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Das fürchterliche Idyll

Sie wissen nichts von den Kriegen in der Welt oder vom Internet. In Bolivien leben die Mennoniten ihr gottgefälliges Leben wie im 17. Jahrhundert. Wer nicht gehorcht, wird geschlagen.

Von Jan Christoph Wiechmann

Es gibt an diesem Ort keine Autos und keine Busse und selbst keine Fahrräder. Es gibt weder Zeitungen noch Radios und schon gar keine Fernseher. Ebensowenig wird man hier Handys finden oder Computer, und fragt man die Bewohner, ob sie Facebook haben, antworten sie: "Was ist das? Ein Buch?"

Die Menschen an diesem Ort hören keine Musik und treiben keinen Sport, ja selbst Bücher lesen sie nicht. Ihre Kinder haben weder Spielzeug noch Bälle und erst recht keine Ausbildung. Dafür gibt es in dieser entlegenen Kolonie im Südosten Boliviens jede Menge Kühe und Kutschen und Bauernhöfe aus rotem Klinker, und wenn die Menschen einen begrüßen, klingt es merkwürdig vertraut: "Wo kümmt do her?" - Aus Deutschland. "Och jo? Hab gi och Keh en Dietschland?" - Ja, Kühe haben wir. "Bes du mit de Bus ut Dietschland jekümme?" - Nein. Mit dem Flugzeug. "Och jo? Na denn mol walkum."

Das Ereignis des Jahres? Ein neues Pferd

Man betritt den friesischen Hof der Familie Hildebrandt - und mit ihm ein vergangenes Jahrhundert. Die Frau und ihre sechs Töchter tragen lange Kleider und schwarze Schürzen und flüchten vor den Reportern ins Haus. Die acht Söhne tragen Latzhosen und Cowboyhüte und blicken verstohlen hinter der Hausecke hervor, als handele es sich bei den Besuchern um Außerirdische. Einzig das Familienoberhaupt, Isaak Hildebrandt, 52, spricht mit den Menschen "aus der Welt", und wenn er loslegt, in seinem jahrhundertealten Plautdietsch, einem niederdeutschen Dialekt, bekommt man eine Ahnung davon, wie klein ihre Welt ist: Was war für Sie das Ereignis 2014? - "Ein neues Pferd, ich habe es von Josef Klassen gekauft, dem Sohn von Abraham Klassen." Und sonst? - "Von Johan Teichroeb erhielt ich ein Kalb im Tausch gegen 24 Backenzähne, die ich seiner Familie zog." Und draußen in der Welt? - "Von der Welt wissen wir nichts." Die Kriege in der Ukraine und Syrien? "Kriege?", fragt er erstaunt. "Davon erfahren wir nichts. Bleibt bei uns, dann seht ihr, wie gut es ist, nichts zu wissen."

So bleiben wir bei ihnen, in der Colonia Durango, 3000 Einwohner, in dieser unwirtlichen Gegend ohne Strom und Straßen, sechs Autostunden von der nächsten Stadt entfernt. Es sind Tage extremer Dürre, 40 Grad - ein Klima, das die Kehlen austrocknet und die Erde in Spalten reißt. Eine Erde, so sagen sie hier, der nur Mennoniten etwas entlocken.

Isaak Hildebrandt führt durch sein schlichtes Haus, in dem keine Bilder hängen und keine Familienfotos, nur ein paar antike Wanduhren der Vorfahren. Seine Töchter servieren mit gesenktem Kopf selbst gebackenes Brot, Dörrfleisch und eingelegte Gurken nach altdeutschen Rezepten. Wenn es hier etwas halbwegs Modernes gibt, dann einen Brunnen mit neuen Drahtseilen. "Ich habe ihn nicht zu tief angelegt", sagt Hildebrandt ernst. "Sonst kommen die Russen durch."

Nach ein paar Tagen wirkt Durango wie eine große Idylle, ein Sehnsuchtsort für die so deutsche Suche nach Selbstfindung und Entschleunigung. Die Kinder erwachen mit der Sonne und laufen barfuß, sie machen sich ohne Murren ans Melken der Kühe und helfen beim Kalben. Sie zählen keine Friends auf Facebook, sondern die Sterne. Sie twittern keine Tweets, sondern lauschen dem Zwitschern der Vögel. Kein Handy klingelt, kein Lastwagen knattert, der Soundtrack ihres Lebens besteht aus dem Krähen der Hähne und den Hufschlägen der Pferde.

Die Liebe zur Musik

Über allem stehen bei den Mennoniten Gott und die Gemeinschaft. Familien holen gemeinsam die Ernte ein, und wenn eine in Not gerät, bauen die anderen ihr schon mal eine neue Scheune. Die älteren Kinder arbeiten in der örtlichen Kooperative, einer Meierei, sie machen dort Käse von Hand und geben den Erlös, zehn Euro pro Tag, als Wertmarken beim Vater ab. Sie zahlen hier nicht mit Geld, sondern mit Kälbern und Hühnern, lange bevor die Hipster da draußen in der Welt die Tauschwirtschaft wiederentdeckten. Man könnte ihr Leben als wahrgewordene Utopie begreifen, den gelungenen Gegenentwurf zu Entsolidarisierung und Profitmaximierung, doch dann kommt es zu einer denkwürdigen Begegnung.

Abends, als alle im Bett sind, bewegt sich ein mächtiger Schatten in rhythmischen Schritten durch die Waschküche. Ein Mann lässt sinnlich seinen muskulösen Körper kreisen, geformt in 40 Jahren täglicher Feldarbeit. Es ist Vater Hildebrandt, er tanzt zum Rhythmus der quietschenden dieselbetriebenen Waschmaschine. Als ich ihn anspreche, sagt er entschuldigend: "Ich liebe Musik. Das Quietschen ist die einzige Musik, die wir haben." Warum hören Sie keine echte Musik? - "Sie ist verboten. Musik macht Freude." Und warum ist Freude verboten? - "Sie dient nicht Gott. Der Bischof sagt, ich verbrenne dann in der Hölle."

Es ist der tragischste Moment dieser Recherche - und gleichzeitig ein Sinnbild der urmenschlichen Liebe zur Musik. Hildebrandt hat 14 Kinder, aber nicht eine CD. Er hat das fröhliche Gesicht eines Entertainers und die Stimme eines Chansonniers, aber keinen Raum für seine Sehnsucht. In einem anderen Leben wäre er Cliff Richards.

Wir reden länger an diesem Abend. Er offenbart, dass einer seiner Söhne mal eine Gitarre hatte. Nachbarn erfuhren davon und erzählten es dem Bischof. Da wurde Isaak vor den Ältestenrat geladen. Sie sagten, der Sohn bringe Schande über die Gemeinschaft und müsse diszipliniert werden. "Da schlug ich ihn so lange, bis er aufhörte zu spielen", sagt Hildebrandt. Und? - "Er ist geheilt."

Es sind die ersten Hinweise auf Gehirnwäsche und Repression, und je länger wir in der Colonia Durango bleiben, desto mehr Fragen ergeben sich: Warum zieht sich einer der Jungen ständig zurück und riecht nach Alkohol? Was vergraben die Jugendlichen im Wald? Und was sind das für Gerüchte um Missbrauch und Inzest? Man könnte die Hildebrandts für Exoten halten, für abnorme Exemplare aus dem Kuriositätenkabinett menschlicher Lebensformen, doch die Klassens nebenan leben genauso und auch die Fehrs und 300 weitere Bauernfamilien in Durango und nebenan in Sommerland und 70 weiteren Gemeinden, die in den Chaco Boliviens hineinwachsen. Die Mennoniten lassen ein Gebiet so groß wie das Saarland roden, um neues Weideland zu gewinnen für ihre zahlreichen Kinder. Es handelt sich um die am schnellsten wachsende deutschsprachige Region der Welt, mit Geburtenraten, von denen die Bundesfamilienministerin nur träumt. "Mein Vater hat 100 Enkelkinder", sagt Hildebrandt. "Rechne das mal hoch. Irgendwann haben wir euch."

Die meisten Mennoniten kamen wie die Hildebrandts vor 20 Jahren nach Bolivien. Es ist die vorerst letzte Station einer 500-jährigen Flucht. Nachdem ihre Vorfahren während der Reformation verfolgt wurden, flohen die Mennoniten von Friesland nach Preußen, später nach Russland und Kanada. Als in Kanada Englischunterricht Pflicht wurde, zogen sie weiter nach Mexiko. Als in Mexiko Traktoren Gummireifen bekamen und somit die nächste Stadt erreichbar wurde, flohen die Traditionalisten weiter nach Paraguay. Und als in Paraguay ihre Dörfer an das Strom- und Straßennetz angeschlossen wurden, war das Grund genug für die nächste Flucht. Sie flohen schon lange nicht mehr vor Unterdrückung und Verfolgung. Sie flohen vor den Verlockungen der Neuzeit.

Da blieb nur noch der trockene Südosten Boliviens, eine der wenigen Regionen der Welt, wo sie wie ihre Vorfahren noch wahre Kolonisatoren sein konnten. Hier erhielten sie die Freiheit, ihren Glauben zu leben. Aber auch die Freiheit, ihr autokratisches System zu schaffen, in einem gesetzlosen Raum, ein Staat im Staate, weit ab jeder Zivilisation. Da sind sie nicht so viel anders als ein Kalifat, ein von Männern beherrschtes religiöses Reich.

"Komm mal mit", flüstert Hildebrandt eines Abends. Es ist schon dunkel, als er, die Kerosinlampe in der Hand, in einen kleinen Stall führt, wo er eine Zahnarztpraxis hat. Wie alle Mennoniten hier ist er Bauer, aber nebenbei auch Zahnarzt und Augenarzt, obwohl er nie eine Ausbildung gemacht hat und nur die Grundschule abschloss. Für zwei Euro zieht er den Bewohnern die Zähne. Für ein neues Gebiss zahlen sie ihm ein Kalb. In Durango tragen schon 30-Jährige Gebisse.

Aus der untersten Schublade seines Schreibtischs holt er ein gut verstecktes Büchlein hervor. Es ist sein Geheimnis. Er darf es nicht lesen. Er blickt sich besorgt um, und für einen Moment erwartet man das Eintreffen der Bücherpolizei wie in einem Roman Orwell'scher Prägung. Es handelt sich um ein Pamphlet über die "vier Massenmörder" Hitler, Che Guevara, Lenin und bin Laden.

Verstörende Szenen in der Dorfschule

"Ist das wahr?", fragt er. "Der flog Flugzeuge in ein Hochhaus?" Es folgt ein Sturm naiver Fragen, ein Ausbruch jenes so natürlichen Hungers nach Wissen. Er fragt, ob Amerika einen schwarzen Präsidenten habe und ob es wirklich Huren gebe und was diese so machen, und zum Schluss: "Ist es wahr, dass ihr Chips im Körper habt und mich jetzt filmt, damit die ganze Welt das sehen kann? So sagen sie es unseren Kindern in der Schule." Für einen Moment steht Angst in seinen Augen. Als ich es verneine, scheint er mir nicht zu glauben.

Die Dorfschule von Durango liegt an der Kreuzung zweier Sandwege. Sie besteht aus nur einem Raum, in dem alle Kinder von sechs bis zwölf Jahren gleichzeitig unterrichtet werden. Für Fremde ist der Zutritt verboten, doch als Deutsche lässt der junge Lehrer uns hinein. Die streng gescheitelten Jungen sitzen rechts, die Mädchen - mit hochgesteckten blonden Zöpfen - links. Der Unterricht besteht aus dem militärischen Brüllen des altdeutschen Alphabets und dem Aufsagen von Bibelpassagen. Unter der Überschrift "Niedliche Bilder für artige Kinder" brüllen sie dem Lehrer nach: "Das Schwein. Der Esel. Die Kuh. Der Hahn."

  Die Jugendlichen verstecken ein Radio in ihren Einspännern, nachts vergraben sie das verbotene Gerät aus der Moderne im Waldboden,  damit die Eltern es nicht entdecken.

Die Jugendlichen verstecken ein Radio in ihren Einspännern, nachts vergraben sie das verbotene Gerät aus der Moderne im Waldboden, damit die Eltern es nicht entdecken.

Ein verstört wirkendes Mädchen hat Schwierigkeiten zu folgen. Sie sitzt in der letzten Reihe ganz am Rand, sie zittert. Der Lehrer tritt an ihr Pult. "Sie ist schwach im Kopf", sagt er laut. Die anderen Kinder lachen. Dem abgemagerten Mädchen stehen Tränen in den Augen. "Nicht wahr, du bist bei schwachem Verstand. Sag ja." Es ist eine grausame Szene der Erniedrigung und nur ein weiterer Hinweis, dass es eine sehr dunkle Seite gibt zu dem romantisierenden Blick auf die Ursprünglichkeit der Mennoniten.

Hier an der Schule lernen sie weder Geografie noch Mathe, weder Geschichte noch Spanisch. Sie lernen gerade noch genug Deutsch, um die Bibel lesen zu können. Mädchen verlassen die Schule nach der sechsten Klasse, Jungen nach der siebten. Und wenn einer weiter will?, fragen wir den Lehrer. - "Nicht erlaubt", sagt er. Warum nicht? - "Das war schon immer so. Da müssen Sie den Bischof fragen."

Von Tag zu Tag wirkt das Leben bedrückender Am Sonntag nach der Kirche, dem einzigen freien Tag, begleiten wir Jugendliche in ihren Einspännern, sie hören heimlich Radio, betrieben von einer Autobatterie, sie vergraben es im Waldboden, damit die Eltern es nicht entdecken. Später am Abend finden wir einige Jungen sturzbetrunken am Rand des Sandwegs. Und irgendwann wird uns der vergilbte Artikel einer Lokalzeitung zugespielt. Er beschreibt, wie Mennoniten einer Nachbarkolonie einen Abtrünnigen an einen Baum banden und zu Tode folterten. Es wirkt wie ein Hilfeschrei, die Aufforderung, etwas zu tun.

Bischof Peter Wall, 55, trägt eine schwarze Weste und einen Cowboyhut, er sieht aus wie John Wayne. Er hat elf Kinder und ist einer der wenigen, die Hochdeutsch sprechen. Der Bischof hält die Reporter für Abgesandte des Teufels und möchte zunächst nichts sagen, aber auch ihn besänftigt die deutsche Sprache. "Ich wünsche mir so sehr ein deutsches Gesangsbuch", sagt er. "Können Sie mir nicht eines schicken?" So ergeht es uns oft bei den Mennoniten: Sie lehnen die Moderne ab, aber jeder hat seine Sehnsucht: ein Buch, ein Lied, eine Hure.

Ein Berg voller Sünden

Der Bischof wird von den Männern der Kolonie gewählt, Frauen haben kein Stimmrecht. Er ist so etwas wie Prediger, Richter und Bürgermeister in einer Person. Die Musik, sagt er, sei Sünde, selbst Mozart, "sie soll uns ablenken von Gott". Auch ein Abitur oder Studium diene nicht Gott, sondern der Welt. Und wenn sich ein Mennonit diesen Dogmen widersetzt, wollen wir wissen, ein wissbegieriges Genie etwa? - "Dann wird er bestraft", erwidert er streng. "Bis zum Ausschluss aus der Gemeinschaft."

Er habe es gerade mit einem Berg voller Sünden in seiner Kolonie zu tun, grummelt Bischof Wall. Die Dürre sei ein Zeichen dafür, dass Gott erzürnt ist. Geht es um Vergewaltigungen und Missbrauch, wollen wir wissen. Er blickt überrascht auf und mustert uns lange, bevor er fast drohend seinen Satz sagt: "Es gab ein paar schlimme Vorkommnisse, und nun ist Schluss."

Jahrelang beschäftigte ein Skandal die Mennoniten Boliviens. Acht junge Männer der Colonia Manitoba zogen umher und vergewaltigten mehr als 100 Frauen. Sie betäubten die Opfer mit einem Narkosemittel für Kühe und machten sich über alle her, junge Mädchen wie verheiratete Frauen. Die Bischöfe bestraften die Täter so, wie sie Buchliebhaber und Schulschwänzer bestrafen - mit kurzzeitiger Verbannung und späterer Vergebung. Da schaltete sich der bolivianische Staat ein. Im Zug der Ermittlungen kamen weitere Geschichten von Inzest und sexuellem Missbrauch ans Licht. Die Täter wurden 2011 zu 25 Jahren Haft verurteilt. Zum ersten Mal waren die Mennoniten weltweit in den Schlagzeilen.

Die Menschen in der Colonia Manitoba reden nicht über die Taten. Sie schicken ihre Töchter auch nicht in Therapie. Sie raten ihnen, die Geschehnisse zu vergessen. Nur einige Aussteiger reden, wie die Neudorfs. Sie flohen mit ihren acht Kindern aus Manitoba. Sie flohen nicht wegen der Vergewaltigungen. Sie flohen wegen des täglichen Psychoterrors.

Lernen, zu lieben

"Gewalt und Alkoholismus sind große Probleme", sagt Agathe Neudorf. "Kein Wunder, wenn alles verboten ist, sogar Sport. Die Jugendlichen suchen sich Ventile, sie trinken sich besinnungslos und prügeln sich mit Bolivianern im nächstgelegenen Ort."

Der Schritt ist den Neudorfs schwergefallen. Wie alle Aussteiger kannten sie nichts als das Leben in der Kolonie. Sie ließen alle Verwandten zurück, der Bischof verhängte einen Bann. Ihre Eltern können sie nur heimlich treffen. "Der Bischof sagt, sie werden ewig in der Hölle schmoren, wenn sie mit uns nur zu Abend essen." Heute leben die Neudorfs in der Mennoniten- Siedlung Campo Chihuahua. Sie haben hier ein einfaches Haus, ein Auto, im Garten ein Trampolin. Sie haben begonnen zu lesen, sie umarmen jetz ihre Kinder. "Ich musste das lernen. Ich habe nie eine Umarmung bekommen", erzählt Frau Neudorf. "Kinder sind für viele Altmennoniten wie Nutztiere."

In Campo Chihuahua, 1200 Einwohner, haben sich Aussteiger aller Kolonien zusammengefunden. Die Mädchen hier tragen Röcke, aber ihre langen Haare offen. Sie lernen Spanisch, sie fahren Auto, sie hören Musik und spielen Fußball. Sie leben wie Menschen. Sie leben nach den alten Prinzipien - Gottesfürchtigkeit und Gemeinschaft - und lassen gleichzeitig die Moderne zu. Für neue Aussteiger haben sie Wohnungen und Jobs geschaffen und eine Suchtklinik. Viele leiden unter Alkoholismus und Medikamentenabhängigkeit, ihre einzige Form, den Alltag zu ertragen.

Von Chihuahua aus haben sie der Regierung in La Paz einen Brief mit einem Anliegen geschickt. Sie möge sich darum kümmern, dass die Schulpflicht umgesetzt werde, dass Mennonitenkinder Spanisch und andere Fächer lernen, wie im Gesetz festgeschrieben. Sie wollen die Kolonien stärker der Kontrolle des Staates unterstellen. "Wenn sie das wahr machen, werden wir weiterziehen", entgegnet Bischof Wall. "Wir werden nichts aus der Welt zulassen." Wohin, will man wissen. Er überlegt eine Weile. "Ich weiß nicht, ob es noch einen Ort auf der Welt gibt. Afrika? Oder zurück in die Ukraine. Wo unsere Vorfahren lebten." Aber da ist Krieg, wendet man ein. Ach ja?, fragt er und blickt einen lange und zweifelnd an.

Er glaubt uns nicht.

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