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11. Dezember 2005, 07:45 Uhr

Rettet King Kong das Kino?

Hollywood steckt in der Krise. Den Traumfabrikanten fällt nichts mehr ein. Die Umsätze sinken. Die Branche setzt vor allem auf Altbewährtes. Peter Jacksons Wiederauflage des Affendramas soll nun zum Jahresende noch die Wende bringen.

Ihr Freund ist groß und stark, benimmt sich aber wie ein Affe - Kong und Naomi Watts© Universal

Kong also kommt nach New York. Er wird am Broadway einem lüsternen Publikum präsentiert, kann sich jedoch aus seiner Gefangenschaft befreien und erklimmt, von wütenden Jagdflugzeugen verfolgt, die Spitze des Empire State Building. In einem gewaltigen Sprung gelingt es ihm, über den East River nach Brooklyn überzusetzen, wo er von einer Immigrantenfamilie adoptiert und rasiert wird; später verklagt er die New Yorker Polizei wegen Körperverletzung, und im letzten Bild sehen wir "King" Kong, den frisch gewählten Bürgermeister von New York, bei einer Konfettiparade auf der Fifth Avenue, neben ihm im offenen Hummer Paris Hilton und Angelina Jolie.

Nein, nein, nein, so geht die Sache mit King Kong natürlich überhaupt nicht aus. Wie jeder weiß, muss der Affe dran glauben. Also: Empire State Building - Jagdflugzeuge - Schüsse - klatsch, krach, Ende. Und nichts, aber auch gar nichts spricht dafür, dass die jüngste Verfilmung, die am 14. Dezember weltweit in die Kinos kommt, von der mehr als 70 Jahre alten Biografie abweicht.

Erdacht wurde die herzzerreißende Horrorfantasie damals in der tiefsten Wirtschaftskrise von Edgar Wallace und Merian C. Cooper. Die beiden versetzten ihren Gorilla vom saurierverseuchten "Skull Island" in den Großstadtdschungel, wo er brüllend unterging - zivilisatorische Strafmaßnahme für einen beunruhigenden Atavismus und Warnung vor den Schrecken der Zivilisation zugleich.

Es lag allerdings nicht am Zauber dieser Metaebene, dass das Epos ein gutes Dutzend Nachahmer und Wiederkäuer inspirierte - unter anderem natürlich bei den an groß gewachsenem Getier immer interessierten Japanern. Nein, es lag an der Romanze. King Kong liebt die weiße Frau. Tragisch! Zärtlich! (Na gut, für einen Dreitonnengorilla.) Unvergesslich. Und unverzeihlich: Denn wie so oft, wenn Frauen die Chance bekommen, an der Seite eines hoch gewachsenen Alpha-männchens mit vollem Haupthaar und unvermurkster Libido glücklich zu werden, vermasseln zu kurz gekommene Drehbuchautoren - Cooper war recht klein - das Happy End.

Nun kann man sich fragen, weshalb Hollywood eigentlich nichts Neues mehr einfällt. Neben King Kong bevölkern regelmäßig Bat-, Super- und Spider-Männer das Kino, die abgeschmacktesten TV-Serien ("Bewitched") und 50er-Jahre-Kitsch wie "Im Dutzend billiger" werden unverfroren recycelt.

Für die Studios, so der Hollywoodproduzent Walter F. Parkes ("Zorro"), ist die Ideenarmut in erster Linie eine ökonomische Entscheidung: Ein Film wie "Batman Begins" muss nicht so groß beworben werden wie zum Beispiel Parkes' eigene Produktion "The Island", deren Konzept (ein Actionfilm um Genmanipulationen!) aufwendig ins Publikum gehämmert werden musste, während der Flattermann ein alter Bekannter ist. Vertraute Stoffe haben, so Parkes, ein "eingebautes Publikum". Und so erwies sich 2004 für Hollywood als Superjahr dank "Shrek 2", "Spider-Man 2", "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" und - Mel Gibsons "The Passion of the Christ", was zufällig auch eine recht bekannte Story ist.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 49/2005

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