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2. Dezember 2009, 11:22 Uhr

Neue Modekette aus Irland macht H&M Konkurrenz

Preise wie auf dem Flohmarkt, Schnitte wie beim Designer: Die irische Modekette Primark will den deutschen Markt erobern - und lässt dabei selbst die etablierte Konkurrenz wie H&M alt aussehen. Von Bettina Weiguny

Primark

Kundinnen im Kaufrausch in einer Primark-Filiale© EPA

Die drei Mädels aus Mainz arbeiten sich eisern vor bis an die Glastür. Als sich diese um 10 Uhr endlich öffnet, stürmen sie triumphierend hinein. Geschafft, sie gehören zu den ersten, die das neue Primark-Geschäft in Frankfurt entern. Hinter ihnen drängen etwa zweihundert ähnlich entrückter Kundinnen nach. Jede schnappt sich eine der grauen Mega-Tüten, die wie bei Ikea am Eingang liegen, und presst hinein, was Platz findet: Wäsche, Stilettos, Pailletten-Leggins, Woll-Kleidchen.

Das irische Billigparadies kennen die meisten von Shopping-Trips in die Londoner Oxford Street. "Wir mussten uns überzeugen, ob Frankfurt genauso krass ist," kichern die Mainzerinnen. "Dafür schwänzen wir die Schule." Gürtel für zwei Euro, Handtaschen für fünf, Kleider und Schuhe für 15, Anzüge für 40. Bei Frauen setzt hier Schnappatmung ein. Zumal die Sachen nicht schlecht aussehen. Das ein oder andere Wickelkleid könnte von Diane von Fürstenberg stammen, mit Phantasie erkennt man in den Anzügen den Purismus à la Jil Sander.

Primark ist der letzte Schrei in Großbritannien. Jetzt setzen die Iren nach Deutschland über: Seit einem halben Jahr zeigen sie am Stadtrand von Bremen Flagge, vorige Woche startete der Laden in Frankfurt. In Bremen herrscht wochenends Mode-Tourismus: Aus dem Ruhrgebiet, aus Hannover und Kiel, aus Hamburg fallen Kaufwillige ein. Die Iren sind seit 40 Jahren im Geschäft. Heute liegt der Umsatz bei 2,4 Milliarden Euro und legt zweistellig zu. Das Geschäft mit billigen Textilien brummt. Nur mit Glanz und Glamour hatte das, was Läden wie Kik und Takko an Ausfallstraßen feilbieten, bislang wenig zu tun. Dank Primark ändert sich das - nun auch in Deutschland.

Den Preiskampf vorausahnend gründete C & A Anfang 2008 die Discount-Marke Avanti, die billig und zugleich ansprechend sein sollte. Aber schnell gab der Konzern wieder auf: Wenn das teuerste Stück 40 Euro kostet, müssen gewaltige Mengen verkauft werden, sonst bleibt nichts hängen. Das überfordert selbst etablierte Billig-Spieler. H & M versucht es nun mit Monki: Die Kette mit japanisch-skandinavischem Touch spricht eine junges Publikum an, liegt preislich über den Discountern. Auch Mango lanciert eine Zweitmarke. Ob Jeansjacke, Rock oder Strickpulli - 12,90 Euro kostet das teuerste Stück der "Think up"-Linie. Da fragt sich der Kunde: Wie   kann ein Händler damit Geld verdienen?

Sicher sind die Discount-Teile nicht immer fair hergestellt. Primark geriet in Verruf wegen Kinderarbeit und Lohndumping. Demonstranten störten die Eröffnung des Shops an der Oxford Street. Die Iren zeigten sich reumütig: Primark trat der "Ethical Trading Initiative" bei, ernannte einen Ethik-Direktor und unterstützt seitdem eine indische Organisation im Kampf für die Rechte der Arbeiter. Das nimmt den Gegnern den Wind aus den Segeln.

Wie also funktioniert Discount? "Kein Schnickschnack, keine Tricks", so umschreibt Primark-Personalchefin Breege O'Donoghue die Strategie. Modisch ja, aber keine Extravaganzen. Viele Basics, einfaches Design. Highheels ja, aber möglichst nur ein Paar in verschiedenen Farben. So reduzieren sie die Zahl der Zulieferer und sparen sich teure Zwischenhändler in Asien. Zudem wird eifrig abgekupfert. Natürlich spart Primark auch an Qualität. Da schlabbert der Gummizug an der Pailletten-Leggings und die Pailletten pieksen trotz Schutzstofflage. Die Iren erzeugen trotzdem regelmäßig Turbulenzen, die H&M nur bei Designer-Kollektionen wie zuletzt bei Jimmy Choo hinbekommt. Wer bei Primark shoppen will, sollte morgens anreisen. Abends sind die Regale häufig leergefegt.

Mitarbeit: Stefanie Luxat
 
 
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