Dieter Bohlens Äußerungen über Arbeitslose bei "Wetten dass...?" haben Empörung ausgelöst. Am Donnerstag zogen Demonstranten vor Bohlens Wohnhaus in Tötensen.

Demonstranten vor Bohlens Haus in Tötensen© Reuters
Eine kleine Gruppe Arbeitsloser hat am Donnerstag vor dem Wohnhaus von Dieter Bohlen gegen die Diffamierung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern demonstriert. Während Bohlen sein Buch "Hinter den Kulissen" bei der Frankfurter Buchmesse vorstellte, forderten die Demonstranten in Tötensen bei Hamburg auf ihren Transparenten: "Schluss mit der Hetze gegen Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger".
Die Hamburger Gruppe "Mehr Mut gegen Oben - Initiative gegen soziale Ausgrenzung" hatte zu der Demo aufgerufen, um damit gegen Bohlens Äußerungen in der Fernsehsendung "Wetten, dass..?" zu protestieren. Bohlen war in Thomas Gottschalks Show ausgebuht worden für seine Bemerkung: "Natürlich verdiene ich unheimlich gerne Geld, und ich hoffe, dass das jeder in Deutschland tut, dann haben wir nämlich keine Sorgen mehr, dann haben wir keine Arbeitslosen mehr und ’ne super Finanzsituation."
"Das war in unseren Augen typisch Bohlen: intelligenzlos daher geplappertes, dummes Zeug. Er sollte in der Öffentlichkeit lieber schweigen", sagte Jörn Schäller von der Arbeitslosen-Initiative am Donnerstag. Als "Einkommensmillionär" habe Bohlen noch nie am sozialen Rand gestanden. "Da sollte er sich mit diffamierenden Äußerungen zurückhalten", meinte Schäller. "Was Dieter Bohlen macht, ist unserer Ansicht nach keine wirkliche Arbeit."
An diesem Freitag wird beim Hamburger Landgericht über Widersprüche gegen die erlassenen Einstweiligen Verfügungen verhandelt, mit denen die Auslieferung des neuen Bohlen-Buchs in der vergangenen Woche gestoppt wurde. Prominente wie "Tagesschau"- Sprecherin Eva Herman, ihr Kollege Jens Riewa sowie Jenny Elvers- Elbertzhagen sehen ihre Persönlichkeitsrechte durch unwahre Tatsachenbehauptungen verletzt. Da diese nicht weiter verbreitet werden durften, hat der Verlag Random House auf der Buchmesse in den präsentierten Exemplaren entsprechende Textpassagen schwarz gefärbt.
Dort sorgte der mittlerweile "Pop-Titan" genannte Dieter Bohlen für die einzige Buchvorstellung ohne Buch: Statt seiner neuen Biografie der Musikproduzent Wackel-Dieter für Hunderte von Journalisten mit - Fans und Autogramm-Jäger waren nicht zugelassen. "Von Elvis gab's das ja auch schon und ich wollte nicht warten, bis ich tot bin", so Bohlen. Die erste Attacke von Bohlen richtete sich dann erwartungsgemäß gegen Thomas Anders: Unter seinem schwarzen Anzug trug er ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift: "Gitarrist von Thomas Anders". Seine Co-Autorin, die ehemalige "Bild"-Klatschkolumnistin Katja Kessler, trug den Slogan "Schreiberin vom Gitarristen von Thomas Anders" auf der Brust. Und so ging es weiter "Freund vom...", "Fahrer vom...", "Bodyguard vom...". Selbst Klaus Eck, Chef-Verleger von Random-House, hatte über Hemd und Krawatte ein T-Shirt gezogen "Verleger vom Gitarristen von Thomas Anders". In der Schlammschlacht zwischen Bohlen und Anders hatte dieser gesagt, dass Bohlen vor allem der Gitarrist des Pop-Duos Modern-Talking gewesen sei.
Bohlen verliert an Beliebtheit Dieter Bohlen hat mit seinem neuen Buch voller Beleidigungen und den Ausfällen gegen Arbeitslose im Fernsehen schwer an Beliebtheit verloren: In einer Umfrage gaben 58 Prozent der Teilnehmer an, der 49-Jährige habe bei ihnen in den letzten Tagen an Sympathie verloren. 22 Prozent erklärten in der Studie im Auftrag der Hamburger „Bildwoche“ vom Donnerstag, nichts habe sich an ihrer Einschätzung verändert, elf Prozent sagten, er habe an Beliebtheit gewonnen.