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20. April 2010, 19:56 Uhr

Süchtig nach dem Solarium

Wer fast jede Woche in ein Sonnenstudio geht, ist möglicherweise süchtig. Dies vermuten US-Forscher, die in einer Studie Studenten nach ihrem Bräunungsverhalten befragt haben.

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Dass Sonnenbank-Besuche das Hautkrebsrisiko steigern, hält viele nicht vom Bräunen ab© Colourbox

Das Solarium kann süchtig machen: Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher, die eine Studie mit 421 Probanden durchgeführt haben. Häufiges Sonnen dient demnach nicht nur einem gebräunten Teint, sondern soll auch für bessere Stimmung sorgen. Die Nutzer zeigten damit ähnliche Symptome wie zum Beispiel Alkoholiker, meinen die Wissenschaftler.

Für die im Fachblatt "Archives of Dermatology" veröffentlichte Studie untersuchten die Wissenschaftler am Memorial Sloan-Kettering Krebszentrum und der Universität von Albany (US-Bundesstaat New York) 421 Studenten, darunter 229, die im vergangenen Jahr Solarien besucht hatten. Im Durchschnitt waren sie innerhalb eines Jahres 23 Mal auf der Sonnenbank. Die Wissenschaftler wandelten zwei Fragebögen ab, die sonst fürs Abklopfen auf eine Alkohol- oder Drogensucht eingesetzt werden. Gefragt wurde beispielsweise: "Haben Sie versucht, weniger Zeit im Solarium verbringen und finden sich trotzdem wieder beim Bräunen?"; "Ärgern Sie sich, wenn andere Ihnen sagen, Sie sollten nicht unters Solarium gehen?" oder "Glauben Sie, Sie müssen mehr Zeit auf der Sonnenbank verbringen, damit Sie die perfekte Bräune behalten?"

48 Prozent zeigten Anzeichen von Sucht

22 Prozent fielen bei beiden Fragebögen in die Sucht-Kategorie, 26 Prozent nur bei einem - sie zeigten also zumindest süchtige Tendenzen. Die Solariumssüchtigen berichteten häufiger, unter Angstzuständen oder einer Depression zu leiden. Es ist bekannt, dass diese Störungen bei Alkoholikern und Drogensüchtigen öfter auftreten als im Bevölkerungsdurchschnitt. Zudem gaben 42 Prozent der Sonnenbankabhängigen an, im vergangenen Monat zwei oder mehr Arten von Drogen - unter anderem Marihuana, Kokain oder Amphetamine - genommen zu haben. Bei den Solariumsbesuchern, die als nicht süchtig eingestuft wurden, waren es, ebenso wie bei den Sonnenbank-Abstinenzlern, nur 16 Prozent. Die Ergebnisse sind mit etwas Vorsicht zu betrachten, da zum einen die Probandengruppe nicht sehr groß war und zum anderen nur US-Studenten befragt wurden. Ob das Ergebnis auf andere Bevölkerungsgruppen übertragbar ist, weiß man nicht.

Obwohl nahezu 100 Prozent der Befragten glaubten, dass sie durchs Bräunen Hautkrebs bekommen können, hielt sie das nicht von weiteren Solariumsbesuchen ab. Die Forscher überlegen daher, wie sich die Menschen vom Bräunen abbringen lassen. Falls sich ihre Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, sei es sinnvoll, einen kurzen Test auf Angststörungen oder Depression bei Menschen durchzuführen, die sich häufig bräunen. So könnten die, bei denen tatsächlich ein psychisches Problem vorliege, zu einem Facharzt überwiesen werden.

bub
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
officevoice1965 (22.04.2010, 06:34 Uhr)
Jeder Dreck...
kann süchtig machen.Nur hat sich scheinbar keiner mehr im Griff in unserer heutigen Konsumigesellschaft.
Maßlosigkeit sind die Dinge unserer jetzigen Generationen.Siehe Alkoholexzesse der Kids.Und schuld daran sind unfähige Eltern und Poltitiker.
Tom3 (21.04.2010, 10:39 Uhr)
...wenn das Resultat wenigstens...
...ansehnlich wäre, aber die meisten Solaristen sehen aus wie Knusperhuhn nach 100 Umdrehungen zuviel im Rotationsgrill...

...nur gut dass Schönheit individuell ist, irgendwie aber doch alle den selben Trends hinterher laufen...
Magicr (20.04.2010, 21:34 Uhr)
Es braucht keine Studie
um zu erkennen was Sucht ist. Und was ist diese -> krankhafte Gewohnheit durch exzissiven Gebrauch.
lbmedien (20.04.2010, 20:25 Uhr)
Sonne macht süchtiger - so what!
Ähnlich wie das Monster von Loch Ness taucht dieses Thema jedes Jahr um diese Zeit wieder auf. Die erste Studie dazu datiert von 2004. Seither kommt jedes Jahr eine neue dazu. Das Kind hat sogar damals einen Namen bekommen: Tanerexia, vom Englischen "to tan", bräunen.
Die Autoren machen garkein Hehl daraus, worum es ihnen geht: Die Sonnenbank-Nutzung als geistige Verwirrung zu qualifizieren und ein Verbot zu rechtfertigen.

Was aber steckt wirklich hinter den tatsächlich ganz interessanten Ergebnissen:
Die Sonnenstrahlen haben - das ist ja nicht überraschend - eine vitalisierende, stimmungsaufhellende Wirkung. Diese Wirkung kommt auf zwei Wegen zustande. Verkürzt gesagt

1. durch das sichtbare Licht, das die Produktion des "Glückshormons" Serotonin und von Endorphinen im Hirn stimuliert und die Menschen heiterer werden lässt - hallo Frühling!
2. durch das UV-Licht (UVB), das über die Haut das lebenswichtige Vitamin D im Körper aus Cholesterol herstellt. Dieses Vitamin D in seiner aktiven Form hat seinerseits erhebliche Auswirkungen auf die Hirnfunktionen und auf die Serotonin-Stimulierung.

Also: Sonne macht glücklich. Und da der Mensch nun mal süchtig ist nach Glücksgefühlen, liebt er die Sonne - gelegentlich auch zu sehr, Folge: Sonnenbrand.

Auf der Sonnenbank funktioniert nur die zweite Wirkungsweise der Sonnenstrahlen, nämlich die UVB-Produktion von Vitamin D. Insofern macht die Sonnenbank zwar auch süchtig nach Sonnen-Glück, die Sonne aber sogar doppelt, mit ihrem sichtbaren und dem UV-Licht.

Sollten wir also die Sonne abschaffen? Oder die Sonnenbank? und überhaupt alles, was uns Glücksgefühle verschafft und daher süchtig macht? Sex zum Beispiel, oder Schokoklade (wann kommt die erste Studie zu Schokolexia?)?

Wohl kaum, denn das wäre tödlich! Die Natur nämlich steuert uns listig über die Glücksgefühle zu Tätigkeiten, die wir für`s Überleben brauchen. Und dazu gehört der Aufenthalt an der Sonne und das Vitamin D. Zugegeben, nicht unbedingt das Sonnen auf der Sonnenbank, aber als Sonnenersatz kann sie sehr wohl einspringen, beim Glücksgefühl wie beim Vitamin D.

Und da das Vitamin D eine unglaubliche Fülle von Funktionen im Körper steuert und so zum Beispiel Schmerzen (Muskelschmerz, unspezifische Schmerzen: Fibromylagie) lindert und verhindert, (dazu: http://www.sonnennews.de/wordpress/2009/01/24/sonnen-sucht-oder-therapie-sucht-nach-sonnen-therapie/) kann es ja nicht verwundern, dass der Mensch auch "süchtig" wird nach Schmerzfreiheit, oder Osteoporose-Freiheit, oder Diabetes-Freiheit etc. etc. , alles Wirkungen ausreichender Vitamin D-Versorgung.

Was sagt uns das?
Brüder (und natürlich Schwestern) zur Sonne, zur (Schmerz-,,,)Freiheit!
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