Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Kandidatur bizarr - so wollen das "Spatzi" und Richard Lugner Bundespräsident werden

Sie sind die österreichischen Trumps: Richard und Cathy Lugner wollen in der Alpenrepublik zur Wahl des Bundespräsidenten antreten. Via Facebook gaben sie eine Bewerbung ab, die einer Parodie gleicht.

Cathy und Richard Lugner

Ein verrücktes Paar: Cathy und Richard Lugner in ihrem Bewerbungsvideo zum Bundespräsidenten in Österreich.

Cathy Lugner sitzt in ihrem Büro in der sogenannten "Lugner City" in Wien, einem Einkaufszentrum im Westen der österreichischen Hauptstadt. Neben ihr sind - ganz staatstragend - die Flaggen von Österreich und Europa zu sehen. Die 26-Jährige trägt ein dunkles Jackett und eine weiße Bluse, stützt sich mit ihren Händen auf einem Tisch mit säuberlich gebügelter Tischdecke ab. Es könnte eine Szene aus dem nordkoreanischen Fernsehen sein, so steif und bieder wirkt das Ambiente. Oder eine Parodie aus "Switch Reloaded". Doch es ist bitterer Ernst.

Mit einem zwölfminütigen Video auf Facebook haben Cathy und Richard Lugner angedeutet, sich für die Wahl des Bundespräsidenten in Österreich bewerben zu wollen. Die Wahl findet am 24. April statt und anders als in Deutschland wird das Staatsoberhaupt in unserem Nachbarland direkt vom Volk gewählt. Das Video trägt den Namen "Lugner for President“, doch das Wort hat zunächst seine 57 Jahre jüngere Frau.

Cathy Lugner als Rechengenie

Cathy Lugner hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf. Ohne Anrede an das Publikum legt sie los und überrascht mit Mathematik: "Richard ist 83, ich bin 26, durchschnittlich sind wir als Paar also 54 Jahre alt“, erklärt die aus Deutschland stammende Frau des Bau- und Immobilienunternehmers. "Mein Mann deckt die Pensionierten-Generation der 60- bis 90-Jährigen ab. Ich als moderne, junge, medienerfahrene Frau decke die Träume und Visionen der 20- bis 40-Jährigen ab. Ich bin die Projektionsfigur der Generation Y“, will Lugner ihre Zuhörer Glauben machen.

Die Cathy als Vorbild für Millionen junge Österreicherinnen und Österreicher. In Wittlich in Rheinland-Pfalz hat sie einst als Krankenschwester gearbeitet, war dann im Playboy-Magazin zu sehen und ist nun Teil der Wiener Hautevolee. Ein steiler Aufstieg. Wie das geht? Ganz einfach: Cathy schnappte sich den Millionär Richard Lugner, der zuvor schon unzählige Rehleins, Spatzis und Hasis begatten wollte. Sie hat’s geschafft. Eine gute Partie als Lebensleistung.


Warum schreit der alte Mann so?

"Yes we can“, beendet Lugner ihre Ansprache. Offenbar haben sich die Lugners ihre Wahlkampstrategie in den USA abgeschaut. Motto: Lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht. Doch leider ist nichts gut an dem zwölfminütigen Clip. Das fängt mit der Qualität des Videos an. Österreichs lustigste Homevideos sind vermutlich weniger krisselig und besser zusammengeschnitten als das lugnerische Bewerbungsvideo. Auch von Telepromptern halten die österreichischen Trumps offenbar nichts. Immer wieder schielt Cathy Lugner zu Boden, um ihren Text von einem Zettel abzulesen. Peinlich statt staatsmännisch.

Nach vier Minuten darf dann auch Richard Lugner selbst zu Wort kommen. „Österreich braucht gerade jetzt einen Baumeister aus dem Volk“, schreit der in die Kamera und wedelt bedrohlich mit seiner rechten Hand. Wüsste man es nicht besser, würde man denken, da sitzt ein Kabarettist, der Lugner parodiert. So übertrieben, so poltrig und holprig wirkt das, was Lugner da von sich gibt. Wie seine Frau liest er fast die gesamte Rede vom Boden ab, will sich als Selfmade-Mann präsentieren, der weiß, wo dem Volk der Schuh drückt. „Lugner for President“ ruft er am Schluss in die Kamera und reckt seine beiden Arme nach oben. Den Satz schafft er ausnahmsweise mal, ohne ihn abzulesen.

Richard Lugner will nach dem Opernball entscheiden

Bereits 1998 kandidierte Lugner bei der Bundespräsidentenwahl und erhielt immerhin 9,9 Prozent der Stimmen. Ob er wirklich auch 2016 kandidiert, ist unklar. Offenbar soll das Video ein Testballon sein, wie sein neuer Politikstil beim Volk ankommt. Erst nach dem Opernball wolle er dann über eine offizielle Kandidatur entscheiden. Sollte er sich dazu durchringen, dürfen sich die Österreicher zumindest auf eines freuen: einen lustigen Wahlkampf.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools