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4. Juni 2008, 08:14 Uhr

Ausziehen, alle ausziehen!

Diesmal waren die Männer dran: In der vorletzten Folge von "Germany's Next Topmodel" mussten sich 40 Jungs der Jury stellen, die aus den drei Finalistinnen bestand. Ex-Kandidatin Gina-Lisa nahm hinter den Kulissen die Badehosen in Augenschein. Und schnappte sich gleich einen der Kandidaten. Von Jens Maier

Freuen sich über den Einzug ins Finale: Christina (l.) und Jennifer© Oliver S./ProSieben

Heidi Klum scheint Angst vorm ZDF zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass ProSieben in dieser Woche gleich zwei Folgen von "Germany's Next Topmodel" ausstrahlt. Statt wie gewohnt am Donnerstag, gab's schon gestern die 15. Folge der Model-Castingshow zu sehen, ehe dann morgen das Finale auf Sendung geht. Aber warum bereitet Quotenqueen Heidi Klum ein Sender Sorgen, der sonst regelmäßig die Duelle um Zuschauer mit ihr verliert?

Die direkte ZDF-Konkurrenz am angestammten Sendeplatz kann nicht der Grund sein. Die Krimiserie "Notruf Hafenkante" - ein Abklatsch von "Großstadtrevier" - die donnerstags ab 19.25 Uhr läuft, versetzt höchstens Rentner mit hohem Blutdruck in Spannung. Auch nicht die neue Sommervertretung von Johannes B. Kerner: der von RTL gewechselte Moderator Markus Lanz. Der wirkt mit seinem Lausbubencharme und dem Zahnweiß-Grinsen eher wie Valium. Nein, Heidi Klum scheut das Duell mit einem wirklich Großen im Fernsehgeschäft: König Fußball.

Elf behaarte Kerle gegen drei schöne Frauen

Wäre es beim gewohnten Sendetermin am Donnerstag geblieben, hätte "Germany's Next Topmodel" in der nächsten Woche gegen die deutsche Nationalelf antreten müssen. Das Spiel Deutschland gegen Kroatien wird am 12. Juni um 18 Uhr angepfiffen und ist live im ZDF zu sehen. Elf behaarte Kerle gegen drei schöne Frauen - das klingt eigentlich nach einem klaren Sieger. Aber selbst wenn alle Finalistinnen sich nackig machen würden, dieses Quotenduell gegen die Kicker wäre für Heidi Klum nicht zu gewinnen.

Da war es die bessere Wahl, mit "Germany's Next Topmodel" auf den Dienstag auszuweichen. Im Mittelpunkt standen dieses Mal nicht die Mädels, sondern Kerle. Juror Peyman Amin hat richtig erkannt, dass die EM kurz bevorstehe. Deshalb mussten sich mehrere männliche Models im Fußball-Trikot präsentieren. Dass sie dann auch noch in Badehose auf den Laufsteg geschickt wurden, war offenbar keinem Sportereignis geschuldet. Die nächste Schwimm-EM kommt bestimmt, doch die muskulösen Oberkörper und Waschbrettbäuche dienten der Fleischbeschau von Jury und weiblichen Zuschauern.

Bloß nicht für die falschen Männer entscheiden

Damit das Ganze auch noch einen Sinn bekam, wurde daraus ein Casting. 4817 Männer hatten sich beworben, um die Chance zu kriegen, auf dem Männerkalender der Frauenzeitschrift "Cosmopolitan" verewigt zu werden. 40 wurden eingeladen, am Casting in München teilzunehmen. Dort hatten die Topmodel-Finalistinnen die Aufgabe, zusammen mit Juror Peyman Amin und "Cosmopolitan"-Chefredakteurin Petra Gessulat, vier Jungs auszuwählen, die zum Fotoshooting durften. Das Jahr hat zwar zwölf Monate, doch offenbar wollte man in der Redaktion der Frauenzeitschrift bei acht Monaten kein Risiko eingehen, dass sich die Model-Anwärterinnen für die falschen Männer entscheiden.

Ins Finale von "Germany's Next Topmodel" haben's nämlich drei Kandidatinnen geschafft. Christina, Jennifer und Janina. Die waren am Dienstag das, was Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier am 12. Juni vor dem EM-Spiel im ZDF sind: das Vorspiel. Denn zu Beginn der Männer-Model-Folge wurde das Juryergebnis von letzter Woche nachgereicht. Heidi hatte für die fünf verbliebenen Kandidatinnen nur drei Fotos. Mit viel Drama - Ex-Juror Bruce Darnell hätte seine wahre Freude dran gehabt - verkündete das deutsche Topmodel 15 Minuten lang das Ergebnis: Wanda und Carolin mussten nach Hause fahren.

Als Belohnung für ihre Finalteilnahme durften Christina, Jennifer und Janina den Spieß umdrehen und selbst Juror spielen. Frei nach dem Motto "Ausziehen, alle ausziehen" stellten sie einen nach dem anderen der männlichen Kalender-Bewerber auf die Probe: Maik musste ein Kettensägenmassaker nachspielen, Fabian ein Ei balancieren, Moritz vormachen, wie er Janina anmachen würde und Florian vorsingen. Klingt alles wenig spannend - und das war es auch nicht. Doch zum Glück waren die Kandidaten die meiste Zeit halbnackt oder so peinlich, dass man sich wenigstens fremdschämen konnte.

Ständiges Jucken unter der Badehose

Beispiele gefällig? Erlem dürfte bei der Frage nach seinem Beruf zumindest bei Loriot-Fans Lachkrämpfe ausgelöst haben: Er arbeitet in einer Modeboutique in Wuppertal. Moritz sollte dringend einen Hautarzt aufsuchen: Bei ihm juckte es ständig unter der Badehose. Marc posierte mit Klobürste und im Damenkleid und Mathias scheint das Fußball-Thema zu ernst genommen zu haben. Jennifer zu ihm: "Mathias, zum Fotoshooting fehlt jetzt eigentlich nur noch Oliver." Er: "Oliver Kahn kommt?" Sie: "Nein, Oliver, der Fotograf."

Bei so viel geballtem Männerverstand brauchten Christina, Jennifer und Janina bei ihrer Wahl dringend Unterstützung. Und die bekamen sie von Sara und Gina-Lisa. Die beiden bereits ausgeschiedenen Topmodel-Kandidatinnen fühlten den Jungs backstage auf den Zahn. Oder schauten - wie im Fall von Jörg - frech unter den Schottenrock. Mit ihrer kodderigen Schnauze erkannte Gina-Lisa sofort: "Da sin' wat lecker Schnittchen dabei." Geschafft haben es schließlich Maik, David, Jojo und Florian. Von letzterem, einem 22-Jährigem Muskelpaket aus Pfaffenhofen mit bayerischem Akzent, hat sich Gina-Lisa denn auch gleich zum Essen einladen lassen.

Bei so viel Flirt-Talent sollte der Sender über eine eigene Dating-Show mit ihr nachdenken. Verdient hätte sie sich das. Ihrer unverkrampften und direkt Art ist es nämlich zu verdanken, dass die Abwesenheit von einer mal gar nicht bemerkt wurde: Heidi Klum. Am Anfang der Sendung, bei der Entscheidung über die Finalteilnehmerinnen, die in Los Angeles gedreht wurde, war sie noch zu sehen, beim Männer-Casting in München ließ sie sich kein einziges Mal blicken.

Mit Angst vorm ZDF kann ihre Abwesenheit diesmal nichts zu tun gehabt haben. Selbst eine Sendung wo Heidi Klum draufsteht, aber nur Gina-Lisa drin ist, schafft am Dienstagabend das Quotenduell gegen "Chinas Schätze" und "Frontal 21". Vielleicht probiert es ProSieben ja mal mit Gina-Lisa dem Fußball ein paar Marktanteile abzuluchsen. Schlimmer als die Kommentare von Johannes B. Kerner im ZDF kann es schließlich nicht werden.

Von Jens Maier
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
bob-der-meister (04.06.2008, 17:07 Uhr)
nebensächlich
"im übrigen könnte ich mir vorstellen dass die hier vertretenden poster gar nicht in der kalkulierten zielgruppe enthalten sind. aber das ist sicherlich völlig nebensächlich"
>> eben!
ich lasse mich auch gar nicht gern von irgendwem als Zielgruppe einkalkulieren, schon gar nicht von Pro7 und bilde mir trotzdem eine Meinung!
sportartmakler (04.06.2008, 15:08 Uhr)
alle ausgekotzt?
so mancher hat wirklich ein dringendes mitteilungsbedürfnis kombiniert mit viel zeit, anders sind solche beiträge nicht zu verstehen.
im übrigen könnte ich mir vorstellen dass die hier vertretenden poster gar nicht in der kalkulierten zielgruppe enthalten sind. aber das ist sicherlich völlig nebensächlich
jochen80 (04.06.2008, 14:09 Uhr)
nicht heulen.....
....einfach nicht gucken.
aber dafür seid ihr wohl zu intelektuell!
bob-der-meister (04.06.2008, 12:01 Uhr)
Heidi in den Urwald! Aber schnell
Wann wird eigentlich Heidi Klum endlich ins Dschungelcamp geschickt, wo sie hingehört? Der Verblödungsfaktor ihrer Sendung ist nur noch durch selbiges zu toppen.
hevosenkuva (04.06.2008, 11:47 Uhr)
Alle wieder anziehen!
stern scheint Angst vor der Bunten zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass stern.de uns mal wieder mit einer überflüssigen "Analyse" einer obsoleten TV-Show beglückt.
MisterBrezeldent (04.06.2008, 11:06 Uhr)
Liebe "stern"-Redaktion
Merken Sie denn nicht langsam auch, dass sich mit dem Faktor "Aufmerksamkeit" die unwerten Dinge nur um so hartnäckiger halten. Himmel... nun nehmen Sie doch endlich Vernunft an, und stellen die Berichterstattung über diese Hämorrhoiden der Gesellschaft ein. Es verhält sich im Grunde genommen gleichermassen wie im sog. "Kampf gegen den Terrorismus. Je mehr Öffentlichkeit für Tat und Gegentat geschaffen wird, um so mehr entwickeln sich die Aktivitäten in dieser Richtung. Lassen Sie es also gut sein, und nehmen Sie Abstand von der Hofberichterstattung, selbst wenn Sie diese mit pseudokritischen Einschüben im Textlein garnieren. Vergessen Sie´s einfach, ja?
Xennia (04.06.2008, 10:50 Uhr)
kalter Merkantilismus
Sich halbnackt präsentieren, dümmlich beim Photoshooting grinsen, den eignen Körper öffentlich vermarkten. Das ist nicht lustig, sondern eine kalte merkantile Welt, die von einer durchgeknallten egomanischen Dompteuse dressiert wird. Einfach widerlich und krankhaft!
Dav32 (04.06.2008, 09:39 Uhr)
So ein Oberschrott
Eigentlich ist dieser Mist nicht mal ein Kommentar wert, geschweige denn ein Artikel...
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