Ein Hauch von Hollywood in Neuschwanstein

8. März 2005, 12:07 Uhr

Nicht weniger als eine glamouröse Show mit einem Sound im Stil von Filmmusik soll das neue Musical "Ludwig²" werden. Am 11. März fällt in Füssen der Startschuss.

Jeanette Chvatal (l), Darstellerin der Sissi und Jan Amman (r), Darsteller von König Ludwig©

Bei der Premiere des neuen Ludwig-Musicals am 11. März in Füssen wird ein Hauch von Hollywood durch die Kulissen wehen. Die Geschichte vom Leben und Sterben des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. orientiert sich zwar an historischen Quellen. Für die Präsentation von "Ludwig²" aber haben die neuen Produzenten Profis aus Los Angeles und vom Broadway engagiert. Das erste Musical "Sehnsucht nach dem Paradies", das im April 2000 uraufgeführt worden war und inzwischen durch Insolvenz verstummt ist, klang wie eine romantische Oper. Das neue Stück, das der Wiesbadener Produzent Gerd Fischer und eine Allgäuer Investorengruppe auf die Bühne bringen, soll eine Show werden mit einem Sound im Stil von Filmmusik.

Geraldine Chaplin sagte ab

Für Glamour auf der Bühne hätte Weltstar Geraldine Chaplin sorgen sollen. Doch die Diva, die nach einem Besuch in Füssen vor lauter Begeisterung notfalls sogar einen Stuhl spielen wollte, sagte in letzter Minute ab. An ihrer Stelle lässt sich Christine Kaufmann als Engel am Seil durch die Kuppel des Festspielhauses Neuschwanstein ziehen. André Eisermann, der für die Hauptrollen in den Filmen "Kaspar Hauser" und "Schlafes Bruder" mit Preisen überhäuft wurde, wird in Füssen Ludwigs Bruder Otto spielen.

Er hätte eigentlich lieber den König gespielt, sagte Eisermann. "Ludwig liebte den Frieden und die Kunst. In seiner sexuellen Ambivalenz fühle ich mich ihm sehr nahe. Aber als Schauspieler ist die Rolle des Otto anspruchsvoller", sagt Eisermann. Nicht weniger prominent ist die Gästeliste zur Premiere. Das halbe bayerische Kabinett wird sich mit Prominenz aus Wirtschaft und Showbiz die Königsloge teilen.

14.000 Rosen für eine Liebesszene

Das Bühnenbild geizt nicht mit Effekten. Vier Meter hohe Skelette ziehen den Blick der Zuschauer auf die tragische Figur des Bayernkönigs und seinen mystischen Tod. Für eine Liebesszene mit Österreichs Kaiserin Sissy tauchen 14.000 Rosen die Bühne in ein Blütenmeer. Der Designer Michael Curry, der schon den Musical-Hit "König der Löwen" gestaltet hat, lässt die Schauspieler beim Finale in einer akrobatischen Körper-Architektur das Märchenschloss Neuschwanstein nachbilden. Die einzelnen Musikstücke stammen aus der Feder von Konstantin Wecker und dem Spezialisten für Hollywood-Filmmusik Christopher Franke. Der Brite Nic Raine, der schon als Arrangeur für Paul McCartney und mehrere James-Bond-Filme gearbeitet hat, fügte sie zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

"Statt der üblichen zwei Jahre Vorbereitungszeit für ein neues Musical hatten wir nur sieben Monate. Dementsprechend läuft alles in ordentlichen chaotischen Bahnen", schildert Dramaturg Klaus Naseband die Hektik der letzten Tage bis zur Uraufführung. In 26 Szenen treten rund 30 Schauspieler und Sänger in 150 Kostümen auf. Im Orchestergraben sitzen zehn Musiker, die als Solisten den von einem Prager Orchester eingespielten Soundtrack ergänzen. Im Sommer sollen an sechs Tagen in der Woche sieben Vorstellungen gegeben werden, im Winter an vier Tagen fünf.

Kostenbewusstsein spielt die Hauptrolle

Im Festspielhaus Neuschwanstein ist Geld ein besonderes Thema. Für die Allgäuer Investorengruppe, die das insolvente Theater vor gut einem Jahr gekauft hat, begegnet Günter Döbler aus Kempten den Fragen nach den Kosten der Produktion stets mit dem Satz: "Wir sind keine Aktiengesellschaft, die ihre Finanzen offen legen muss." Der Wiesbadener Produzent Gerd Fischer, der als Mitgesellschafter auch den wirtschaftlichen Erfolg des Musicals im Auge hat, kann sich allerdings die Bemerkung nicht verkneifen, dass es leicht sei, mit fremdem Geld umzugehen. "Hier steckt mein eigenes Geld drin", sagt Fischer, deshalb spiele das Kostenbewusstsein in seinem Theater eine Hauptrolle.

Die Anspielung gilt den früheren Betreibern des Musiktheaters Neuschwanstein, die das Haus am Ufer des Forggensees mit Blick auf die Königsschlösser erbaut hatten, aber nach der Premiere im April 2000 nicht aus den roten Zahlen herausgekommen waren. Nach der Insolvenz hatten zwei Gräfinnen aus Füssen und die Familie Döbler, Eigentümer des Kemptener Schlachthofes, das Theater übernommen und ein neues Stück in Auftrag gegeben.

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