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11. September 2009, 15:02 Uhr

Das Katastrophenschloss

Das darf doch nicht wahr sein! Schon wieder Ärger um das Berliner Stadtschloss. Nun hat das Bundeskartellamt festgestellt, dass der Vertrag mit dem Architekten Franco Stella ungültig ist. Ein Debakel für die Bundesbaubehörde und Minister Tiefensee. Von Anja Lösel

Berliner Stadtschloss,

Franco Stella vor der beliebten "Stadtschloss-Wiese"© Sören Stache/DPA

Gab es nicht schon genug Katastrophen um das Berliner Schloss? Musste das denn auch noch sein? Der Vertrag, den das Bundesbauministerium mit dem Stadtschloss-Architekten Franco Stella geschlossen hat, ist ungültig. Sagt das Bundeskartellamt. Ein Desaster.

Von Anfang an war der Wurm drin in diesem Projekt. Es fing an mit Querelen um den Förderverein Berliner Schloss und seine undurchsichtigen Finanzen. Dann gab es Ärger um den Abriss des Palastes der Republik, der fast drei Jahre dauerte und mehr als 100 Millionen Euro kostete. Und Debatten darum, was eigentlich im Schloss Platz finden soll. Klar ist: ein Humboldt-Forum, in dem Museen, Bibliotheken und die Uni Raum bekommen sollen. Aber wie genau soll das gehen? Und brauchen wir das wirklich?

Der Kompromiss-Kandidat

Ein Architektur-Wettbewerb brachte 2008 immerhin ein einstimmigem Votum. Und selbst wer das Resultat nicht berauschend fand, atmete auf: endlich ein greifbares Ergebnis, endlich ein Ende der Debatten. Franco Stella, ein ziemlich unbekannter Architekt aus Italien, hatte die Jury überzeugt . Besser gesagt: auf ihn als Kompromiss-Kandidaten konnten alle sich einigen - von Wolfgang Thierse bis David Chipperfield. Stella sollte bauen. Ein reibungsloser Ablauf schien garantiert.

Doch bald gab es Zweifel. Zwei Wettbewerbs-Bedingungen schien Stella nämlich nicht zu erfüllen. Jeder Architekt, so stand es in der Ausschreibung, sollte ein Büro mit mindestens drei Mitarbeitern haben oder einen Umsatz von 300.000 Euro im Jahr nachweisen. Damit wollte man sicher gehen, dass der Gewinner auch ein so riesiges Projekt wie das Berliner Schloss stemmen könne. Weil Stella versicherte, dass bei ihm alles nach Vorschrift sei, bekam er den Auftrag. Geprüft wurde nicht, man vertraute ihm und seiner schriftlichen Zusicherung.

Tief durchatmen

Nicht aber traute man ihm zu, dass er das 552-Millionen-Projekt alleine durchziehen könnte, noch dazu in einem Land, dessen Sprache er nur mäßig beherrscht. Deshalb drängte man ihn offenbar, für die Realisierung die renommierten deutschen Büros von Gerkan, Marg und Partner sowie Hilmer & Sattler ins Boot zu nehmen. Das allerdings könnte EU-Richtlinien widersprechen, denn es gab keinerlei Ausschreibung. Stella beauftragte die beiden Assistenz-Büros direkt, womöglich auf Drängen des Bundes.

Der Architekten Hans Kollhoff, der beim Schloss-Wettbewerb auf den dritten Platz gekommen war, hatte deshalb eine Überprüfung des Vertrags mit Franco Stella gefordert. Verzweiflungstat eines Beleidigten, der selbst zu kurz gekommen war? Wohl eher nicht. Kollhoff ist einfach nur mutig. Er stellt sich gegen das Bundesbauministerium, das mit seiner Schlamperei die Katastrophe erst ausgelöst hat, und muss durchaus mit Nachteilen rechnen. Öffentliche Aufträge für Kollhoff in Berlin? Könnte in Zukunft schwierig werden. Trotzdem hat er sich getraut.

Was passiert nun? Das Bauministerium will vor das Oberlandesgericht gehen. Und verkündete erst mal, dass der Streit "den Bau des Humboldtforums nicht verzögern" würde. Nun ja, wer's glaubt. Sicher ist, dass die beiden hinzugezogenen Architekturbüros wieder draußen sind aus dem fetten Millionengeschäft. Und mal ehrlich: Womöglich wäre es gar nicht so schlecht, wenn es eine Verzögerung gäbe. Wenn alle einmal tief durchatmen und noch einmal neu nachdenken, diskutieren und planen könnten.

Warum nicht Wiese?

Warum nicht innehalten? Das Projekt sogar aufschieben? Wollen wir denn wirklich ein Schloss für 552 Millionen bauen? In Zeiten, da keiner so genau weiß, wie es weitergehen und wo das Geld herkommen soll? Eignet Stellas Schloss mit den barocken Fassaden sich überhaupt für einen modernen Museums- oder Bibliotheksbetrieb? Können wir nicht abwarten und späteren Generationen die Entscheidung überlassen, was in der Mitte von Berlin stehen soll, an diesem einzigartigen Ort zwischen Museumsinsel, Dom, Alexanderplatz und Schinkelkirche?

Ein Planungs-Stopp wäre eine mutige Entscheidung, die der Bundestag als Bauherr fällen müsste. Aber keiner traut sich ran an das brisante Thema. Stattdessen beharrt man auf einem Schloss, das niemand braucht, auf einem beschädigten Bundesbauminister und einem offenbar ungültigen Vertrag.

Einstweilen spazieren Berliner und Touristen über die riesige Schloss-Brache mitten in der Stadt. Seit ein paar Wochen ist sie hübsch mit Rasen und Holzstegen belegt. Könnte ruhig so bleiben. Ein schöner Ort zum Ausruhen und Nachdenken.

Von Anja Lösel
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
giangastone (12.09.2009, 10:21 Uhr)
Wunde schließen
Es ist richtig diese Wunde Berlins zu schließen und die historisch gewachsene Optik zu rekonstruieren. So gesehen eine richtige Entscheidung. Es ist leider so, dass man durch juristisches HickHack hierzulande zu jeder Zeit zukunftsweisende Projekte kippen kann. Und wenn die eine Instanz grünes Licht gibt, dann geht man halt in die nächste. Die halbe Milliarde fließt doch direkt in die Bauwirtschaft, wo ist das Problem? Besser Löhne als Harz IV!
klabautermann79 (11.09.2009, 22:13 Uhr)
Wiederaufbau
Den Wiederaufbau des Schlosses an sich finde ich eine gute Sache. Eben um der Geschichte willen und nicht zuletzt als architektonisches Glanzstück. Dass aber kein ebenso glanzvoller Plan besteht, wie das Schloss genutzt werden könnte (da könnte man genauso gut unten einen ALDI reinmachen und oben ein Callcenter) und die Finanzierung so einen bitteren Geschmack hinterläßt, läßt den ganzen Plan wirklich übereilt erscheinen, auch wenn der Streit darum schon ewig geht.
langsam-reicht-es (11.09.2009, 21:36 Uhr)
Also
wer wählen geht ist mit dran schuld---auch wenn´s den Jungs vonm Stern nicht passt!!
langsam-reicht-es (11.09.2009, 21:35 Uhr)
DAS
BUNDESBAUSESSELFURZMINISTERIUM-----------noch Fragen???
kldrkur (11.09.2009, 21:10 Uhr)
Wer zahlt?
Wer bauen will, soll auch bezahlen. Der Steuerzahler jedenfalls will nicht bauen.
naiv02 (11.09.2009, 20:50 Uhr)
Als hätten wir keine anderen Sorgen...
552-Millionen-Projekt wer es glaubt ... . Wann hat es in den Jahren der Berliner Republik ein öffentliches Großprojekt gegeben, bei dem das Budget eigehalten wurde.(z.B.Kölner U-Bahn, Toll-Collect etc.) Also wird wohl eher eine Mrd. werden.
-
Und wofür Museen und Uni-Räume, man wacht auf. Viele Deutsche Museen sind in einem erbarmungswürdigem Zustand und bei den Uni's gibt es meines Wissens einen Investitionsbedarf von mehr als 40Mrd.
JohnnyBravo2009 (11.09.2009, 20:46 Uhr)
Schlossbau ist richtig
Das Stadtschloss an der historischen Stelle wieder aufzubauen ist m.E. eine geschichtliche Notwendigkeit. Natürlich ist den Linken als Palastfans dieses ein Dorn im Auge, wie alles was in irgendeinerweise dieses Land bereichern könnte.
confused (11.09.2009, 20:36 Uhr)
Marode Strassen, Häuser, Schulen
für nichts ist Geld da , jedoch wohl für ein Schloss wieder neu zu bauen, in einer Zeit wo das Geld anders besser und Sinnvoller eingesetzt werden könnte. Alleine die Summe 552 Millionen, und das ist das was berechnet ist das wahrscheinlich min. nochmals die Hälfte zum Schluss dazu kommen wird ist so gut wie geschrieben, Armes Land, voller Spinner, voller Grössenwahnsinniger NeuzeitmöchtegernSonnenkönige, am liebsten würde ich den Herrschaften die sich diesen Schwachsinn ausdenken das tun wo mir gerade nach ist, vor die Füsse kot..n
L.Gleichmann (11.09.2009, 20:24 Uhr)
Naja, Pfütze....
Ere kommt von den Ex Bürgerrechtlern.... Was will man da erwarten? Radau, Radau... und nix dahinter.
domit (11.09.2009, 17:10 Uhr)
Pfütze
In wenigen Tagen ist "Pfütze" sowieso versickert,Dann kann das Juxgeld in die marode Bahn fliessen.
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