Turbine Potsdam ist Champions-League-Sieger - dass das Finalspiel der Frauen im Fernsehen ausgestrahlt wurde, ist eine Ausnahme. Trotz der anstehenden WM 2011 im eigenen Land berichten die Öffentlichen-Rechtlichen kaum über die stärkste Frauenfußball-Liga der Welt. Von M. Chopra, J. Frech, M. Böhle

Birgit Prinz (Mitte) jubelt mit ihren Mitspielerinnen nach einem Tor - solch Szene sieht man selten im Fernsehen© Marius Becker/DPA
Sie heißen Birgit Prinz, Nadine Angerer oder Inka Grings. Ihre Namen stehen für Erfolg. Nach zwei WM- und fünf EM-Titeln in Folge können die deutschen Frauen nächstes Jahr das schaffen, was den Männern verwehrt blieb: Den WM-Titel im eigenen Land zu gewinnen. Auch die Bundesliga-Vereine überzeugen: Den Europacup gewann in den vergangenen zehn Jahren fünf Mal ein Verein aus Deutschland. Doch im Fernsehen taugt der Vereinsfußball gerade mal für die Reservebank.
Dabei sprechen die Statistiken zum Frauenfußball für sich: Die Zahl der Zuschauer wächst; besuchten in der Saison 2001/2002 nur 35.000 Zuschauer die Spiele der ersten Liga, sind es heute dreimal so viele. Mehr als eine Million DFB-Mitglieder sind weiblich – jährlich werden es rund 20.000 mehr. Fußball ist bei Mädchen inzwischen zur zweitbeliebtesten Sportart aufgestiegen.

Botschafterinnen des deutschen Frauenfußballs: die Nationalspielerinnen Fatmire Bajramaj und Martina Müller© Thomas Eisenhuth/DPA
Dass "Frauenfußball im Kommen ist", hat der ehemalige Sportkoordinator der ARD, Hagen Boßdorf, bereits im WM-Jahr 2003 erkannt. Den Titelgewinn der deutschen Frauen in den USA verfolgten hierzulande schon damals über zehn Millionen Zuschauer. Und das trotz Sendezeit zu später Stunde. Die folgende WM in China bestätigte die guten Quoten. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz sprach anschließend von einer "beeindruckenden Zuschauerzahl" und einer "hohen Akzeptanz, die der Frauenfußball mittlerweile bei den deutschen Fernsehzuschauern gewonnen hat."
Großartige Aussichten also für den Frauenfußball? Mitnichten. Der Spielbetrieb der Bundesliga wird von den Sendern weitgehend ignoriert. Dabei besitzen ARD und ZDF über ihre Agentur SportA die Senderechte. Rechte, die kaum genutzt werden. Der Hessische Rundfunk, dessen Berichterstattung über Frauenfußball nach Aussage von Sportchef Ralf Scholt "einzigartig im Verbund der ARD" ist, sendet im Jahr gerade mal "250 bis 280 Minuten". Fünf Minuten wöchentliche Sendezeit sind damit offenbar der Spitzenwert.
Beim DFB hat man das schon lange erkannt. In einem Interview mit der Frauenfußballseite "fansoccer.de" erklärte Präsident Theo Zwanziger bereits 2005, man müsse versuchen, "dass ZDF und ARD, zunächst vielleicht nur über die dritten Programme, mehr von Frauen-Bundesligaspielen berichten." Doch getan hat sich kaum etwas. Auch in den dritten Programmen ist vom Vereinsfußball nach wie vor wenig zu sehen.
Im Sendegebiet des Westdeutschen Rundfunks spielt mit dem 1. FCR Duisburg der amtierende Sieger der Champions League. Berichtet wird gelegentlich in der Sendung "Sport aktuell", "aber eine feste Rubrik gibt es dafür nicht", so Sprecherin Kristina Bausch. Der NDR berichtet nach eigenen Angaben "immer wieder" über die Bundesligamannschaften vom Hamburger SV und dem VfL Wolfsburg, aber insgesamt sei die Attraktivität und die Akzeptanzerwartung" leider nicht mit der Männer-Bundesliga zu vergleichen, so Sprecher Ralph Coleman.