gleich auf und verließen fluchtartig das Lokal, andere hängen wahrscheinlich immer noch wie gelähmt in ihren Stühlen. Geredet wurde kaum.

Im Gegensatz zum Fernsehen. Da banalysierten Gerhard Delling und Günter Netzer wieder um die Wette (ein letztes Mal fürs erste - was zumindest ein kleiner Trost war), und anschließend kam noch Waldi Hartmann mit seinem "EM-Club" (s. vorige Klammer), in dem er sich auf dicke Gäste spezialisiert zu haben scheint. Nach Reiner Calmund war am Finalabend Otti Fischer zu Gast. Offenbar neigt man in Waldis Stammtischredaktion dazu, dick mit gewichtig zu verwechseln.

Man wünschte sich einen Tonausfall

"Spanien wird gewinnen - 4:0 - weil wir die Besten sind", hat ein kleiner Junge im Spanien-Beitrag vor dem Spiel gesagt. Er erntete überhebliches Gelächter in der Kneipe. Nach dem Spiel, das dann doch nur 1:0 ausgegangen ist, bekommt diese Zahl einen bitteren Beigeschmack, denn 4 - in Worten: vier - das war die Anzahl der Torschüsse der deutschen Mannschaft - in 90 Minuten. "Das ist nicht genug, um Europameister zu werden", sagte Tom Bartels. Ach, nee! Wie gesagt: Man wünschte sich einen Knebel. Oder wenigstens einen Tonausfall.

Dass man sich auch einen Stilberater für Gerhard Delling wünschte, versteht jeder, der Augen hat. Nach der Tagesschau, in der unsinnigerweise Delling zugeschaltet wurde, der vorher schon ewig auf Sendung war und nachher sowieso, trug er plötzlich einen mit Fußbällen bedruckten Schlips, den selben, den er sich schon beim EM-Finale 1996 umgebunden hatte. Er sollte wohl Glück bringen. Und so war die Niederlage der deutschen Nationalmannschaft wenigstens zu etwas gut: Es gibt keinen Grund mehr, den Schlips nicht sofort in die Altkleidersammlung zu geben.

Von David Denk
 
 
KOMMENTARE (10 von 32)
 
Sternenzeit (01.07.2008, 12:46 Uhr)
Danke rued...
....nichts hinzuzufügen! Hoffe auch auf ein paar Veränderungen in der Bericht-/Spielerstattung!
gsc777 (30.06.2008, 16:21 Uhr)
Wann kommt.......
....endlich der Fernseher mit einer Ausschalttaste für das Moderatoren-Gequatsche bei Fussballspielen und beim Boxen? Den würde ich sofort kaufen. Den Ton einfach wegdrehen geht ja nicht, man will ja Stadion-Atmosphäre mitbekommen.
stesocom (30.06.2008, 15:45 Uhr)
Bartels völlig ungenügend !
Das Finale ist vorbei! Deutschland verdient verloren, doch auch die ARD hat mit dem "Kommentator des EM -Finale" nicht das große Los gezogen. Ich will dieses auch nicht weiter analysieren, doch ganz Fußballdeutschland - und die können sich auch nicht alle irren - ist der Meinung :
Bartels - ungenügend (6)
Ein grechtes Urteil !!!
rued (30.06.2008, 14:57 Uhr)
Lieber Lucio,
während man auf der einen Seite schlechte Verlierer hat, hat man auf der anderen Seite schlechte Gewinner. Solche kommen am Ende der EM aus ihren Löchern und verzapfen schonmal gerne Mist. (den sie immerhin ganz alleine verzapft haben)Wenn du dir mal die Mühe gemacht hättest, der Berichterstattung im Stern zu folgen, wäre dir seit geraumer Zeit der Unmut gegenüber den Kommentatoren aufgefallen.
Es kann nicht sein das man hier Jahr für Jahr die Gebühren für den Schund entrichtet und dann noch einen Kommentator vorgesetzt bekommt, der wie ein Klatschreporter nach belieben alles mies macht, ohne dabei Tatsachen zu beachten, da kann ich auch gleich in England Fußball gucken.
Ich habe absolut kein Problem damit zu sagen, dass unsere Mannschaft weit unter ihren Möglichkeiten gespielt hat. Auch wenn es anders ausgesehen hätte, wäre es fraglich gewesen ob man diese Spanier in der EM hätte schlagen können. Es hat also ganz klar das bessere Team gewonnen. Na und?! Immerhin sind wir 2. geworden, das ist eine Steigerung um einen Platz und bei der WM gehts für uns noch mal einen höher.
Jogi Löw im übrigen ist genau der Richtige für den Job. Wer sagt Deutschland hätte nur gut gespielt als der Jogi auf der Tribüne gesessen hat, war wohl beim Spiel gegen Polen nicht ganz auf der Höhe.
Ich freu mich jetzt schon auf die WM und hoffentlich auch 1-2 neue sympathische Kommentatoren.
hirpel (30.06.2008, 14:10 Uhr)
Tom Bartels: SETZTEN 6!!!
Das war eine Unverschämtheit was ARD dem GEZ-Zahler da zugemutet hat! Was hat so ein destruktiver Kommentator in einem EM-Finale verloren?! Frechheit! Fordere hiermit meine GEZ-Gevühren zurück!
Luciano (30.06.2008, 13:41 Uhr)
ach Sternzeit
Als Selbstkritik könnte man bezeichnen, wenn die Leistung der Spieler beurteilt würde, hier geht es aber um die Leistung eines Moderators. Und das hat nicht viel mit Selbstkritik zu tun, vielmehr mit der Bockigkeit von kleinen Kindern, die beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht verloren haben und sich nun jemanden suchen, an dem sie ihren Frust auslassen können.
Was übrigens Nationen angeht, die angeblich nicht mit Anstand gewinnen können: Was heisst denn bei die Anstand? Den WM-Gastgeber aus Höflichkeit gewinnen lassen? Vielleicht meinst du damit ja auch Fairnis? Etwa die Fairnis, die ein Michael Ballack auf dem Spielfeld zeigt (falls dus nicht weisst: Ballack ist von allen Spielern an diesem EM-Turnier derjenige mit den meisten Fouls gewesen).
Stepet (30.06.2008, 13:39 Uhr)
Typisch...
deutsch würde ich den leblosen Kommentar von Tom Bartels nicht bezeichnen. Weil ich seit zwei Jahren eine tolle stimmung in den Städten, Stadien und auch im täglichen Miteinander feststelle - lediglich die ARD mit ihren vollkommen verknöcherten Strukturen wählen tatsächlich den Endspielkommentator - beim ZDF quält uns der vollkommen überlebte und oft schlecht vorbereitete Poschmann, hier bei der EM waren mit Steffen Simon, Tom Bartels, Günther Netzer und Gerhard Delling so ultimativ die allerletzten Trübsal-grenzdebilen Destruktivis am Werk, welche kaum zu ertragen sind - öfters frisches Blut - und sorry Günther Netzer: eine Menge Geld mit Vermarktung und Verwertung der heutigen Generation verdienen (und da spielt in Deutschland die Musik) und immer nur langweilig und dröge daherlabern...
eben typish deutsch - Feiern wir uns, unsere jungs, tolle Wochen und freuen uns einfach auch über die tolle und friedliche Stimmung mit den Nachbarn...
DANKE für die EM - und die Bitte an ARD und ZDF - Behaltet Klopp und Réthy - und schickt den Rest in die neue eingleisige dritte Liga zu den Regionalen WDR und SWr.
Danke, der Gebührenzahler!
Sternenzeit (30.06.2008, 13:26 Uhr)
Danke Luciano....
..."wir" haben mit Anstand verloren! Im Gegensatz zu anderen Nationen die noch nicht mal mit Anstand gewinnen können! Das was jetzt passiert könnte man auch als Selbstkritik bezeichnen...eine typisch deutsche, manchmal auch sehr überzogene, Eigenart. Kennen einige Länder auch nicht!! Ich könnte mir vorstellen....Du weißt wovon ich rede! Fakt: Wir haben verloren weil Spanien die bessere Mannschaft war! Bartels und Rethy waren über weite Strecken, genau wie das ein oder andere Spiel der deutschen Elf, anstrengend. Ich zahle GEZ-Gebühren und verlange lediglich "mehr Mut zu neuen Moderatorinnen und Moderatoren!!" Auch die alte Dame "öffentlich-rechtlich" sollte mal neue Wege gehen....!
Danne (30.06.2008, 13:16 Uhr)
untertrieben
Die Kommentare waren doch noch untertrieben! Warum sollte jemand diesesgeholze der Deutschen denn schönreden? Das war zu keiner Zeit schöner Fußball! Er hätte zu Recht sagen können, dass wir es nicht verdient haben, im Endspiel zu sein und dieses mit diesem furchtbaren Spiel auch bewiesen haben!
skink (30.06.2008, 12:57 Uhr)
Man man man...
Soll das ein Stilmittel sein oder eine Persiflage auf Ostzonen-Deutsch? Beides wäre mißlungen. Die gefühlten 300 mal "man" in dem Artikel gehen mir jedenfalls gehörig auf die Nerven. Journalismus ist anders!
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