Harrys nackter Hintern entfacht Debatte über britische Medien

24. August 2012, 15:43 Uhr

Die vornehme Zurückhaltung hat ein Ende: Am Freitag druckt die "Sun" als erste britische Zeitung die Nacktfotos von Prinz Harry - und stößt damit eine neue Debatte über Promis und Medien an.

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Zumindest nicht "full frontal nudity": Es war am Freitag nicht leicht in Großbritannien, dem Anblick von Harrys nacktem Hinterteil zu entgehen©

Mit Prinz Harry hat wieder einmal ein Mitglied der britischen Royals kräftig daneben gelangt. Jahrelang haben die Windsors nach den Affären der 1990er Jahre mit viel Aufwand ihr Saubermann-Image wieder hergestellt. Niemand im Palast wird nun darüber glücklich sein, dass die Nacktfotos des Queen-Enkels zu einem neuen Aufhänger für die Diskussion um Presseethik und Medienrecht auf der Insel geworden sind.

War Harry und seiner Großmutter Königin Elizabeth II. die gedruckte Variante der Nacktbilder des 27-Jährigen in der Heimat zunächst erspart geblieben, prangten sie am Freitag auf dem Titel des größten Boulevardblattes des Landes. "Wir kämpfen für Pressefreiheit", schrieb die "Sun" darüber. Ein bisschen Privatsphäre allerdings ließen die Journalisten ihrem Lieblings-Royal: Über Harrys nacktem Po druckten sie ein Krönchen.

Die Sache aber erhöht nicht nur den Grad der Peinlichkeit für Harry. Die "Sun" wirft vor allem auch die Frage auf: Was darf man im Netz und was darf man in der Zeitung? Wo müssen Grenzen eingehalten werden? Schließlich waren die Bilder, die das amerikanische Portal tmz.com online stellte, schon zuvor mehr als 300 Millionen Mal angeklickt worden. Auch eine irische Zeitung hatte sie schon vor der "Sun" gedruckt. Muss das britische Massenblatt auf dem Konzern des angeschlagenen Medien-Zars Rupert Murdoch nun mit Konsequenzen rechnen?

Privatsphäre ungeschützt vor britischer Presse

"Es gibt in Großbritannien in dem Sinne kein Gesetz für die Presse, das die Privatsphäre schützt", sagt Jonathan Collett von der wegen fehlender Sanktionsmöglichkeiten häufig als "zahnloser Tiger" gebrandmarkten britischen Kommission zur Überwachung der Presseethik, der Press Complaints Commission (PCC). Der Labour-Politiker John Prescott fordert deshalb, endlich eine Rahmengesetzgebung für die britische Presse zu erlassen.

Sollte der Palast juristisch gegen die Bilder vorgehen wollen, könne er sich lediglich auf Gesetze zur Wahrung der Menschenrechte berufen. Es könne dabei dann etwa ähnlich laufen wie im Fall des Sportfunktionärs Max Mosley. Der hatte vor Gericht Schadenersatz erreicht. Berichte über sein Intimleben waren rechtswidrige Eingriffe in sein Privatleben.

In Deutschland wäre die Veröffentlichung der Bilder von Prinz Harry nach geltender Rechtsprechung wohl nicht möglich - weder gedruckt noch im Internet. Die Tatsache, dass Harry nackt war und die Bilder in seinem Hotelzimmer entstanden, dürfte vor Gericht zu der Bewertung führen, dass es sich nicht nur um die Privatsphäre, sondern um die juristisch in Deutschland noch deutlich enger gefasste Intimsphäre handelt. Diese Umgebung, die etwa das Sexualleben eines Menschen umfasst, ist auch für Prominente absolut vor Eingriffen Dritter geschützt - egal wie groß das Interesse der Öffentlichkeit auch immer sein mag.

Bitte um Privatsphäre verhallt ungehört

Das Bundesverfassungsgericht hatte dies unter anderem in einer Entscheidung vom 11. Juni 2009 deutlich gemacht. Allerdings würde im "Fall Harry" auch ein deutsches Gericht wohl der Frage nachgehen, ob Harry mit der Einladung von bis zu 25 Menschen in seine 5000 Pfund pro Nacht teuere Luxus-Suite in Las Vegas nicht die Intimsphäre selbst aufgehoben und eine begrenzte Öffentlichkeit hergestellt hat.

Als die Bilder der Nummer drei der britischen Thronfolge am Mittwoch im Internet aufgetaucht waren, wies der Buckingham Palast in London britische Medien höflich darauf hin, dass diese Harry privat zeigten und eine Veröffentlichung deshalb nicht angebracht sei. Am Donnerstag hielt sich die "Sun" - durch den Medienskandal um das eingestellte Schwester-Blatt "News of the World" geprägte Blatt - wie der Rest der britischen Medien noch daran. Den Sinneswandel kommentierte der Palast so: Die Entscheidung zur Veröffentlichung liege bei den jeweiligen Chefredakteuren, die Presse reguliere sich selbst.

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