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6. November 2009, 14:30 Uhr
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Der Pop ist gerettet

Pünktlich zum Mauerfall-Jubiläum haben die europäischen MTV Awards die Hauptstadt übernommen. Während U2 am Brandenburger Tor spielte und Tokio Hotel fast die Bühne abfackelte, machte der Abend vor allem eines klar: Die Zukunft des Königshauses Pop ist gesichert. Von Sophie Albers

MTV Europe Music Awards, Berlin, O2 World, Katy Perry, Beyonce, U2, Tokio Hotel, Bill Kaulitz

Der König ist tot, es lebe der König: Bill Kaulitz© Tobias Schwarz/Reuters

Stoppt die Druckpressen, und holt die Spähtrupps zurück. Die 16. MTV Europe Music Awards haben vor allem eines bewiesen: Wir müssen uns um das Königreich Pop keine Sorgen machen. Ja, der König ist tot. (Natürlich wurde Michael Jackson auch an diesem Abend mit einer Hommage geehrt. Die war sogar lustig und schön: Leute von der Straße sangen seine Hits.) Doch wer es nicht eh schon geahnt hat, dem sei es noch einmal gesagt: Bill Kaulitz hat sich die Krone geholt. Der Sänger von Tokio Hotel wirkt ebenso mysteriös und androgyn wie König Michael in seinen besten Zeiten. Nur für den Moonwalk muss sich das Pop-Volk jemand anderen suchen.

Und dann dieses verzweifelte Fahnden nach einer Nachfolgerin für Madonna. Dabei ist die neue Königin längst da, eingearbeitet, und sie regiert in prachtvoller Schönheit, wenn auch mit strenger Hand: Beyoncés Auftritt in einer monströsen Pralinenschachtel hat die Katy Perrys und Lady Gagas auf ihre Plätze verwiesen. Das war Pomp, Protz und Pop in Vollendung.

Überhaupt Katy Perry. Trotz Strapsen, Herzchen auf der zur Schau gestellten Unterhose, Bettstiefeln und dem ewig zum O geformten Mund hatte das Sternchen, das den Abend moderieren durfte, ungefähr so viel Sexappeal wie der dicke, lederbejackte Einheizer, der in den alle 20 Minuten die Show zerschneidenden Werbepausen auf die Bühne sprang, um die rund 9000 Zuschauer bei Laune zu halten. Nein, eine Frau ist nicht frech und sexy, nur weil sie die beiden Worte pausenlos wiederholt. Perrys Witze waren langweilig und nervig. Zuweilen wirkte die perfekte Show wie abgewickelt, weil ja uninteressant für den US-Markt.

Beyoncé wollte ihren Preis für die beste Künstlerin gleich an Shakira weitergeben. Sie hatte ja schon zwei. Viele der Stars schienen gar nicht richtig da zu sein. Aber das war wohl auch der kurzen Aufmerksamkeitspanne der TV-Kameras geschuldet.

Kollektive Hysterie bei Tokio Hotel

Zwei Höhepunkte hatte der durchwachsene Abend: den Auftritt von Tokio Hotel und die Live-Schalte zum Gratiskonzert von U2 am Brandenburger Tor.

Das Schöne an Tokio Hotel sind neben der Steigerungsfähigkeit der ehemaligen Schülerband aus Magdeburg die Fans. Als die Jungs kurz vor 22.30 Uhr auf die Bühne kommen, plaudert Katy Perry wichtig mit Pete Wentz, Placebo und Juliette Lewis. Doch das interessiert in der riesigen O2-Arena niemanden. Das Tokio-Hotel-typische Schreien fängt an. MTV Awards? Egal? U2? Egal. Wiedervereinigung? Egal! Schließlich wartet Bill Kaulitz in schwarzem Leder und mit Sonnenbrille auf seinen Einsatz. Als er endlich singen darf und hinter ihm auch noch Flammensäulen aufsteigen, ist der dünne Junge wirklich ein König des Pop. Da fängt sogar das Schlagzeug Feuer.

Die Könige des Rock sind es wiederum, die mal eben die deutsche Geschichte kapern. U2 dürfen, was Barack Obama verwehrt blieb: vor der Kulisse des Brandenburger Tors auftreten. Berlin wird zum Stadion, und das Leuchten von Telefondisplays ersetzt die Feuerzeuge, als die Rock-Veteranen zum Abschluss "Sunday, Bloody Sunday" spielen. Jay-Z ist auch mit dabei und ließ sich von historischer Bedeutungsschwere zum Pathos hinreißen: "Ich freue mich auf die Zeit, wenn alle Mauern fallen und es nur noch um Musik geht". Aber es geht doch nur ums Geld, Dummkopf, möchte man sagen. Lässt man dann aber doch, denn in dieser Blase aus Pop, Opulenz und Wir-Gefühl hat die Realität gerade Pause.

Von Sophie Albers
KOMMENTARE (7 von 7)
 
nordleuchter (07.11.2009, 19:36 Uhr)
Liebe Frau Albers,

dieser Satz " Der Sänger von Tokio Hotel wirkt ebenso mysteriös und androgyn wie König Michael in seinen besten Zeiten." ist nicht nur albern, er ist schon lächerlich.

Ich sage nicht, was ich über Tokio Hotel denke, schließlich sind diese Jungs... äh, auch stets bemüht, aber dieser Vergleich ist ungefähr so, als würde man diesen Artikel von Ihnen mit einem Werk von Hesse vergleichen. Setzen, sechs.

Desweiteren würde ich es durchaus begrüßen, gerade im STERN sachliche Berichte zu lesen und nicht zynische Ironie. Danke.
1valentino (06.11.2009, 13:51 Uhr)
Liebe Frau Albers,
wenn wir schon davon sprechen, wer wen auf welche Plätze verwiesen hat, dann ist spätestens nach dem Film "This is it" auch dem letzten Journalisten klar, das Michael Jackson unerreichbar ist und bleibt. Was der Mann schon bei Proben an Funk in Tanz und Rythmus hinlegt, wird ein Tokio Hotel Sänger niemals zaubern können. Das sind verschiedene Welten. Das standardisierte Hin- und Hergeholpere des Teenieband-Frontboys zeigt, das da nicht mehr viel kommen kann. Es werden noch ein paar Hits für die Kids fremdgeschrieben, irgend jemand produziert die Konserve und bald ist die Maschienerie dann am Ende. Klappe zu - Affe tot und man wird die Boys dann irgendwann in einer Reihe mit solchen fantastischen musikalischen Grössen wie den Spice Girls nennen. Auch wurscht.
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Beyonce macht übrigens Wisch-wasch-R&B und keinen Pop und wenn sie aus noch so vielen Torten hüpft. Und überhaupt, was soll das ganze MTV-Gefasel hier im Stern bzw. hier bei RTL? Das guckt doch eh kein Volljähriger mehr. Sind wir hier bei der Bravo?
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"Das schöne an der Band sind, neben der Steigerungsfähigkeit (?) die Fans"... mann, warum wird man nur noch mit Müll zugeschüttet? Zum Schluss nur eines noch: Bitte liebe Frau Albers, schreiben Sie nichts mehr zu echten Pop-Grössen wie Jackson oder U2. Sie liegen immer falsch! Bleiben Sie lieber bei Beyonce, Lady Gaga und Konsorten, das passt zwar nicht hier in den Stern aber vielleicht ja doch irgendwo anders hin.
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Danke und Grüsse,
dalamar (06.11.2009, 11:40 Uhr)
Die U2 Mauer
Was wollte uns U2 damit sagen, daß sie bei einem Gratiskonzert Sichtblenden aufstellen liessen?
Sollen neue Mauern errichtet werden?
Waren die Dessous von Beyonce "too hot"? Fragen über Fragen..
armatius (06.11.2009, 11:34 Uhr)
Die Moderation...
... war eben typisch amerikanisch. Der Deutsche findet's halt nicht toll, zum 40. Mal auf "Hey Beeeerliiiin, what's up?" auszurasten und sich wie ein Schnitzel zu freuen... ;)

Man hat gesehen, das sie alle recht viel Mühe gegeben haben und das alleine ist einen Applaus wert.
neyzen (06.11.2009, 11:16 Uhr)
Gute...
Musik ist tot,seit dem es internet gibt!
tinkiwinky (06.11.2009, 11:01 Uhr)
Sehr beruhigend ....
... zu wissen, dass auch andere die Moderation nicht gut fanden! Die musikalischen Einlagen waren jedenfalls sehr gut, was bei einer solchen Veranstaltung ja auch der Fall sein sollte.
armatius (06.11.2009, 10:22 Uhr)
@ rynaldo
Ich fands sehr stimmig.

Wenn Sie nicht in der Lage sind, den Text des Liedes Sunday Bloody Sunday zu verstehen, dann halten Sie doch bitte den Rand.

Hierbei geht es um eine Auseinandersetzung vom Osteraufstand von 1916 wie den Blutsonntage 1920 und 1972 in Nordirland. Und deswegen passte dieses Lied sehr wohl zu diesem Tage (Mauer, Menschlichkeit, Friede).

Außerdem hatte U2 sehr wohl einen Titel des aktuellen Albums zuvor gespielt.

Das es immer Leute gibt, die alles madig machen müssen?
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