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22. März 2010, 20:26 Uhr

Das Comeback des Fetts

An der Fett-These hängen Umsätze in Milliardenhöhe

Nun ist es oft so, dass Experten ihre jeweiligen Positionen mit Studien untermauern, die sie für richtig halten. In dieser Frage scheint die Datenlage aber eindeutig - und trotzdem hält die DGE an ihrer Überzeugung fest. Warum? Darüber lässt sich nur spekulieren. "Einige ältere Professoren haben ihre Karrieren auf dieser Theorie aufgebaut und immer noch das Sagen", meint Ulrike Gonder. "Die lassen sich offenbar auch von harten Fakten nicht überzeugen, denn es würde bedeuten, dass sie sich 40 Jahre lang geirrt haben." Und es hängen Milliardengeschäfte daran: die Diät-Industrie mit ihren Ersatzprodukten für Butter und vollfette Milchprodukte auf der einen, die Pharmaindustrie mit Cholesterinsenkern und Diabetes-Medikamenten auf der anderen Seite.

Für den Verbraucher hat die Position der DGE Konsequenzen: Die Gesellschaft bildet Ernährungsberater aus, die wiederum Patienten beraten. Viele Krankenkassen erstatten oder bezuschussen die Kosten dafür nur, wenn sich die Fachleute an die Empfehlungen der DGE halten. Ärzte verlassen sich auf ihre Informationen und auch Journalisten.

Zu viele Kohlenhydrate könnten das eigentliche Problem sein

So gilt etwa der Grundsatz, dass Fett 30 bis 35 Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen sollte, Eiweiß rund zehn und Kohlenhydrate bis zu 60 Prozent. Dabei wird die Sache mit dem Fett noch verzwickter. "Es gibt nicht einmal einen Nachweis dafür, dass Fett für das Entstehen von Übergewicht einen eigenständigen Effekt hat", sagt Gonder. Das heißt: Wenn der Mensch zu viel isst, hat er von allem zu viel - nicht nur Fett, sondern auch Kohlenhydrate und Eiweiß. Einen Freibrief zur Völlerei gibt es nicht. Aber für den Gesunden bringt es keinen Vorteil, Fett auszutauschen oder zu meiden - im Gegenteil. "Wer sich extrem fettarm ernährt, nimmt womöglich zu wenige mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu sich. Oder entwickelt einen Mangel an fettlöslichen Vitaminen", sagt Gonder. Außerdem essen Menschen, die auf Fett verzichten, oft umso mehr Kohlenhydrate. Jüngere Studien geben Hinweise darauf, dass eben dies das eigentliche Übel ist, vor allem für jene Menschen mit Bauchansatz, die unter dem Metabolischen Syndrom leiden. In Deutschland sind das Millionen.

2009 gab es sogar eine Untersuchung, in der zwei Ernährungskonzepte miteinander verglichen wurden: die kohlenhydratreduzierte Logi-Diät von Worm und eine fettarme Diät nach DGE-Empfehlung. Die Teilnehmer waren Übergewichtige, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Ergebnis: Abgenommen haben die Menschen in beiden Gruppen, wobei der Effekt bei der Logi-Kost etwas größer war. Entscheidend war aber, dass die kohlenhydratreduzierte Kost im Hinblick auf die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mehr Vorteile brachte. Interessant dabei: Einer der Autoren der Studie ist der heutige Präsident der DGE.

Meta-Analysen

  • Mente, A et al: A systematic review of the evidence supporting a causal link between dietary factors and coronary heart disease. Arch Intern Med 2009;169:659-669
  • Skeaff, CM, Miller, J: Dietary fat and coronary heart disease: summary of evidence from prospective cohort and randomised controlled trials. Ann Nutr Metab 2009;55:173-201
  • Siri-Tarino, PW et al: Meta-analysis of prospective cohort studies evaluating the association of saturated fat with cardiovascular disease. Am J Clin Nutr 2010;91:535-546
Von Sonja Popovic
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KOMMENTARE (10 von 15)
 
Hans-aus-Brasil (25.03.2010, 16:30 Uhr)
Fett, na und !
Fett ist auch Geschmacksträger, drum schmeckt das Lightzeug auch nach nichts. Oder es ist mit künstlichen Aromastoffen aufgepeppt. Halt ich für gefährlich. Ich gönne mir auch mal ab und zu ne Fette Schweinshaxe. Na und gibts am nächsten Tag eben mehr Grünfutter. Alles in Massen dann braucht es auch keine Studien, die sowieso nur das Ausagen was die, die sie bezahlen hören wollen.
schade77 (25.03.2010, 08:58 Uhr)
@tobix

Also ich wusste z.B. nicht, dass in Cola Light das Fett ersetzt wird, ich hätte eher auf Zucker gewettet.
tobix (24.03.2010, 15:42 Uhr)
Nicht sonderlich spektakulär
Fett ist also nicht zwingend böse. Okay.

Ob man zunimmt, hängt von der Menge an Kalorien ab, die man ist. Okay.

Fett hat ordentlich Kalorien, also kann man mit einer fettreduzierten Ernährung Kalorien sparen, oder?

Vielleicht (!) greift man dann vermehrt zu Kohlehydraten, die vielleicht (!) noch übler als Fette sind. Könnte sein, es gibt Hinweise darauf - so wie früher bei Fett.

Und eine so extrem fettarme Ernährung, dass man davon Mangelerscheinungen bekommt, muss man erstmal hinbekommen.

Ich persönlich verzichte auf Light- und vor allem Extra-Light-Produkte. Einerseits aus Geschmacksgründen, andererseits aber auch deshalb, weil das Fett hier oft durch alle möglichen Zusatzstoffe ersetzt wurde, die ich mir lieber erspare. Man vergleiche mal die Zutatenliste von Frischkäse mit unterschiedlichem Fettgehalt...
dreicon (24.03.2010, 14:04 Uhr)
@Lou123 (24.03.2010, 12:16 Uhr)
und so begründet halt jeder seine Wahrheit mit den genau gleichen banalen "Erkenntnissen". Gelle?
Lou123 (24.03.2010, 12:16 Uhr)
@der2groeste
Nein,
ist es nicht. Das Leben ist erst als Veganer etwas teuerer, weil sie Soja Ersatzprodukte kaufen. Der Rest deines Kommentars ist bla. Viel Spass noch mit deinem superbilligen Gammelfleisch. Da ess ich doch lieber einen Ersatz als mir den Mist für n Euro reizufahren. Qualität ist das auch nicht, sondern mit Hormonen und Antibiotika vollgepumpter Müll. Die Fleischindustrie macht wirklich aus Scheisse Gold.
also_ne... (24.03.2010, 11:38 Uhr)
@ Swissmiss (24.03.2010, 11:28 Uhr)
!?
"und das Essen schmeckt so gut, dass man automatisch gar nicht zu viel davon isst."
???

"Bei den fettarmen Jogurts etc. schaufelte ich jeweils immer noch mehr rein, in der (unerfüllten) Hoffnung, dass wenigstens der nächste Bissen ein Geschmackserlebnis bringt."

Wow... ok!?
Also ich merk mir sowas nach den ersten Löfeln, wenns nicht schmeckt lass ichs bleiben und hol mir kein Nachschlag?!
Bin gelinde gesagt, etwas verwundert über Ihre Korrelation von Geschmack und Nahrungsaufnahme!
Swissmiss (24.03.2010, 11:28 Uhr)
Iss wie deine Vorfahren
In unserem traditionellen Essen stecken Jahrhunderte der Erfahrung. Ist wohl drum doch nicht ganz so schlimm, dass ich immer noch Esse wie meine Eltern, meine Grosseltern, Urgrosseltern... Nur mengenmässig eben etwas weniger, schliesslich besteht mein Alltag nicht mehr aus ganz so viel körperlicher Arbeit. Meine Mutter kochte seit jeher mit Butter und Rahm. Schliesslich ist Fett ein grossartiger Geschmacksträger - und das Essen schmeckt so gut, dass man automatisch gar nicht zu viel davon isst. Bei den fettarmen Jogurts etc. schaufelte ich jeweils immer noch mehr rein, in der (unerfüllten) Hoffnung, dass wenigstens der nächste Bissen ein Geschmackserlebnis bringt. Also lieber etwas Butter und Rahm im Essen, dafür insgesamt weniger reinschaufeln. Dann hat man für die gleiche Menge Kalorien nämlich das grössere Geschmackserlebnis.
Rubicon (24.03.2010, 09:39 Uhr)
@L.Gleichmann
Zum Beispiel?

---
Und von welcher Lobby ist da die Rede? Manchmal würde ich mir wünschen, dass es die wirklich gäbe. Aber keine Spur davon.
dreicon (24.03.2010, 09:24 Uhr)
Schon meine Großmutter sagte,
und sie war eine sehr kluge Frau, iß alles was dir schmeckt, aber iß nicht zu viel!

Seitdem akzeptiere ich, daß Fett Geschmacksträger Nr. 1 im Essen, Alkohol in den Getränken, und Zucker im Gebäck sind.

Seit über 20 Jahren habe ich mit einer Ausnahme (Herzinfarkt) keinen Arzt gesehen. Den Infarkt (vor 3 Jahren) gut überlebt, und seitdem ohne Medikamente und Arzt unbeschwert weitergelebt.
gesox (24.03.2010, 08:27 Uhr)
Lesen und verstehen
Das gute an diesem Artikel ist, daß wissenschaftliche Erkenntnisse und der Diskurs um die Ergebnisse journalistisch gut aufbereitet auf den Punkt gebracht wurden.

Der Nachteil ist, daß der Durchschnitts-Fettleibige daraus vor allem eine Entschuldigung für das unkontrollierte Fressen von industriellem Altöl in Form von Pommes, Currywurst, Fertiggerichten, Süßigkeiten und hübsch angerichteter Junkfood-Kotze liest und meint, weiterfressen zu können.

"Der Stern sagt, Fett ist gar nicht schlimm...".

Da kann ich nur sagen: "Aber sicher, mein kleiner Pottwal, das hast Du ganz richtig verstanden..." :-)
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