Präsidentengattin - das klingt nach ondulierten Locken und Damenprogramm. Schauen wir nach Paris: Dort gibt es nun eine First Lady, die Glamour, Sex und Kultur in den Élysée-Palast bringt. Carla Bruni macht ihren Mann Nicolas Sarkozy zum Nebendarsteller einer präsidialen Soap-Opera. Von Stefanie Rosenkranz

Carla Bruni, 40, fotografiert im März bei einem Festessen in London© AFP PHOTO
So ist das, wenn man First Lady ist. Manchmal muss man stundenlang gebannt auf marschierende Soldaten und rollende Panzer starren, als wär's ein Defilee von Prada, und nebenbei so tun, als fände man den syrischen Diktator Baschar Assad ganz besonders reizend. Anlässlich des französischen Nationalfeiertags am Montag, als neben Assad noch über ein Dutzend weitere mediterrane Staatschefs in Paris weilten, um ihrem Mann nach der Gründung der Mittelmeer- Union am Tag zuvor die Ehre zu geben, meisterte Carla Bruni diese nicht ganz einfache Prüfung mit dem diskreten Charme der Großbourgeoisie. Dafür durfte sie zehn Tage zuvor jene Frau umarmen, über die alle Welt spricht. Ergriffen herzte sie die aus sechsjähriger Geiselhaft befreite Ingrid Betancourt bei deren Ankunft in Frankreich und wischte sich vor der Weltöffentlichkeit eine Träne aus dem fein geschnittenen Gesicht.
Man trifft eben massenhaft berühmte Leute als Frau des französischen Präsidenten. Manche, wie etwa das afghanische Staatsoberhaupt Hamid Karzai, tragen lustige Teppiche und erzählen einem, wie schlecht der eigene Geheimdienst sei; "glücklicherweise sind die Terroristen noch viel schlechter". Andere, wie etwa George Bush, tragen langweilige Anzüge und sprechen über ihre Sucht. "Ich war Alkoholiker und musste mit einem Schlag aufhören. Sonst wäre ich gestorben - und schlimmer noch: Meine Frau hätte mich verlassen."
Wohlerzogen lässt Frau Bruni-Sarkozy derlei über sich ergehen. Damit hatte man gerechnet, schließlich stammt sie aus guter Familie und konversierte schon als Kind mit Maria Callas oder Herbert von Karajan. Doch dass ihr neuerdings mühelos Plattitüden über die Lippen kommen, nimmt schon wunder. Die Queen? Die sei "eine wunderbare Frau". Prinz Charles? "Kennt jeden Stein des Schlosses Windsor." Ihre Begegnung mit Nelson Mandela? "Einer der bewegendsten Momente meines Lebens." Die Welt? "Voller Leid." Die Politik? "Voller existenzieller Fragen." Ihr Mann? "Wahnsinn, wie er arbeitet." Sie selbst? "Ich möchte Unwissenheit, Armut und Ungerechtigkeit bekämpfen." Mon dieu, Carla!
Seit la Bruni, einstiges Topmodel und gefeierte Sängerin, am 2. Februar den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ehelichte, gibt die 40-Jährige manchmal erstaunlich doofe Dinge von sich. Derlei war man von der steinreichen Mit-Erbin eines Turiner Reifenkonzerns nicht gewohnt. Es ist gerade ein Jahr her, da raunte sie mit ihrer rauchigen Stimme ganz anderes in die Mikrofone der Journalisten: "Ich bin von Zeit zu Zeit monogam, aber ich ziehe die Polygamie vor. Die Liebe dauert lange, aber die brennende Lust nur zwei bis drei Wochen." Oder auch: "Sehr angenehm, der Sex. Es ist einer der Vorteile des Älterwerdens: Er wird besser. Sinnlichkeit und Begierde nehmen zu." Und dies: "Das Paradies, das wären ein französischer Koch, ein britischer Polizist, ein deutscher Manager und ein italienischer Liebhaber. Die Hölle, das sind ein britischer Koch, ein deutscher Polizist, ein italienischer Manager und ein französischer Liebhaber."
Vor Sarkozy hatte die schöne Carla neben allerlei angelsächsischen sowie amerikanischen Gefährten - darunter Eric Clapton, Mick Jagger, Kevin Costner und Donald Trump - auch zahlreiche "french lovers"; mithin wusste sie, worüber sie urteilte. Es kamen und gingen unter anderen der einstige sozialistische Premierminister Laurent Fabius und der Ex-Kulturminister Luc Ferry sowie der Anwalt Arno Klarsfeld, Sohn der Nazi-Jäger Beate und Serge.
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Ausgabe 30/2008