Nach den ersten Sendungen steht fest: Am Sonntagabend holt Günther Jauch hochkarätige Gäste und beste Quoten. Alles in Butter für den zentralen Polit-Talk? Keineswegs. Eine Zwischenbilanz von Bernd Gäbler

Jauch bleibt Jauch - mit allen Vor- und Nachteilen© Rainer Jensen/DPA
Wer ihn einigermaßen kenne, wisse ja, was und wie er es so mache im Fernsehen. Er werde sich auch nicht ändern. Erst recht werde er das Fernsehen nicht neu erfinden. So trat Günther Jauch vor Sendestart bei einer Pressekonferenz auf. Die stolzen ARD-Oberen, denen es gelungen war, ihn für den besten Sendeplatz im "Ersten" zu verpflichten, gerieten darob schier in Verzückung. Aber er hat Recht behalten: Jauch bleibt Jauch - mit allen Vor- und Nachteilen.
Zunächst: Jauch kann Quote. Mit dem jüngsten Rekordwert von 5,61 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 18,9 Prozent hat er sich tief in die Herzen der ARD-Programmplaner gespielt, Denn was auch immer diese an schönen Worten wagen, von "Bedeutung für die politische Meinungsbildung", "Aufklärung" oder gar "Beitrag zur Demokratie", am Ende zählt auch bei ihnen vor allem die harte Währung der Quote. Da hat Günther Jauch bislang eingelöst, was man sich von ihm versprach.
Ansonsten lautet das "Markenversprechen" für den Talk nach dem "Tatort": Hier wird die aktuelle zentrale politische Kontroverse ausgefochten. Dieses Versprechen vermochte Jauch nicht zu einzulösen. Genau zweimal war seine Sendung politisch bedeutsam: als Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Besuch bei "Günther Jauch" der kritischen Befragung im Format "Farbe bekennen" vorzog (25.9.) und am letzten Wochenende, als er mit der Verfilmung des Spiegel-Interviews mit dem Duo Schmidt/Steinbrück Spitzenquoten holte. In beiden Sendungen war es interessant zuzusehen. Neue Erkenntnisse brachten sie kaum. Und vor allem: Es waren keine Talk-Sendungen, sondern Interviews. Die Protagonisten wurden nicht in ein kontroverses Gespräch gezwungen, Gegenpositionen gab es nicht.