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26. August 2009, 12:02 Uhr

Der Guru und die Kinder

Oliver Shanti, Musiker, Missbrauch, Ulrich Schulz

Das Fahndungsfoto des Bundeskriminalamts: Ulrich Schulz alias Oliver Shanti wurde sechs Jahre per Haftbefehl gesucht© Bundeskriminalamt

Seine CDs gehen noch immer über den Ladentisch

Die Verehrung ist trotz der schwer wiegenden Vorwürfe teils ungebrochen. Seine CDs gehen noch immer über den Ladentisch. Einige Internet-Anbieter haben die Scheiben zwar aus dem Programm genommen, die meisten begnügen sich indes mit Hinweisen auf die mutmaßlichen Taten des Produzenten. Andere wiederum, wie auch der Mega-Seller Amazon, bieten die Musik auch jetzt noch feil. Zwar gab es einmal einen Aufruf ehemaliger Fans zum Boykott. Von vielen Anhängern wird Shanti jedoch weiterhin als Star der New-Age-Generation gefeiert.

Die Hingabe in einschlägigen Internetforen geht bis hin zur völligen Verblendung: "Wer SOLCHE Musik macht, kann nicht schlecht sein", glaubt einer der Autoren. "Erfolg macht Feinde. Ich finde es erschreckend, wie schnell man fallengelassen wird."

Miserabler Musiker, der andere für sich spielen ließ

Shanti ist nach Aussagen ehemaliger Weggefährten zwar ein miserabler Musiker, der stets andere für sich spielen ließ, aber dafür offenbar ein gewiefter Betrüger. Die Erlöse seiner CDs, versprach er einst, sollten anteilweise dem unterdrückten tibetischen Volk zugute kommen. Doch auch dieses hat dem Vernehmen nach nie eine müde Mark von Shanti erhalten.

Verdient hat Ulrich Schulz fürstlich in all den Jahren. Bis zu zwei Millionen Euro monatlich soll sein Plattenlabel in den besten Zeiten umgesetzt haben. Doch Shanti hat auch gerne ausgegeben. Viel Geld dürfte in seine portugiesische Finca geflossen sein und in seine rund 600 Papageien, in die er vernarrt war und die auch als Attraktion für neugierige Kinder in großzügigen Volieren flatterten.

Guru beteuert seine Unschuld

Dass Kinder dem Guru anschließend ins Schlafzimmer gefolgt sein sollen, habe ihr weiteres Leben geprägt. Manche seien ins Drogenmilieu abgerutscht, berichtet Journalist Klaus Wiendl. Andere, die den Mut hätten, auszupacken, habe Shanti verfolgen und verprügeln lassen. Darunter auch einen ehemaligen Weggefährten, der ihm sein ganzes Erbe vermachte und später mit seiner Frau bei Nacht und Nebel nach Deutschland flüchtete.

In Gesprächen mit seinem ehemaligen Anwalt habe der Guru immer wieder beteuert, sich nie an Kindern vergangen zu haben. Gerne würde er alles aufklären. Dazu hat er nun Gelegenheit, wenn er sich vor dem Landgericht München I verantworten muss.

Von Christian Parth
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