Body-Mass-Index kriegt sein Fett weg

2. März 2010, 18:01 Uhr

Der Body-Mass-Index wird offenbar massiv überschätzt. Eine neue Studie zeigt, dass der Wert kaum etwas über die Gesundheit aussagt. Besser geeignet: der WHtR. Sie können gleich mal nachmessen. Von Nina Bublitz

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Wann schaden Fettpolster der Gesundheit? Das soll eine andere Messgröße besser bestimmen als der Body-Mass-Index©

Der Body-Mass-Index, kurz BMI, teilt die Menschheit ein: in Normalgewichtige, in Unter- und Übergewichtige sowie in Fettsüchtige. Jenen, die durch den BMI als zu dick definiert werden, sollen eher Krankheiten oder sogar ein früherer Tod durch Herzinfarkt, Schlaganfall und Darmkrebs drohen. Das bedeutet für Ärzte: Menschen mit einem BMI über 25 (Übergewicht) oder gar über 30 (Fettsucht) brauchen als "Risikopatienten" eher medizinischen Beistand oder Hilfe durch ein Diätprogramm. Die Weltgesundheitsorganisation nennt den BMI seit mehr als einem Jahrzehnt als wichtigste Referenz in Sachen Körpergewicht. Doch ob sich der Wert, der sich aus dem Gewicht, das durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat geteilt wird, ergibt, tatsächlich mit der Gesundheit eines Menschen verknüpfen lässt, ist zunehmend umstritten. Andere Werte, die ebenfalls zwischen Normal- und Übergewicht unterscheiden, gibt es zwar, sie haben sich in der Praxis jedoch noch nicht durchgesetzt.

Eine neue Studie von Medizinern der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität kommt jetzt zum Ergebnis, dass der BMI für die Abschätzung von Krankheitsgefahren schlicht nicht taugt. "Der BMI spielt keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen", sagt Studienleiter Harald Schneider. Er sei daher nicht als Indikator für Krankheitsrisiken geeignet, die mit Übergewicht verknüpft seien, schreiben die Wissenschaftler im "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism". Frühere Studien hätten schon gezeigt, dass Übergewichtige mit einem BMI zwischen 25 und 30 länger leben als Normalgewichtige und dass erst ab einem BMI über 35 die Lebenszeit wieder verkürzt ist. Für die aktuelle Untersuchung wurden Daten rund 10.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von vier bis achteinhalb Jahren ausgewertet.

Fettpolster an der Hüfte sind nicht ungesund

Als Messgröße bringt der BMI gleich mehrere Probleme mit sich. Zum einen unterscheidet er nicht zwischen Fett und Muskeln. Sportler mit viel Muskelmasse landen so rein rechnerisch in der Kategorie "übergewichtig" oder gar "fettsüchtig". Das allein wäre kein Drama: Weder Diätberater noch Arzt würden einem durchtrainierten Athleten zum Abnehmen drängen. Aber es gibt einen zweiten Knackpunkt: Fett ist nicht gleich Fett, zeigen neue Studien. Das so genannte subkutane Fett - Polster an Hüften, Oberschenkeln und am Hintern - mag vielleicht nicht ins gängige Schönheitsideal passen, erhöht aber nicht das Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Das viszerale Fett, das sich im Bauchraum um die inneren Organe sammelt, ist dagegen tatsächlich ungesund. Es beeinflusst den Stoffwechsel und kann Bluthochdruck, hohe Bluttfettwerte und Insulinresistenz fördern.

Treffsicherer mit Blick auf das Krankheitsrisiko ist daher statt des BMI ein anderes Maß: der Taillenumfang, geteilt durch die Körpergröße in Zentimetern - kurz: WHtR ("waist-to-height-ratio"). Gemessen wird etwa in Nabelhöhe. "Je höher der WHtR, desto größer das Risiko", berichten Schneider und seine Kollegen mit Blick auf Herzinfarkt und Schlaganfall. Das Verhältnis von Hüft- zu Taillenumfang, eine weitere Messgröße, habe diesbezüglich kaum eine und der BMI gar keine Aussagekraft gehabt.

Eine bessere Messgröße

Für jeden, der gleich das Maßband zücken will: Die Forscher haben - mit dem Vorbehalt, dass weitere Studien dies stützen müssen - Grenzwerte für dieses Maß vorgeschlagen. Sie gelten für Männer und Frauen gleichermaßen, ändern sich allerdings mit dem Alter: Für unter Vierzigjährige ist ein Wert über 0,5 kritisch. Bei den über Fünfzigjährigen liegt die Grenze bei 0,6, im Alter von 40 bis 50 zwischen 0,5 und 0,6.

Beispielsweise hat eine 61-jährige Frau mit einem Taillenumfang von 84 Zentimetern und 1,61 Meter Größe einen WHtR von 0,52: Das ist in ihrem Alter völlig in Ordnung. Dass sie wegen einiger Fettpolster im Hüftbereich auf einen BMI von 27 kommt, muss sie nicht beunruhigen. Ein 30-jähriger Mann, der 1,83 misst und einen Taillenumfang von 102 Zentimetern hat, kommt auf einen Wert von 0,56: Ihm könnte ein Arzt zum Abnehmen sowie zu mehr Sport raten.

Es könnte sein, dass die Erkenntnisse der deutschen Forscher bald in der Praxis umgesetzt werden. "Es gibt immer mehr Studien, die belegen, dass die Messung des BMI wenig bringt", sagt Harald Schneider. Er hofft darauf, "dass medizinische Fachgesellschaften und WHO ihre Empfehlungen für die Messung des Körperfetts bald ändern."

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KOMMENTARE (10 von 15)
 
huddelduddel (04.03.2010, 20:31 Uhr)
@ also ne..
war heute beim Orthopäden, selbst Übergewichtig, saß als einziger "dicker" unter ca. 20 Normalos. Die kamen bestimmt nur um den Stern zu lesen.
also_ne... (03.03.2010, 17:15 Uhr)
@ Ryan2k (03.03.2010, 14:04 Uhr)
"Weil FAKT ist es das "fette" Leute einfach viel mehr krank sind. Man muss doch nur mal die Leute in der eigenen Firma betrachten, die die Sport treiben und nicht breiter als groß sind sind garantiert 50% weniger Krank."

muss ich Ihnen widersprechen. Erstens ist es NICHT Fakt (kenne zumindest keine entsprechende Statistik), zweitens schaue ich mich hier um, und die meisten Krankheitszeiten gehen aufs Konto der Hungerhaken und untergewichtigen Mädels mit nem kaputten Immunsystem vom runter hungern...
facilidad_de_ser (03.03.2010, 16:44 Uhr)
Die Durchschnittsfrau...
...in Deutschland ist 1,65 Meter gross und wiegt 67,5 kg (Statistisches Bundesamt 2005), das sind nach meiner Rechnung mindestens mal 12 Kilo Übergewicht.
Naja, wenn schee macht ?????
mandible (03.03.2010, 15:45 Uhr)
WHtR
"W"aist to "H"eigh"t" "R"atio.
Ryan2k (03.03.2010, 14:04 Uhr)
und wieder eine.....
Ausrede zum Fettsein... Ist Deutschland so nicht schon dick genug ? Und wenn man so einen Artikel liest denkt man auch noch das es nicht schlimm sei.

Ich meine damit nicht die leute mit einem BMI 25-30 sondern eher die drüber liegen. Ein BMI sagt nicht viel aus aber die Formel die Radar74 geschrieben hat sollte schon mit einer Abweichung von +/- 5-7kg angestrebt werden.

Weil FAKT ist es das "fette" Leute einfach viel mehr krank sind. Man muss doch nur mal die Leute in der eigenen Firma betrachten, die die Sport treiben und nicht breiter als groß sind sind garantiert 50% weniger Krank.

Über Ideal aussehen usw. kann man viel streiten aber ich verstehe nicht wie sich das manche antuen können und dann noch sagen " ich fühle mich wohl" !

Diese Leute haben sich damit abgefunden und machen das beste daraus.Auch weil sie gar nicht wissen wieviel besser es ist nur die hälfte an Wasser zu brauchen um sich zu waschen....
paull (03.03.2010, 10:40 Uhr)
WHtR?
Waist Height to Ratio?
Eher WtHR oder? Sonst WTF..
radar74 (03.03.2010, 10:23 Uhr)
Roman25
Also ich kann Dir nicht zustimmen das man bei Übergewicht gesundheitlich beeinträchtigt ist.
Ich selbst bin 183cm groß und wiege 110kg, wobei mir man mein Gewicht nicht ansieht. Habe nur den unbeliebten Bierbauch wobei der kaum auffällt.

Ich lasse mich alle ca. 3 - 5 Jahre durchchecken und bei mir sind alle Werte wie Blutzucker, Bluttfettwerte, etc. im Normalbereich.
Das einzigste Problem was ich habe ist passende moderne Oberteile zu bekommen.
Aber auch ich will wieder abspecken und runder auf erstmal ca. 90 kg.
Vom BMI halte ich hingegen garnichts und nehme lieber eine alte einfache Berechnung (Körpergröße - 100 = Normalgewicht).
also_ne... (03.03.2010, 10:20 Uhr)
@ Rainhelt (02.03.2010, 20:10 Uhr)
"Also, es gibt Krankheiten, die mit Übergewicht verknüpft sind, was einen BMI von grösser 25 bedeutet aber mit dem BMi hat das alles nichts zu tun!?!?"

siehe Sportlerfrage. Es gibt übergewichtsbedingte Krankheiten, die aber nicht bei jeder Person ab einem BMI von 25 auftreten. Ich selbst habe einen BMI von 29 (gelte also fast schon als adipös! bei meiner Statur aber absolut lächerlich), habe aber keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
Und btw: bin mathematisch gebildet ;-)

@ Roman25 (02.03.2010, 20:09 Uhr)
"Denn spätestens ab 30 kann man sich in der Regel schon als wirklich "fett" bezeichnen"

siehe oben. Hab nen BMI von 29 und bin alles andere als "wirklich fett".

@ Tritus (03.03.2010, 07:16 Uhr)
"Aussagen wie "Fettpolster an der Hüfte sind nicht ungesund" sind daher unseriös. "

Das können Sie dann ja sicher "seriös" belegen.
Tritus (03.03.2010, 07:16 Uhr)
Ach was
Selbstverständlich kann der BMI als Richtgröße dienen. Von Kraftsportlern abgesehen, bedeutet ein höherer BMI nun mal mehr Körperfett.

Dass nicht jede(r) Übergewichtige deswegen gleich tot umfällt, ist wohl auch klar. Allerdings bedeutet Übergewicht in den meisten Fällen falsche Ernährung/wenig Bewegung und damit besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.

Aussagen wie "Fettpolster an der Hüfte sind nicht ungesund" sind daher unseriös.
Logan5 (03.03.2010, 01:04 Uhr)
Vergesst das
BMI, WHtR, was auch immer, Menschen sind nicht über eine einzelne Formel zu brechen. Wenn ihr eine Plauze habt, dann nehmt halt ab. Aber bitte nicht mit fettarmem Zucker oder zuckerfreier Butter oder sonst so einem Werbe-Mumpitz.
Abnehmen 1970 war genauso wie Abnehmen 2010, nur dass heute so ein pseudo-wissenschaftlicher Bohei darum gemacht wird. Jeder weiß doch schon immer, was er weglassen soll.
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