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6. Juni 2008, 15:16 Uhr

Rudi Ratlos und das B-Problem

Vor der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz erinnert stern.de in einer Serie an die magischen Momente der EM-Geschichte. Im neunten und letzten Teil scheitert der beliebteste Teamchef aller Zeiten an einer unglücklichen Einwechslung, und Deutschland entwickelt ein neues Trauma. Von Nico Stankewitz

Blamage perfekt, der Teamchef ratlos: Die deutsche Elf hat 1:2 gegen Tschechien verloren und ist damit bereits nach der Vorrunde ausgeschieden© Picture-Alliance

Manchmal entscheidet sich das Schicksal einer Turniermannschaft schon im ersten Spiel. Es ist der 15. Juni 2004, es ist Abend im Estadio do Dragao in Porto, und Deutschland trifft im ersten Gruppenspiel der Europameisterschaft 2004 auf die Niederlande. Rudi Völler hat die Nationalmannschaft zwei Jahre zuvor in Japan und Südkorea zur Vize-Weltmeisterschaft geführt und er ist als Bundestrainer ein Artist des Machbaren geworden, irgendwo zwischen dem frühen Teamchef Beckenbauer 1986 und dem späten Rehhagel 2004. Dem entsprechend tritt Deutschland konzentriert defensiv auf, lediglich ein Stürmer und zwei einigermaßen offensive Mittelfeldspieler passen ins Konzept für den Auftakt gegen den Erzrivalen. Beide Mannschaften beginnen übervorsichtig, niemand will sich einen Fehler erlauben. Einziges Offensivmittel in der Anfangsphase sind lange Bälle auf die (jeweils einzigen) Sturmspitzen Kuranyi und van Nistelrooy.

Verhängnisvolle Einwechslung

Bis zur 30. Minute, als Lahm in Linksaußenposition gefoult wird. Torsten Frings legt sich den Ball zurecht, alle rechnen mit einer Flanke, aber der Ball fliegt vorbei an Freund und Feind und senkt sich zum langen Pfosten, prallt von da ins Tor. Torhüter van der Sar und die niederländischen Defensivspieler sind konsterniert, Deutschland jubelt. Aufbauend auf die konzentrierte und effiziente Defensivarbeit, kommt der Gegner auch in der Folgezeit nur zu wenigen Torchancen, die Bemühungen der Advocaat-Elf bringen kaum zählbaren Erfolg.

In Halbzeit zwei bringt der Bondscoach mit Overmars und dem jungen Sneijder zwei weitere Offensivkräfte, doch im dicht gestaffelten deutschen Mittelfeld verfangen sich auch weiterhin alle Angriffe. Je länger diese Partie dauert, desto mehr sieht die Mannschaft von Rudi Völler wie der sichere Sieger aus. In der 79. Minute wechselt der Teamchef den Bremer Fabian Ernst für den müden Frings ein und gibt damit dem Spiel eine überraschende Wende: Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung vertändelt Ernst am linken eigenen Strafraumrand einen Ball, den er hätte weg schlagen müssen, van der Meyde setzt sich durch, flankt auf van Nistelrooy, der zeigt im Zweikampf mit Wörns seine Extraklasse und vollstreckt zum 1:1.

Trostlose Gruppenspiele

Unentschieden, insgesamt leistungsgerecht, noch kein Beinbruch, doch es sollte sich zeigen, dass durch den späten Ausgleichstreffer etwas zerbrochen war im deutschen Spiel. Ein blamables 0:0 gegen Lettland und eine weitere Niederlage gegen eine B-Mannschaft aus Tschechien bedeuteten zum zweiten Mal in Folge das sieglose Aus in der Vorrunde. Wie schon 2000 gegen die portugiesischen Ersatzspieler hatte Deutschland auch gegen befreit und frisch aufspielende tschechische Reservisten keine Chance und schied vollkommen zu Recht aus dem Turnier aus.

Europameister wurde Griechenland, wo Otto Rehhagel demonstrierte, wie man mit brutaler Defensivtaktik erfolgreich sein kann. In Deutschland begann eine lange Trainersuche, die mit der Inthronisierung Klinsmanns endete. Viele tiefgreifende Reformen im Jugendbereich waren schon nach der EM 2000 angestoßen worden, mit Spielern wie Lahm, Schweinsteiger und Podolski standen in Portugal schon die ersten Nachwuchskräfte einer neuen Generation von Talenten im Kader, die dem deutschen Fußball zur WM im eigenen Land einen neuen Aufschwung bescheren sollten.

Die Elf vom Auftaktspiel gegen die Niederlande: Oliver Kahn, Arne Friedrich, Jens Nowotny, Christian Wörns, Philipp Lahm, Dietmar Hamann, Frank Baumann, Bernd Schneider (68. Sebastian Schweinsteiger), Michael Ballack, Torsten Frings (79. Fabian Ernst), Kevin Kuranyi (85. Fredi Bobic).

Von Nico Stankewitz
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
albundy69 (06.06.2008, 19:23 Uhr)
Olle Zeiten, ...................
Was hatten die Trainer es gut in den ollen Zeiten. Kein Lehmann, kein Problem ! Armer Yogi, schick ihn nach London zurück, aber dort wollen sie ihn auch nicht. Schwaben nehmen alles, ausser Leute mit Fussballverstand !
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