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23. Januar 2008, 14:58 Uhr

Doppelt widerlich

DJ Tomekk wurde aus der RTL-Dschungelshow geworfen. Der Grund: Ein Video ist aufgetaucht, in dem er den Hitlergruß zeigt. Handelt es sich tatsächlich um den Ausrutscher eines Post-Pubertierenden oder wurde geschickt inszeniert? Ein Kommentar von Peter Luley

Nicht ganz freiwillig verlässt er das Camp: DJ Tomekk© Tom Maelsa/DPA

Nun haben wir also auch noch einen "Nazi-Skandal im Dschungel-Camp", wie die "Bild"-Zeitung heute genüsslich titelt. Nachdem der Rauswurf von DJ Tomekk in der gestrigen Sendung noch eher spannungsfördernd-verrätselt zelebriert wurde - der Rapper müsse gehen, weil es Vorwürfe gegen ihn gebe, auf die er persönlich reagieren müsse, verkündeten die Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow -, ist inzwischen klar, worum es geht: ein Video, in dem der 31-jährige gebürtige Pole mit dem Hitler-Gruß salutiert, "Deutschland, Deutschland über alles" singt und am Ende grinsend "viele Ausländer hier im Haus" sagt.

Längst ist der Clip, der schon am Morgen der Abreise ins Camp in der Empfangshalle des australischen Hotels der Dschungel-Crew aufgenommen wurde, auf der Internet-Seite des Boulevardblatts anzusehen. RTL habe keine Kenntnis von der Existenz des Videos gehabt, sagt Sprecher Konstantin von Stechow, sondern sei von "Bild" damit konfrontiert worden und habe mit dem Rauswurf des Kandidaten umgehend auf die Information reagiert.

Mittlerweile gibt es auch ein vom Sender verbreitetes offizielles Statement des Rappers, in dem er sich für seinen "niveaulosen Humor" entschuldigt: "Hi, hier ist DJ Tomekk, ich bin sehr betroffen von dem Video, das ich gerade gesehen habe. Keinerlei rechtes Gedankengut oder nazistische Ideen trage ich in mir (...). Mein dummes Witz-Gelaber tut mir unendlich leid. (...) Sorry, sorry, sorry!" RTL wiederum gibt sich rigoros: "Diese Art Humor ist nicht akzeptabel im Umfeld der Produktion einer Fernsehsendung. Tomekk ist bereits auf dem Rückweg nach Deutschland", so Sprecher Christian Körner.

Während noch unklar ist, wer das Video aus welchem Antrieb aufgenommen hat und wie es zu "bild.de" gelangte - dort beruft man sich auf "Informantenschutz" und schweigt -, bietet sich trefflicher Nährboden für Spekulationen: Ist der in Berlin lebende Proll-Produzent, der nach eigener Angabe eine schwarze Freundin hat, einfach nur unterbelichtet oder – entgegen seiner Aussage - eben doch ein bisschen braun? Muss er womöglich ins Gefängnis, weil das Zeigen des Hitlergrußes in Deutschland strafbar ist? Und wie wird der Rest der Dschungel-Probanden in der heutigen Show mit der Nachricht umgehen?

Wahrscheinlich ist es letztere Frage, die am ehesten zu einer Antwort auf die vielen geschürten Pseudo-Rätsel führt: Für die Dramaturgie einer Show, in der das Verspeisen von Känguru-Hoden und Kakerlaken-Bäder seit nun fast zwei Wochen zum ansonsten eher ereignislosen Alltag gehören, ist doch ein hübscher Aufreger auf der Zielgeraden ganz förderlich. Und nichts löst in Deutschland bekanntlich so zuverlässig Empörung aus wie missglückte Hitler-Vergleiche oder Nazi-Gesten.

Die auf den ersten Blick RTL-kritische "Bild"-"Enthüllung" wirkt vor diesem Hintergrund lediglich wie eine Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit der beiden Boulevard-Medien. Anreißer wie "Dieses Skandalvideo schockt Deutschland" sind schließlich ganz nach dem Geschmack der Springerpostille - und dürften auch der Quote gut tun. Natürlich ließ es sich "Bild" auch nicht nehmen, sofort den stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, zu der Causa zu befragen (Graumann: "Wer Hitler feiert, muss geächtet werden."). Vielleicht kann man die Story ja noch ein bisschen weiterdrehen?

Schwer zu sagen, was da widerlicher ist: Die offenbar als debiler Scherz gemeinte Geste eines ohnehin bedauernswerten Probanden einer Schadenfreude-Show oder die begleitende PR-Maschinerie, die mit Sex- und Ekel-Bildern das Interesse an dem Spektakel wachhalten muss – und jetzt halt mal einen neuen Schocker aus dem Hut gezaubert hat. Hach, was wird das noch für schöne Tomekk-Interviews geben in den nächsten Tagen! Einziger Lichtblick: Dreimal werden wir noch wach, dann ist der letzte Dschungel-Tag.

Ein Kommentar von Peter Luley
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
herve (25.01.2008, 09:06 Uhr)
Hat es endlich ein Ende?
Na, hoffentlich für immer!
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