11. Oktober 2012, 13:33 Uhr

Höchste Auszeichnung für den Sprachlosen

Der Nobelpreis für Literatur geht an den Schriftsteller Mo Yan aus China. Der Autor verbinde "mit halluzinatorischem Realismus Geschichte und Zeitgenössisches" hieß es in der Begründung.

Mo Yan ist sein Künstlername. Übersetzt heißt es sinngemäß "der Sprachlose" oder "ohne Worte". Der wirkliche Name des chinesischen Schriftstellers, der in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird, ist Guǎn Móyè. Der 57-jährige Schriftsteller verbinde "mit halluzinatorischem Realismus Volksmärchen, Geschichte und Zeitgenössisches", hieß es am Donnerstag in der Begründung der Jury in Stockholm.

Der 57-Jährige ist einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Schriftsteller Chinas. Im Westen wurde Mo Yan mit seinem Buch "Rotes Kornfeld" (1987) bekannt, das der berühmte Regisseur Zhang Yimou verfilmte. Er ist ein Geschichtenerzähler - inspiriert von den Erzählungen der Bauern in seinem Heimatdorf Gaomi (Provinz Shandong) in Ostchina. Das arme Dorf ist bis heute seine literarische Heimat, auch wenn Mo Yan schon lange in Peking lebt.

Am 17. Februar 1955 als Guan Moye geboren, ist der Schriftsteller in Armut und Klassenkampf aufgewachsen. Er konnte nur fünf Jahre zur Schule gehen. Mit 20 Jahren trat er der Volksbefreiungsarmee bei, wo er als Bibliothekar arbeitete und sein schriftstellerisches Werk begann. Das Chaos der Kulturrevolution (1966-76) prägte Mo Yan.

Kein Gegner des chinesischen Regimes

Viele seiner Bücher sind in andere Sprachen übersetzt worden, was die internationale Aufmerksamkeit für Mo Yan erklärt. Bekannte Werke sind auch "Die Knoblauchrevolte" (1989), "Die Schnapsstadt" (1993) oder "Große Brüste und breite Hüften" (1996). Sein Buch "Wa" (übersetzt: Frosch) von 2009 beschäftigt sich mit der kontroversen chinesischen Ein-Kind-Politik.

Anders als der erste aus China stammende und Frankreich zugeordnete Literatur-Nobelpreisträger Gao Xingjian (2000), der in Paris lebt, oder der häufig als Kandidat genannte Bei Dao, der sich aus dem Exil heraus kritisch mit dem chinesischen Regime auseinandersetzte, ist Mo Yan ein in China etablierter Schriftsteller. Als Mitglied der offiziellen Delegation Chinas bei dem umstrittenen Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2009 musste sich Mo Yan gegen Vorwürfe wehren, nicht genug Distanz zum System zu wahren.

Der Nobel-Preis ist dieses Jahr mit acht Millionen schwedischen Kronen (fast 930.000 Euro) dotiert. Die Auszeichnungen werden am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Vergangenes Jahr hatte die Jury mit der Auszeichnung des schwedischen Lyrikers Tomas Tranströner für eine Überraschung gesorgt. In diesem Jahr waren der Japaner Haruki Murakami, aber auch die Kanadierin Alice Munro und der US-Schriftsteller Philip Roth als Favoriten gehandelt worden.

kmi/DPA/AFP
 
 
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