Experten warnen vor Killerdroge Alkohol

3. April 2013, 15:42 Uhr

Das Glas Wein oder Bier am Abend gilt für die meisten Deutschen als unbedenklich. Doch die Alkoholmenge summiert sich, wie das Jahrbuch Sucht offenbart - und drastische Folgen aufzeigt.

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Schon geringe Mengen Alkohol können - regelmäßig konsumiert - zu gesundheitlichen Problemen führen.©

Eine Badewanne voll alkoholischer Getränke hat jeder Mensch in Deutschland 2011 im Schnitt konsumiert: 136,9 Liter Bier, Wein, Schaumwein oder Spirituosen nennt das Jahrbuch Sucht 2013, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am Mittwoch in Berlin präsentierte. Umgerechnet trank damit jeder Bürger rund 9,6 Liter reinen Alkohols - genauso viel wie im Vorjahr. Damit liegt Deutschland im Europavergleich auf Platz 13 von 34. Experten warnten davor, den Alkoholkonsum zu verharmlosen.

"Die Gesundheitsrisiken von Alkohol werden immer noch dramatisch unterschätzt", sagte Gabriele Bartsch von der DHS. Etwa 74 000 Menschen sterben nach Angaben der Suchtexperten jährlich an den Folgen von Alkohol allein oder in Kombination mit dem Rauchen - dem zweiten großen Suchtproblem in Deutschland.

Zahl junger Raucher sinkt weiter

"Hier setzt sich aber die erfreuliche Entwicklung fort, dass immer weniger junge Leute rauchen", berichtete Bartsch. Nur noch etwa zwölf Prozent der Jungen und Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren greifen demnach zumindest hier und da zur Zigarette - so wenig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Allerdings ist der Verbrauch von Fertigzigaretten im Jahr 2011 erstmals wieder gestiegen - um knapp fünf Prozent auf 87,6 Milliarden Stück.

Insgesamt rauchen in Deutschland etwa zwischen 26 und 30 Prozent der Bevölkerung, je nachdem, welche Studie zugrunde gelegt wird. Dabei liegt der Anteil der Männer jeweils deutlich (sieben bis zwölf Prozentpunkte) über dem der Frauen. Im Vergleich zu den meisten anderen EU-Staaten wird hierzulande weniger geraucht - allerdings mit leicht steigender Tendenz.

Hinzu kommen laut DHS weitere 1,4 Millionen Menschen, die von Medikamenten abhängig sind. Vor allem Schlafmittel und Tranquilizer, etwa Benzodiazepine, machen den Löwenanteil aus. "Ärzte verschreiben die Mittel und die Patienten denken, dass ist gut für sie. Aber sie schlucken die Mittel oft länger als notwendig, und dann kommt es zu Nebenwirkungen, die wiederum den ursprünglich zu behandelnden Symptomen entsprechen: Schlaflosigkeit oder Depression", sagte Bartsch.

Illegale Drogen spielen wesentlich geringere Rolle

Im Vergleich dazu fallen die Zahlen beim Missbrauch illegaler Drogen deutlich kleiner aus: Schätzungsweise rund fünf Prozent der Menschen ab 15 Jahre haben binnen zwölf Monaten mindestens einmal eine illegale Droge genommen, das Gros davon Cannabis (2,4 Millionen, davon 380.000 in missbräuchlichem Ausmaß), rund 645.000 konsumierten andere illegale Drogen.

"Wir haben in Deutschland ein sehr gutes, professionelles Versorgungssystem in der Suchthilfe", betonte der stellvertretende Vorsitzende der DHS, Theo Wessel. "Aber es gibt zu viele Schnittstellen im Hilfesystem, die dann oft zu unüberbrückbaren Bruchstellen werden. Ein einheitliches Leistungsgesetz würde der Suchthilfe sehr gut tun." Auch in Sachen Prävention müsse noch mehr geschehen - etwa beim Punkt Alkohol-Werbung. "Wir brauchen einen Mix aus individualisierter Prävention und einem gesetzlichen Rahmen. Das ging bei der Tabakwerbung ja auch."

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