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16. Mai 2009, 06:25 Uhr

Hart, härter, Heidi

Heidi Klum, Topmodel, Supermodel, Geschäftsmodel, Sexsymbol

Die Jury von "Germany's next Topmodel": Rolf Scheider (l.), Heidi, Peyman Amin© Ethan Miller/Getty Images

Dabei hat sie sich gar nicht verändert, die Heidi. Sie spricht noch immer wie eine süße kleine Badeente, kichert wie ein Schulmädchen, ist für jeden dummen Scherz zu haben. Sie sei nun in einem Alter, sagte die 35-Jährige neulich, da planten andere bereits erste Schönheits-OPs. Sie aber - mit diesem unkontrollierbaren Kreiselkopf - habe sich eine Hautpflegeserie ausgedacht, die Falten einfach wegbügelt. Schwupp, saß sie bei der amerikanischen Talkmasterin Ellen DeGeneres auf dem Sofa und pries ihre Produkte. Die Moderatorin wollte die Sache nicht so ganz ernst nehmen und leckte probehalber an der Creme. Und Heidi, nie einem Gag abgeneigt, lutschte munter an der Tube - "und ich hab mir das Zeug immer ins Gesicht geschmiert, hm, lecker!"

Die Kunst der Selbstironie

Heidi ist nicht prüde, sie scherzt gern über ihre Brüste "Hans" und "Franz", und zu ihrem Konterfei auf einer Sonderbriefmarke sagt sie: "Es macht mir nichts aus, geleckt zu werden." Die Late-Night-Talker reißen sich um sie, weil sie die schon halb schlafende Nation aufscheucht mit ihren Miniröcken und ihrem Mädchengelächter und Trampolingehüpfe und drolligen Bekenntnissen wie jenem, dass sie gern in Hausfrauenkatalogen bestellt, zum Beispiel "Stangen zum Glühbirnenauswechseln". Die Marktlücke, die sie einst selbst geschaffen hat, füllt sie weiterhin allein aus: der Star, der über sich selbst lachen kann. Die Schicke, die keine Zicke ist.

Flirten gehört zum Image. Heidi schäkert mit allen, mit Jay Leno wie mit der lesbischen Ellen DeGeneres, mit Technikern am Set von Werbe-Drehs und mit Studiobossen, die mit ihr über Millionengagen verhandeln. Wenn sie in Verhandlungen mit all diesen Männern gehe, erzählt sie augenzwinkernd, wisse sie schon sehr genau, dass sie manches nur erreicht, weil sie eine Frau ist. Ihr Sex-Appeal ist dabei eher niedlich als beängstigend, sie ist mehr Kätzchen als männermordende Tigerin. Bezeichnend, dass hierzulande mehr Frauen als Männer Heidi "sehr sexy" finden, so ein Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Die Werbe-Fachfrau Karen Heumann: "Heidi bietet für deutsche Frauen eine riesige Projektionsfläche. Sie ist nicht so außergewöhnlich schön und unerreichbar wie Claudia Schiffer. Wie sie auszusehen traut sich auch die Durchschnittsdeutsche zu."

Klingt nicht unbedingt schmeichelhaft für ein "Topmodel", beschreibt aber genau die Marke Klum: nicht lasziv und geheimnisvoll, sondern sauber und glänzend wie ein frisch geputzter Küchenfußboden. So gesehen haben die beiden Affären, mit denen Heidi nach ihrer Scheidung von einem New Yorker Friseur 2003 von sich reden machte, ihr eher genützt als geschadet: Die Liebelei mit dem Rockmusiker Anthony Kiedis und die folgenreiche Liaison mit dem älteren italienischen Playboy Flavio Briatore hievten sie nicht nur von den Mode- auf die Gesellschaftsseiten der Illustrierten, sie verliehen ihr - im Scheitern - auch eine gewisse Tiefe, wovon Models gar nicht genug gebrauchen können.

Nützliche Liaison

Am Tag, da sie ihre Schwangerschaft bekannt gab, wurde der graubrüstige, mutmaßliche Vater in spe mit einer anderen erwischt. Worauf sich das bis dato belanglose Privatleben der Heidi Klum erst ins Dramatische, dann ins Romantische wendete: Die gedemütigte junge Mutter traf den Soulsänger Seal, der Blitz schlug ein, und Seal verschrieb sich von Stund an seiner kleinen Instant-Familie. Heidi flocht ihn behende ein ins Klum-Imperium, er komponiert Musik zu ihren Laufstegläufen, tritt in ihren Werbespots auf, aber mehr noch, er macht aus ihr eine superglückliche Heidi, die immer noch mehr Einfälle hat, wenn sie ihn in der Nähe weiß. Am 10. Mai wird mit großer Party im mexikanischen Feriendomizil der fünfte Hochzeitstag gefeiert, im Herbst die Geburt eines vierten Klümchens. Ein Happy End nach Hollywood-Art: Sie gibt ihm Sex-Appeal, er gibt ihr Klasse.

Sie ist fester Bestandteil der Entertainment-Welt, tritt bei Galas auf, verteilt Preise, wurde selbst schon für die renommierteste US-Fernsehauszeichnung nominiert, den "Emmy". Und zwar zu Recht. In ihrer amerikanischen Castingshow für Designer "Project Runway" ist sie, was sie in Deutschland nicht sein kann oder soll: eine kompetente Moderatorin, ruhig, charmant, ohne jede Häme. Wenn sie den jeweiligen Verlierer der Woche verabschiedet, gibt es ein Luftküsschen und ein auf Deutsch geflötetes "Auf Wiedersehen!", was längst Kult geworden ist. Vielleicht ist Heidi in Amerika ja so mild, weil sie nicht die eigenen Nachfolgerinnen, sondern "nur" Jung-Designer bewerten muss.

Heidi Klum, Topmodel, Supermodel, Geschäftsmodel, Sexsymbol

Von Ehemann Seal erwartet Heidi Klum ihr viertes Kind© Axel Schmidt/DDP

Zu ihren Nachbarn in den Bergen von Beverly Hills zählen die Stallones und die Cruises und die Beckhams. Geht sie zu Dreharbeiten, kommt ihr deutscher Fahrer mit, ein blonder Hüne, der als Bodyguard fungiert und ihr aufdringliche Bewunderer vom Leib hält. Kein Zweifel: Drüben ist Heidi ein Star. Weil sie so nett deutsch ist. Hier wird sie angemacht. Weil sie so verdammt amerikanisch tut. Laut Forsa kennen sie 96 Prozent der Deutschen, das ist mehr, als die meisten Bundesminister vorweisen können. Satte 85 Prozent sind überzeugt, sie sei eine "clevere Geschäftsfrau". Aber die haben es schwer hierzulande: Nur 61 Prozent finden Heidi Klum sympathisch, "alles in allem".

"Talentlose deutsche Wurst"

Der Modelagent John Casablancas, der seinen Schützling eine "talentlose deutsche Wurst" nannte, als Heidi seine Agentur Elite verließ und zum Konkurrenten IMG wechselte, hatte einst bemerkt: "Hinter ihrem Lachen, ihrer blonden Art schlägt das Herz eines Hais." Haie müssen bekanntlich immer schwimmen, kommen nie zur Ruhe.

"Ich kenne sie nur busy", sagt Karin Sistig über ihre beste Freundin aus Kindertagen. "Als ich sie in Los Angeles besucht habe, ist sie immer sehr früh aufgestanden und hat gearbeitet." Die Cutterin und Hobby-Fotografin hatte der berühmten Tochter Bergisch Gladbachs zur Teilnahme an einem Model-Wettbewerb geraten. Sie war dabei, als Heidi in einer Show von Thomas Gottschalk das "Model '92" wurde. Der Gewinn: 300.000 Dollar und ein Vertrag bei einer amerikanischen Modelagentur. "Da hatte sie Blut geleckt. Sie wollte mehr. Sie hat es in Hamburg versucht, es lief nicht so. Dann zog sie mit 20 nach New York in eine Model-WG. Sie ging von Casting zu Casting, klapperte alle Fotografen ab, es war ein harter Weg."

Heidis Erfolgsrezept? "Sie hat die Diplomatie von der Mutter und vom Vater den Geschäftssinn", sagt Karin Sistig. Das Heitere und das Scharfe, vereint im Model-Leib. Heidi Klums Zauber liegt in der überraschenden Union solcher Gegensätze: Spielend verbindet sie Beverly Hills und Bergisch Gladbach, Kaviar und Krautsuppe, den Duft der großen weiten Welt und Drei-Wetter-Taft.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 20/2009

 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
OskarRumpel (18.05.2009, 16:42 Uhr)
@Frank bleib in Genf
Natürlich kann man den Ausschaltknopf auf der Fernbedienung betätigen - aber darum geht es nicht. sie haben offensichtlich nicht verstanden, weshalb die meisten Leute Heidi kritisieren: sie steht für eine verlogene und harte Casting-Sparte im Fernsehen, die INSGESAMT die Maßstäbe in der Gesellschaft zum schlechteren verschiebt.
Kein Mensch hier hat persönlich was gegen Heidi, da wir sie nicht kennen. Und niemand spricht ihr ihre Erfolge (nunja auch relativ) ab, für Durchschnitt hat sie es WIRKLICH seeeeehr weit gebracht - da stimme ich Ihnen nämlich auch zu: Denn sie wollten ja, dass dieser Umstand mehr berücksichtigt wird; ich meine die Erfolge.
Frank_aus_Genf (18.05.2009, 13:25 Uhr)
@alle
Schon unglaublich, wie "hässlich Frau Klum als Model ist. Ich stimme Ihnen zu: um mehrfach Covergirl auf der amerikanischen SPORTS ILLUSTRATED zu sein oder mit 34 bei Victoria's secret im Bikini über den Laufsteg zu huschen, muss man keine gute Figur haben und schafft dies - in der Regel - auch, wie der selbsternannte Modegott W. Joop sagte, auch mit einem "viel zu massiven Körper oder, wie ein Leser hier schreibt, mit dicken Beinen. In der aktuellen Juni-Ausgabe der deutschen Vogue wurde daher wahrscheinlich auch ein Double genommen....
Lang lebe die Anorexie!
Und was den Nerv-Faktor von Frau Klum als omnipräsentes Exempel des deutschen Kulturverfalls betrifft, so frage ich Sie alle:
haben sie eigentlich schon den "off"-Knopf an Ihrer Fernbedienung entdeckt? Flüchten Sie sich doch bitte in die Sicherheit eines Buches und sie werden von "uns Heidi" nie wieder etwas hören! So kultiviert wie Sie sich ALLE hier aufführen, müsste Ihnen doch ausser Fernsehen noch eine andere Freizeitbeschäftigung einfallen, oder etwa nicht? Und wenn nicht, dann haben sie noch ARTE, 3SAT und die ganz polyglotten unter Ihnen noch tausende von Kanälen in anderen Sprachen. Sie tun hier so, als gäbe es in dieser Republik nur ein zentrales Programm, das man verpflichtet ist sich anzusehen. Die Macht über die Entwicklung der bundesdeutschen Kulturlandschaft liegt bei Ihnen allen, werte Herrschaften. Allerdings werden sie als passive Dauerkonsumenten den Klums, Bohlens und Feldbuschs nichts entgegensetzen, sondern die Nachfrage nach der von allen hier so angeprangerten Kulturlosigkeit durch hohe Einschaltquoten bestätigen. Dem STERN daraus einen Strick zu drehen, ist ebenso dumm. Er kann schliesslich nur über das berichten, was stattfindet.
Aber immer schön über die anderen schimpfen....
OskarRumpel (17.05.2009, 15:11 Uhr)
Nicht mehr lange
und diese talentfreie Nervensäge ist hoffentlich weg vom Fenster. Und ein Glück sie trägt auch aktiv dazu bei; eine vierte Schwangerschaft und hoffentlich fallende Quoten werden uns von diesem Nichtsnutz befreien. Allerdings muss ich zugeben, dass es mich jedesmal aufs Neue erstaunt wie diese Typen (Heidi Klum, Verona Wasauchimmer) so viel Profit aus ihrem Nichtskönnen schlagen. Naja, offensichtlich verkauft sich Dummheit genauso wie Sex - oder beides zusammen.
hellwachabsolut (17.05.2009, 12:09 Uhr)
Nun ist jetzt richtig .
Heidi Kulm ist ein Hinweis auf kulturellen Verfall in diesem Land.
Die Volksverdummung nimmt leider in Deutschland zu und Heidi Klum symbolisiert diesen Trend.
hellwachabsolut (17.05.2009, 12:07 Uhr)
Heidi Kulm ein zeichen für......
Heidi Kulm ist ein Hinweis auf kulturellen Verfall in diesem Land.
Die Volksverdummung nimmt leider in Deutschland und Heidi Klum symbolisiert diesen Trend.
teresila (17.05.2009, 11:38 Uhr)
Widerlich
einfach nur widerlich !
Clemens1964 (16.05.2009, 22:00 Uhr)
ich kann die einfach
nicht mehr sehen.
Chris24 (16.05.2009, 20:12 Uhr)
Und tschüss!
Die Frau nervt ohne Ende, hat eine schreckliche Stimme und führt unscheinbare Mädchen vor, von denen sie ganz genau weiß, dass sie nie Erfolg haben werden. Klum passt in keine Laufstegmode, erzählt aber anderen sie seien zu dick. Sie passt höchstens in 38 rein und ohne gutes Licht sieht sie nach nichts aus. Dürre Lippen, Falten, eine spitze Nase, nicht besonders lange und schanke Beine würde ich nicht als schön bezeichnen. Sie versucht seit einiger Zeit mit peinlichen Dingen in die Schlagzeilen zu kommen. BH-Werbung als Durchgek.., das mit dem Kleiderschrank etc. Es reicht langsam, die Stimme ist schriller als die von Pooth. Die beiden haben viel gemein..
Louyi (16.05.2009, 19:18 Uhr)
Diesem Medienomnipotente Supertalent
ist einfach die Schei.... bergauf gelaufen.
Ihr wichtigstes Date im Leben war sicher -zum richtigen Zeitpunkt, mit dem richtigen Produkt (Gesicht) auf dem richtigen Werbe Sofa (von Gottschalk). Dieses Sofa hat bis heute zu 100% die gleiche Funktion und Wirkung dass sich die Rädchen richtig drehen. Spätestens ab dem Zeitpunkt hält sie sich als Promi für den Nabel der Welt.In der Foto/Model Branche sogar des ganzen Universums. Dieses Genre ist einfach durchgeknallt - nur noch in etwa mit div. Star -Fussballern vergleichbar.
Die Klum als dauergrinsendes, gutgelauntes Übertalent meint aber sie kommt damit besonders positiv rüber, strapaziert damit andere ohne es zu merken aber so sehr, dass sie einfach unerträglich wird.(Pendant zu Verona Pooth) Man kann diese "Super- Frau" trotz ihrer dabei für/mit jeden/m Schei..verdienten vielen Kohle
einfach nicht ernst nehmen.
Aber Deutschland braucht scheinbar diese Art von kostspieligen Trash.
iniparis (16.05.2009, 16:46 Uhr)
Zum Thema Neid
Ich lebe von Beruf her zwischen Frankreich, Deutschland und Spanien, und weder in Frankreich noch in Spanien wird so ein Niedrig-Niveau-Kult wie in Deutschland und Großbritannien betrieben. Klar gibt es auch da die Yellow Press, aber in diesen Ländern werden Künstler mit WAHREN Talenten verehrt. Es nervt mich einfach, mitanzusehen, dass in Deutschland seit vielen Jahren nur hohle Nüsse wie die Klum (ich rede von ihrem IMAGE, sicher ist sie selber nicht dumm), super vulgäre Prolls wie Dieter Bohlen und sonstige fragwürdige Talente als deutsches "Kulturgut" werden. So eine Entwicklung kann ja wohl nicht gut sein, und ich finde allerdings, dass die Medien eine wichtige Rolle dabei spielen, auch und besonders bei Berichten zum Thema Lifestyle, denn da sind Themen, die die Massen ansprechen.
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