. .
Bücher - Rezensionen und Neuheiten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
8. Oktober 2009, 18:20 Uhr

"Sie wollte doch immer etwas erreichen"

Jubel über Herta Müller: Erstmals seit 1999 geht der Literaturnobelpreis wieder nach Deutschland. Die Gewinnerin kann's nicht glauben, die Kanzlerin jubelt.

Nobelpreis, Schriftstellerin, Literatur, Roman, Stockholm

Zehn Jahre nach Günter Grass wieder ein Literatur-Nobelpreis für Deutschland: Herta Müller© Bernd Weißbrod/DPA

Die Gewinnerin ist "überrascht und kann es noch immer nicht glauben": Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an die deutsche Schriftstellerin Herta Müller. Die 56 Jahre alte Autorin zeichne "mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit", begründete die Schwedische Akademie ihre Wahl am Donnerstag. Bundeskanzlerin Angela Merkel war begeistert: "Müller gehört zu den Schriftstellerinnen, die diese Auszeichnung mehr als verdient haben." Ihr Werk sei "hervorragende Literatur, gespeist aus einer Lebenserfahrung, die von Diktatur, Unterdrückung, Ängsten, aber auch von unglaublichem Mut spricht", fuhr die Kanzlerin fort.

Die in Berlin lebende Müller ist in Rumänien geboren und verarbeitet in ihren Werken eigene Erlebnisse von Fremdheit und politischer Verfolgung. Erst vor wenigen Monaten berichtete sie der "Zeit" ausführlich von ihren Erfahrungen mit der Securitate in Rumänien. Müllers 84-jährige Mutter Catarina ist "stolz auf sie, und ich freue mich natürlich sehr, dass sie es geschafft hat, sie wollte doch immer etwas erreichen."

Herta Müller ist die zwölfte Frau, die den Literatur-Nobelpreis erhalten hat. Mit ihr wurde zum 13. Mal ein Vertreter der deutschsprachigen Literatur gewürdigt. Günter Grass erhielt den Preis vor genau zehn Jahren, die Österreicherin Elfriede Jelinek 2004.

Herta Müller fast sprachlos

"Ich bin überrascht und kann es noch immer nicht glauben, mehr kann ich im Moment nicht dazu sagen", kommentierte Herta Müller die Ehrung. Schließlich hatte sie sich einen Tag vor der Bekanntgabe des Preises skeptisch über ihre Chancen geäußert. "Ich glaube nicht daran, ins Gespräch kommt man ja immer, aber das machen die dieses Jahr nicht. 20 Jahre Mauerfall und dann komme ich mit so einer alten Deportationsgeschichte", sagte die 56-jährige Autorin.

Auch in Herta Müllers Geburtsland Rumänien wurde gefeiert. Philosoph und Kunsthistoriker Andrei Plesu war hoch erfreut: "Für mich ist Herta Müller schon lange eine Nobelpreis-Trägerin. Ich kann mich also nur freuen, dass heute meine Vorahnung offiziell bestätigt wird", sagte Plesu. Weniger euphorisch dagegen die Reaktion von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der jeden Kommentar ablehnte: "Ich will nicht über die Herta Müller reden. Adieu", sagte der Literaturkritiker.

Müller gilt als eine Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur, die ihre Kindheit in Rumänien als Schule der Angst durchlebt hat und davon in ihren Werken bedrückend Zeugnis ablegt. Seit Anfang der 90er Jahre und der Übersetzung ihrer Werke in mehr als 20 Sprachen gehört sie mit Büchern wie "Der Fuchs war damals schon ein Jäger", "Herztier" und "Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet" zu den wichtigen Autoren im internationalen Literaturbetrieb.

Flucht vor Zensur und Repressionen

Müller wurde am 17. August 1953 in Nitzkydorf im Kreis Temeschwar im lange Zeit deutschsprachigen Banat in Rumänien geboren. Nach den Eingriffen der Zensur in ihr erstes Buch und wiederholten Verhören und Hausdurchsuchungen verließ sie 1987 schließlich ihre Heimat und siedelte nach West-Berlin über. Schon 1984 war im Westen ihr Erzählband "Niederungen" erschienen.

Der später folgende Prosaband "Reisende auf einem Bein" entstand 1989 bereits in Berlin und spiegelt das Fremdsein in der neuen Heimat wider. Der Alltag in einem totalitären System ist Thema ihres Romans "Der Fuchs war damals schon der Jäger" (1992). "Herztier" (1994) beschreibt das Leben der Oppositionellen in Rumänien. 2003 veröffentlichte sie einen Essay-Band mit dem Titel "Der König verneigt sich und tötet" und 2005 die Text-Bild-Collagen "Die blassen Herren mit den Mokkatassen".

Weiterer Preis für Müller auf der Buchmesse?

Müller erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kleist-Preis und den Joseph-Breitbach-Preis. Seit 1995 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Mit ihrem aktuellen Roman "Atemschaukel", über den sie kürzlich ausführlich in einem Interview mit "RP-Online" sprach, steht sie auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Der Preis wird in der kommenden Woche auf der Frankfurter Buchmesse verliehen. Auch da gilt Müller als Favoritin.

Der Nobelpreis wird am 10. Dezember in Stockholm vergeben und ist mit zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert.

DPA/AFP/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
J.Dax (09.10.2009, 08:26 Uhr)
Fairness & Respekt!
Ich war immer schon der Ansicht, dass nicht für jeden Menschen alles möglich ist, und dass wir eher die Dinge wahrnehmen, die in unser Umfeld gehören. Sich jetzt hinzustellen und Leute als dumm und ignorant zu bezeichnen, ja, ihnen soagr vorzuwerfen, dass sie "nicht genug" läsen oder "keine Ahnung von Literatur" hätten ist arrogant und anmaßend. Zumal nicht mwehr überprüft werden kann, wer tatsächlich vor ein paar Jahren schon Müllers Werke gelesen hat. Und zumal nicht jede wichtige und gute Literatur jedermann gleich präsent sein kann, dafür ist mittlerweile die gobale Fülle zu groß. Jeder einzelne kann sich höchstens selbst fragen, wenn dem so ist, warum wir den Osten Europas so lange außen vor ließen, den Blick starr nach Westen gerichtet. Ganz sicher ist aber eine diskrimierende Haltung keine, die Frau Müller selbst einnehmen würde. Lieber sollte man sich gemeinsam mit ihr darüber freuen, dass ihre wichtige Literatur neues Publikum erreicht!
Albatros111 (08.10.2009, 17:16 Uhr)
@dist-bln
Die Süddeutsche schreibt keineswegs über Herta Müller sie sei "weitgehend unbekannt", sondern: "dem breiten Publikum bisher eher unbekannt" und "eine der sprachmächtigsten Autorinnen der Gegenwart". Bitte erstmal lesen lernen, bevor Sie sich hier über Schriftsteller äußern.
dist-bln (08.10.2009, 16:14 Uhr)
Albatros111/ Jozzel
Unbekannt, unbedeutend?...
im übrigen, z.b. die Süddeutsche weißt darauf hin- "weitgehend unbekannt"... der Deutschlandfunk- Reich-Ranicki "möchte nichts zu Herta Müller kommentieren"...
butcher99 (08.10.2009, 15:20 Uhr)
@chrgue
nö, war nicht nötig bei Wikipedia nachzuschaun. Ist eh ein fragwürdiges Medium. Man musste nur den Artikel lesen.
340600 (08.10.2009, 15:20 Uhr)
Geklaut - abgeschrieben etc?!?
@thortimoe

stern und sp***** haben doch beide nur DPA als "Quelle" genutzt.

oder vielleicht doch etwas mehr???

mein Tipp: Achten Sie mal auf überregionale Meldungen in verschiedenen deutschen Lokalzeitungen. Vielleicht fällt Ihnen dort auch etwas auf.
Albatros111 (08.10.2009, 15:17 Uhr)
Unbekannt?
Wer noch nie von Herta Müller gehört hat, hat einfach nur keine Ahnung von Literatur. Oder interessiert sich nicht für Literatur. Es muss sich ja niemand für Literatur interessieren, aber dann braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn man mal eine Nobelpreisträgerin nicht kennt.
Jozzel (08.10.2009, 14:27 Uhr)
Bitte keine Literatur-Charts
Unbekannt, unbedeutend? Zum Glück entscheiden die Stockholmer auch nach Qualität und nicht nach den aktuellen Buch-Charts. Und wer Herta Müller nicht kennt: Mehr Lesen bitte!
thortimoe (08.10.2009, 14:20 Uhr)
Ich sehe doppelt....
Man lese sich bitte den betreffenden Artikel auf spiegel.de durch!

Wer hat hier von wem geklaut???
dist-bln (08.10.2009, 14:18 Uhr)
Nur unbedeutende Autoren..?
Ich glaube nicht nur unbedeutende Autoren bekamen den Litaratur- Nobelpreis-
Thomas Mann... Shaw... Gide... Hesse... Böll... Faulkner... Hammingway... Camus... Pasternack... Sartre... Ellias Canetti... Gabriel Garcia Marquez... Wer fällt mir noch so ein..?
chrgue (08.10.2009, 14:16 Uhr)
@butcher99
Mal schnell bei Wikipedia nachgelesen, gell? Ich wiederhole mich: Wen interessiert dieses "Krawel, Krawel!" von völlig unbekannten, ungelesenen Autoren? Niemanden, und deshalb braucht man auch kein Brimborium darum machen, dass es sich um eine "Deutsche" (ist sie das wirklich?) handelt?
MEHR ZUM ARTIKEL
"Atemschaukel" Heimatroman aus der Hölle

Gefangenschaft, Zwangsarbeit, Vertreibung - die Themen Herta Müllers waren nie leichte. In ihrem aktuellen Roman "Atemschaukel" schildert die Literaturnobelpreisträgerin das Schicksal deutscher Siebenbürgener nach Ende des Zweiten Weltkrieges. mehr...

Deutscher Buchpreis 2009 Sechs Romane sind nominiert

Die Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2009 stehen fest. Von der 20 Bücher umfassenden Longlist sind sechs Romane übrig geblieben, die sich Hoffnung auf den mit 25.000 Euro dotierten Preis machen dürfen. mehr...

Interview mit Grass "Es war eine unüberschaubare Zeit"

Nobelpreisträger Günter Grass hat sich gegenüber der Deutschen Presseagentur zu seiner Autobiografie und seinem Verhältnis zur Nazi-Diktatur geäußert. Er erzählt von der Waffen-SS, ständiger Furcht und seinem "Kumpel Joseph". mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft