Bochumer Opel-Belegschaft lehnt Sanierungsplan ab

21. März 2013, 20:33 Uhr

Die Belegschaft des Bochumer Opel-Werks hat den Sanierungsplan nach Angaben der IG Metall mit großer Mehrheit abgelehnt.

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Die Belegschaft des Bochumer Opel-Werks hat den Sanierungsplan nach Angaben der IG Metall mit großer Mehrheit abgelehnt. Rund 76 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder stimmten dagegen, rund 69 Prozent von ihnen beteiligten sich an der Wahl, wie die IG Metall mitteilte. Sie will nun gemeinsam mit dem Betriebsrat weiter mit der Geschäftsführung von Opel verhandeln.

Das Unternehmen Opel, IG Metall und Betriebsrat hatten sich Ende Februar auf den Rahmen für den Sanierungsplan des Autoherstellers verständigt - bei Opel auch Deutschlandplan genannt. Über den entsprechenden Tarifvertrag stimmen die Opel-Standorte in Deutschland getrennt ab. Im Stammwerk Rüsselsheim und in Kaiserslautern gaben die Belegschaften bereits ihre Zustimmung. Im thüringischen Eisenach soll das Votum kommende Woche erfolgen. Die Folgen der Ablehnung in Bochum sind nach Angaben von Arbeitnehmerseite nur schwer abzuschätzen.

Anders als für die anderen Standorte bringt der Sanierungsplan für das Werk Bochum massive Einschnitte. Dort soll die Autoproduktion voraussichtlich Ende 2016 auslaufen. Opel sicherte jedoch zu, an dem Standort im Ruhrgebiet auch künftig 1200 Mitarbeiter auf tarifgebundenen Arbeitsplätzen halten zu wollen. Rund 600 Beschäftigte sollen dort dann in der Logistik für Opel arbeiten, weitere 600 in der Autoteile-Fertigung für Opel. Für die Komponenten-Produktion soll das Werk Bochum umgebaut werden. Derzeit arbeiten für Opel im Bochum rund 3300 Menschen.

Bereits ab dem kommenden Quartal von April bis Juni jedoch soll es in Bochum zu erheblichen Einschnitten kommen. Die Autoproduktion soll heruntergefahren werden vom Betrieb in drei Schichten auf einen Zweischichtbetrieb. Opel bietet den 700 betroffenen Mitarbeitern in dem Zusammenhang Abfindungen und Altersteilzeitprogramme an.

Dem Bochumer Betriebsrat zufolge ist zudem vorgesehen, dass an dem Standort ab 2015 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden können. Sollten nicht genug Mitarbeiter freiwillig gehen, könnte es laut Betriebsrat zu Kündigungen kommen. Nach Angaben von Opel sichert das Unternehmen mit dem Deutschlandplan einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 zu.

Die Ablehnung des Sanierungsplans in Bochum sei "ein klares Misstrauensvotum gegenüber dem Management von Opel", erklärte der IG-Metall-Bezirksleiter Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler. "Zu viele Fehler, zu viele falsche Versprechungen, seit über acht Jahren, das sitzt tief." Er könne gut verstehen, dass sich die Menschen mit einem Auslaufen der Autoproduktion in Bochum und betriebsbedingten Kündigungen nicht abfinden wollten. Die Zusagen des Unternehmens einer Komponentenproduktion, das Engagement für Alternativarbeitsplätze und die möglichen Abfindungen seien zu vage geblieben.

AFP