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Oscar-Verleihung: Die Academy Awards
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28. Februar 2011, 12:06 Uhr

Alt, öde, Oscar

Die Oscars sollten diesmal ganz anders werden. Jung und hip, lautete das Motto. Doch daraus ist nichts geworden. Und das lag auch an den jungen Moderatoren. Eine Analyse von Sophie Albers

Oscars, 83. Academy Awards, The King's Speech, Trent Reznor, natalie portman, Colin Firth

Verkleiden reicht nicht: Vor allem die Moderatoren der 83. Oscars waren zu träge (Anne Hathaway und James Franco)© Gabriel Bouys/AFP

Die Oscars. Die Mutter aller Showevents. Das große, unerreichbare Vorbild für jede Preisverleihung. Der alljährliche Beweis dafür, dass perfekte Unterhaltung möglich ist. Bis gestern zumindest. Die 83. Verleihung der Academy Awards of Motion Picture Arts and Sciences war ein Reinfall. Wenn auch mit System.

Es hat so gut angefangen: Jünger und hipper sollte die Gala werden, damit die zig Millionen Zuschauer, auf die es die Werbekunden abgesehen haben, nicht weiter vor sich hin vergreisen und irgendwann die unfassbar hohen Werbepreise (ein 30-Sekunden-Werbespot kostet rund 1,5 Millionen Dollar) mit in Grabestiefen reißen.

Also wurden mit dem 32-jährigen James Franco ("Milk", "127 Stunden") und der 28-jährigen Anne Hathaway ("Der Teufel trägt Prada") die bisher jüngsten Moderatoren verpflichtet. Gleich zu Beginn nahm die "neue" Gala denn auch wirklich Fahrt auf: In einem Einspieler fanden sich Franco und Hathaway dank Tricktechnik in den nominierten Filmen wieder - ließen sich von Leonardo DiCaprio erklären, wie man in Träume einbricht ("Inception"), trafen Jeff Bridges in der rauen Landschaft von "True Grit´" oder tanzten "Die braune Ente" in "Black Swan". Das war schnell, das war witzig, das war anders - aber auch sofort wieder vorbei.

Billy Crystal und Bob Hope

Es folgte eine Feier dessen, was mal war. Immer wieder gab es historische Einsprengsel, Erinnerungen an frühere, offenbar bessere Zeiten. Höhepunkt war ein Auftritt des beliebten achtmaligen Oscar-Moderators Billy Crystal ("Harry und Sally"), der in wenigen Minuten mehr Spaß verbreitete als der zwischenzeitlich ziemlich schläfrige James Franco. Franco zwängte sich in seiner Verzweiflung sogar in ein Marilyn-Monroe-Kostüm.

Aber mit dem Rückgriff auf 80er-Jahre-Stars wie Crystal war es nicht getan. Der erinnerte an Bob Hope, den 2003 im Alter von 100 gestorbenen Über-Moderator, der die Academy Awards zwischen den 30er und 70er Jahren 18 Mal präsentierte. Als Hope dann auch noch als Projektion erschien (Stellen Sie sich eine "Krieg der Sterne"-Holografie vor), hätten die "jungen Hippen" eigentlich gehen können. Franco schien das zumindest innerlich auch schon getan zu haben, während sich Hathaway noch redlich mühte, den quirligen Anschein zu wahren. Das war der Augenblick, misstrauisch zu werden.

Wichtig wie "Wetten, dass...?"

Hier eine wilde Spekulation: Die Oscars sind fürs internationale Showgeschäft mindestens so bedeutsam wie "Wetten, dass…?" für die deutsche Fernsehlandschaft - und noch ein paar Kilometer tiefer verwurzelt. Doch während Thomas Gottschalk sich vor der Samuel-Koch-Tragödie Michelle Hunziker aufschwatzen ließ, um jüngeres Publikum zum Einschalten zu bewegen, waren die Oscar-Organisatoren viel schlauer: Sollen die Nörgler ihre Modernisierung haben. Aber dann zeigen wir ihnen den wahren Geist der Oscars, der immer noch lebendiger ist als der "junge, hippe" James Franco. Und nein, damit ist nicht der 94-jährige Kirk Douglas gemeint, der kaum stehen konnte und auch kaum zu verstehen war, als er die beste Nebendarstellerin ehrte.

Denn dem wunderbaren Eröffnungsfilmchen folgte eine Show, die klassischer nicht hätte sein können! Keine Aufreger, wenn, dann nur einstudierte. Und eine große Portion Opulenz. Und welcher Film ist dann auch noch Gewinner des Abends? "The King's Speech" (Bester Film, Regie, Hauptdarsteller und Originaldrehbuch), ein Historiendrama, das alte Werte, klassisches Erzählkino und die Macht der Tradition beschwört. Noch Fragen?

Nicht eine Überraschung hatte diese Verleihung parat. Oder doch, eine von 24: Nine-Inch-Nails-Musiker Trent Reznor gewann in der Kategorie Filmmusik. Das ist ein kleiner Schock und definitiv ein Zugeständnis, vielleicht aber auch nur ein Fehler bei der Auszählung, denn niemand jüngeres als Randy Newman, 67, (von "Ragtime" bis "Toy Story") wurde für den besten Song ausgezeichnet: "We belong together" aus "Toy Story 3".

Es war ein netter Versuch, altes Hollywood. Aber du bist durchschaut.

Eine Analyse von Sophie Albers
 
 
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