Abnehmen um jeden Preis

Experten sehen mit Sorge, dass Magersüchtige immer jünger werden. Vor allem Teenager sind heute betroffen. Woran man erkennt, dass der Wunsch abzunehmen krankhaft ist, und welche Therapien es gibt.

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Magersucht beginnt oft harmlos. Aus dem Willen, ein paar Kilos abzunehmen, kann schnell eine Sucht werden©

Dass Serien wie "Germany's Next Topmodel" nicht gerade die Realität abbilden, dürfte eigentlich klar sein: Wer dort auf dem Laufsteg läuft, darf keine Speckröllchen haben. Die jungen Frauen sind spindeldürr. Die Show vermittele ein gefährliches Körperbild und fördere Essstörungen, warnte erst kürzlich eine Studie. Einen "krankmachenden Effekt" attestiert auch Psychiater Manfred Lütz der Sendung. Doch woran merkt man, dass die eigene Tochter in die Magersucht abgleitet? Ab wann ist das eigene Essverhalten bedenklich? Ein Überblick über die Symptome der Krankheit und Wege aus der Magersucht.

Magersucht beginnt oft harmlos: Die Betroffenen finden sich vielleicht pummelig, wollen nur zwei, drei Kilogramm abnehmen. Also reißen sie sich zusammen, verzichten auf Schokoriegel, fangen an zu joggen. Und plötzlich ist es ganz leicht abzunehmen.

Stolz auf die eigene Leistung und motiviert von den Komplimenten der Eltern und Freunde hungern und laufen sie weiter. Sie studieren Kalorientabellen, verbannen Frittiertes und Gebratenes vom Speiseplan, lassen später ganze Mahlzeiten ausfallen und kratzen die Butter vom Brot. Irgendwann haben sie das Ziel aus den Augen verloren - ihr Körper ist bis auf die Knochen abgemagert. Trotzdem finden sie sich immer noch zu dick und setzen Vollkornbrot und Gemüsesuppe auf den Index. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist klar: Wer so handelt, ist magersüchtig.

Eine typische Frauenkrankheit

In Deutschland ist etwa jede zweihundertste Frau irgendwann im Laufe ihres Lebens magersüchtig. Models, Balletttänzerinnen und Turnerinnen sind besonders gefährdet. Zehn magersüchtigen Frauen steht nur ein männlicher Betroffener gegenüber.

Experten sehen mit Sorge, dass die Sucht zu hungern in immer früherem Lebensalter beginnt. Während bisher vor allem Teenager im Alter von 14 bis 16 Jahren in die Magersucht abrutschten, werden in Fachkliniken heute auch zehn- und elfjährige Mädchen behandelt.

Dem Phänomen Magersucht sind Wissenschaftler seit Jahrzehnten auf der Spur. Einige Anhaltspunkte für die Störung haben sie gefunden: Psychologische Faktoren spielen eine Rolle, aber auch genetische. Einschneidende Erlebnisse, zum Beispiel Hänseleien in der Schule, und äußere Einflüsse wie ein propagiertes Schlankheitsideal können die Essstörung auslösen. Sicher ist, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen.

Die erste prominente Magersüchtige war Kaiserin Sisi

Magersucht ist kein Zeitgeistphänomen. Beschrieben wurde sie schon im 17. Jahrhundert. Den wissenschaftlichen Namen Anorexia nervosa gab die Fachwelt der Krankheit vor mehr als 130 Jahren. Da steckte Sisi, die junge Kaiserin Elisabeth von Österreich, gerade mittendrin im Teufelskreis aus Fasten, Turnen und exzessivem Reiten. Anorexia nervosa bedeutet frei übersetzt "seelisch bedingte Appetitlosigkeit". Der deutsche Name Magersucht beschreibt die Krankheit besser.

Einmal gefangen, lässt die Essstörung viele ihr ganzes Leben nicht mehr los. Nur etwa jede Zweite schafft es, die Magersucht dauerhaft zu überwinden. Für fast jede Zehnte endet die Krankheit tödlich. Der ausgezehrte Körper stellt seinen Dienst ein und das Herz bleibt stehen.

Hilfe bei Anorexie Der erste Schritt aus der Essstörung ist geschafft, sobald man sich die Magersucht eingestehen kann. Wer der Realität ins Auge blickt, wird erkennen, dass sich etwas ändern muss.

Auch wenn sie noch so stark sind - Betroffene sollten sich Verstärkung holen. Eine gute Freundin, ein Familienmitglied, der Partner werden ihnen sicher helfen, die Magersucht zu überwinden.

Fragen Sie in einer Beratungsstelle für Essstörungen um Rat. Die Mitarbeiter dort helfen, die richtige Behandlung und den richtigen Arzt zu finden. Wer Hemmungen hat, persönlich dort hinzugehen, kann auch eine E-Mail schreiben oder anrufen.

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