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Altern ohne Krankheiten: Wie ein gesunder Lebensstil Ihre Zellen jung hält

Ein gesunder Lebensstil ist das wirksamste Anti-Aging-Mittel schlechthin. Warum, zeigt eine neue Studie: Sport, ausgewogene Kost und genügend Schlaf schützen die Zellen vor Stress.

Von Lydia Klöckner

Gesundes Essen, ausreichend Schlaf und Bewegung schützen unsere Zellen vor dem Altern.

Gesundes Essen, ausreichend Schlaf und Bewegung schützen unsere Zellen vor dem Altern.

Stress macht auf Dauer unglücklich - das kennen die meisten Menschen aus eigener Erfahrung. Doch psychischer Druck scheint nicht nur die Seele zu belasten, sondern auch unseren Körper. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass gestresste Menschen schneller altern und häufiger krank werden. Die gute Nachricht: Sie können etwas dagegen tun. Kalifornische Forscher haben drei natürliche Anti-Aging-Mittel identifiziert, die unsere Zellen wirksam vor dem Verfall bewahren können: ausreichend Schlaf, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.

Schon seit einiger Zeit weiß man, dass Stress Spuren in unseren Zellen hinterlässt. Er bewirkt etwa, dass die sogenannten Telomere schneller schrumpfen. Das sind kettenförmige DNA-Bausteinchen, die als Schutzkappen auf den Enden der Chromosomen stecken und das Erbgut gegen Angriffe wappnen. Telomere gelten als eine Art molekulare Uhr. Anhand ihrer Länge können Wissenschafter das biologische Alter eines Menschen abschätzen: Je kürzer sie sind, umso höher ist das Risiko für Altersleiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz, Osteoporose, Krebs und Diabetes.

Dass Telomere sich im Laufe des Lebens verkürzen, ist nicht ungewöhnlich. Psychische Belastung scheint das Ticken der "Zell-Uhren" jedoch enorm zu beschleunigen. Ob und wie sich dieser vorschnelle Verschleiß aufhalten lässt, war bislang nicht klar. Der Psychiater Eli Puterman der University of California in San Francisco und seine Mitarbeiter sind dem Geheimnis des gesunden Alterns nun einen Schritt näher gekommen: Sie konnten zeigen, dass Stress bei sehr gesundheitsbewussten Frauen weniger molekulare Schäden hinterlässt.

An der Untersuchung nahmen rund 240 gesunde Frauen jenseits der Wechseljahre teil. Die Forscher nahmen ihnen zunächst Blut ab und ermittelten das molekulare Alter ihrer Immunzellen - also die Länge der darin enthaltenen Telomere. Anschließend sollten die Frauen ihren Lebensstil für ein Jahr dokumentieren: Alle vier Monate fragten die Forscher sie, wie viel sie sich bewegten, was sie aßen und wie gut sie schliefen.

Am Ende sollten die Frauen auch noch angeben, ob sie innerhalb des Jahres starken Stress erlebt hätten - etwa durch finanzielle Probleme, Sorgen im Beruf, Scheidung, erkrankte Familienmitglieder oder sogar sexuelle Belästigung. Zudem untersuchten die Forscher erneut ihre Blutzellen. Der Befund: Starke psychische Belastungen führen in der Tat zu einem schnelleren Abbau der Telomere - allerdings nur bei Frauen, deren Lebenswandel die Forscher als eher ungesund einstuften. In Zellen von körperlich aktiven Teilnehmerinnen, die gesund schliefen und auf eine ausgewogene Ernährung achteten, schien der Stress deutlich weniger Schaden anzurichten.

Sport, Schlaf und gesunde Kost

Neu ist diese Erkenntnis nicht. Mitautorin und Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn hatte bereits im vergangenen Jahr mit einem anderen Team eine Pilotstudie veröffentlicht, die nahelegte, dass moderate Veränderungen des Lebensstils zu einer Verlängerung der Telomere führen können.

Die aktuelle Untersuchung sei jedoch die erste, die zeige, dass belastende Ereignisse die Zellalterung schon innerhalb eines Jahres vorantreiben, so Puterman. Um dem vorzubeugen, solle man also gerade in Stressituationen auf einen gesunden Lebensstil achten, rät er. Dazu gehört laut Studie ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung, die sich überwiegend aus Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen sowie fettarmen Fischsorten und Milchprodukten zusammensetzt. Wie viel Bewegung für den zellverjüngenden Effekt nötig ist, wird in der Studie nicht genau angegeben. Als besonders "gesundheitsbewusst" wurden Frauen eingestuft, die mindestens fünfmal pro Woche an einem Fitness-Programm teilnehmen.

Dass Sport ein effektives Anti-Aging-Mittel sein kann, haben allerdings auch schon ältere Studien gezeigt. Eine Forschergruppe vom King's College in London wies 2008 nach, dass die Zellen körperlich aktiver Menschen biologisch bis zu zehn Jahre jünger sein können als die von Sportmuffeln. Warum, wussten auch die britischen Wissenschaftler nicht genau. Sie vermuteten aber, dass die entzündungshemmende Wirkung von körperlicher Bewegung eine entscheidende Rolle spiele: Diese führe womöglich dazu, dass oxidativer Stress in den Zellen abgebaut werde, was sich positiv auf die Telomer-Länge auswirke, hieß es in der Studie.

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