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28. Januar 2009, 17:12 Uhr

Zumwinkel verliert seine Orden

Herbe Schmach für Klaus Zumwinkel: Zeitungsberichten zufolge muss der verurteilte Steuerhinterzieher sowohl sein Großes Bundesverdienstkreuz als auch den Landesorden NRW in Kürze wieder abgeben. Sollte der Ex-Post-Chef die Auszeichnungen nicht freiwillig zurückgeben, sollen sie ihm aberkannt werden.

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Wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt: Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel© Martin Meissner/AP

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, wird das Große Bundesverdienstkreuz und seinen nordrhein-westfälischen Landesorden wieder verlieren. Das berichten die "Rheinische Post" und die "Westdeutsche Zeitung". Die Blätter berufen sich dabei auf Regierungskreise in Berlin und Düsseldorf.

Wie die "Rheinische Post" schreibt, werde vom Bundespräsidialamt automatisch ein zweistufiges Verfahren eingeleitet, sobald die schriftliche Urteilsbegründung des Landgerichts Bochum beim Bundespräsidenten eingetroffen sei. Am Ende der Prozedur stehe der Verlust des Ordens.

Demnach wird der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Ex-Manager zunächst in einem Brief zur freiwilligen Rückgabe des Ordens aufgefordert. Sollte er dieser Bitte nicht nachkommen, wird nach Informationen der Zeitung automatisch ein "Ordensentziehungsverfahren" eingeleitet. Zuletzt gab der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz sein Bundesverdienstkreuz zurück. Das Bundespräsidialamt wollte sich zu dem Verfahren nicht äußern.

Darüber hinaus soll der Ex-Postchef seinen nordrhein-westfälischen Landesorden verlieren. Zumwinkel habe als verurteilter Steuerhinterzieher gegen das Landesordensgesetz verstoßen, schreibt die "Westdeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Staatskanzlei in Düsseldorf. Die Landesregierung erwarte, dass Zumwinkel den Orden freiwillig zurückgibt. Andernfalls werde ihn Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zurückfordern.

Düsseldorfer Regierungskreise bestätigten den Bericht. Aufgrund der Rechtslage sei dieses Ergebnis zu erwarten, hieß es.

Zumwinkel war am Montag wegen Hinterziehung von einer knappen Million Euro Steuern zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Bochumer Landgericht entschied zudem, dass der ehemalige Spitzenmanager bis Jahresende eine Geldbuße von einer Million Euro zahlen muss.

Zumwinkel hatte gestanden, Teile seines Vermögens in einer Liechtensteiner Stiftung deponiert und damit dem Finanzamt verborgen zu haben. Laut Oberstaatsanwalt Gerrit Gabriel wurden inzwischen 3,9 Millionen Euro an Steuern, Zinsen und Gebühren nachgezahlt. Darin enthalten sind offensichtlich auch Steuern, deren Hinterziehung wegen Verjährung strafrechtlich keine Rolle mehr spielt. Angeklagt war nur die Hinterziehung von exakt 967.815,96 Euro an Steuern und Solidaritätszuschlägen.

Der Vorsitzende der 12. Strafkammer, Wolfgang Mittrup, sagte in der Urteilsbegründung, Zumwinkel sei bei seiner Steuerhinterziehung "akribisch, dauerhaft und mit krimineller Energie" vorgegangen. Er habe "seine Vorbildfunktion nicht erfüllt". Insofern sei seine eigentlich beeindruckende Lebensleistung deutlich geschmälert. Es sei unverständlich, dass sich vermögende Menschen wie Zumwinkel zu solchen Straftaten hinreißen ließen. "Allein mit dem Streben nach immer mehr Reichtum ist das wohl nicht erklärbar."

chs/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
gelegenheitsposter (28.01.2009, 22:39 Uhr)
geniale Analyse
@Leseratte79
Wunderbare Analyse ....
Und dabei nicht vergessen dass solche Leute Mitarbeiter rauswerfen um noch mehr Gewinn einzufahren um noch mehr Konzerne aufzukaufen um dort noch mehr Leute rauswerfen zu können ....
Und am Ende noch gegen Mindestlöhne agieren weil die doch die Gewinnaussichten für immer dieselbe Klientel schmälern könnten.
Es ist schon interessant von welchen Maulwürfen sich die Politik beraten liess. Vielleicht wurde er dort noch als Wegweise für gerechte Lösungen angesehen ....
Wenn es nicht so traurig wäre ....
Leseratte79 (28.01.2009, 21:26 Uhr)
Ach hört doch auf....
...hier ständig von Doppelmoral zu faseln. Natürlich ist es egal ob der 400€ Job eigentlich ein 600€ Job ist oder einer 1 Mio. an Steuern hinterzieht. Der kleine aber feine Unterschied ist, dass der "kleine Mann" die 200€ nicht aus Gier "schwarz" verdient sondern weil er kaum Kohle hat oder der Chef ihm "Überstunden" aufbrummt. Vor dem Gesetz sollen alle gleich sein- der kleine Unterschied besteht darin, dass der eine hinterzieht um seine Familie zu ernähren oder mal in den Urlaub fahren zu können und der andere eine größere Mauer im sein 15 Mio Schloß baut. Und warum lassen wir jemanden "schwarz" unser Bad sanieren? Na ganz einfach- weil nach 20 Jahren die Kacheln von den Wänden fallen die Lohntüte aber nichts mehr hergibt. 1 Mio ist für Zumwinkel ein Witz- die Strafe die ich zahlen müsste für ein paar Tage mehr als Pendlerpauschale abgerechnet...au weia da kann ich dann den Peter Zwegat anrufen wenn ich noch etwas anderes zusätzlich abbezahlen müsste. Immer schön schanlose Gier von "Gelegenheit macht Diebe" unterscheiden!
Sveto (28.01.2009, 21:11 Uhr)
Eigentlich lustig....
Ich möchte wetten, dass so ziemlich jeder der hier auftretenden Eiferer schon einmal Steuern (oder Sozialabgaben) hinterzogen hat: 'mal eine Schachtel Zigaretten beim Vietnamesen, ein wenig Schwarzarbeit... Doch wenn ein anderer das - in etwas größerem Maßstab - macht, dann läuft der Geifer...
DerExperte (28.01.2009, 21:04 Uhr)
Sveto (28.1.2009, 19:59 Uhr) @whismerh2
Als ehemaliger oberster Postler sollte Ihm eine Betrugsurkunde ausgestellt werden - und da er dies schon lange tat - also auch in seiner Amtszeit - haette jeder Verstaendnis dafuer ihm die Pension um 60% zu kuerzen - wegen characterlicher sauerei in Amtszeiten. Des weiteren koennte doch jeder Postler das recht bekommen vor ihm auf die strasse zu spucken oder nicht? Und in seiner Turm Villa wohl geschaffen aus Betrugszinsen?? - darf er dann wie im Gefaengniss hausen.
DerExperte (28.01.2009, 20:53 Uhr)
Na also es geht doch...
erst tritt kinkel - jetzt tritt der staat mal nach.
>
Pinkas paule und wettert gegen Doppelmoral - da lachen ja die huehner - der hat doch in D schon verloren, weiss es auch - will es nur nicht wahrhaben. Der wollte mal auswandern. Hoffe er geht sehr schnell und mit ihm noch son paar.
Sveto (28.01.2009, 19:59 Uhr)
@whismerh2
Die Aberkennung des Ruhegehalts ist ein Disziplinarmaßnahme, die eingeleitet wird, wenn der Beamte durch die Straftat zugleich seine beamtenrechtliche Treuepflicht in einem Maße verletzt dass seine Entfernung aus dem Dienst angezeigt ist bzw. (bei Ruhestandsbeamten) wäre; der Beamte wird dann in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert (und erhält entsprechend die sich aus den nachentrichteten Beiträgen des ehemaligen Dienstherrren ergebende Altersrente). Dass dieses System auf privatrechtliche Dienstverhältnisse nicht übertragbar ist, sollte sich auch dem Ignorantesten aufdrängen. Doch selbst wenn man denn arguendi causa einmal annehmen möchte, dass es übertragbar sei: Welche gerade im Verhältnis zur Deutschen Post AG bestehende besondere Treuepflicht soll Herr Zumwinkel denn verletzt haben?
Fastrunner (28.01.2009, 19:50 Uhr)
Das trifft und tut weh
Wenn ich mich nicht irre, trifft Hr. Zumwinkel die Aberkennung der Ehrenauszeichnung wesentlich haerter und direkter als eine Geld- und Bewaehrungsstrafe.
Unter seinesgleichen wird Steuerhinterziehung bestimmt nicht als "echtes" Vergehen gewertet. Ist doch klar, dass jeder so wenig wie moeglich Steuer zahlen will. Pech nur, er erwischt wurde, andere vermutlich nicht.
Aber die Aberkennung der Ehrenbezeichnungen ist eine offizielle Assestierung des Fehlverhaltens von hoechster Stelle und trifft den Stolz. Das trifft mehr als alles andere. Darueber bin ich froh.
DasBertl (28.01.2009, 19:47 Uhr)
@Rainhelt
nein noch nie. Daher erlaube ich mir zu sagen: Er ist ein Sozialschmarozer, einer der besonders schlimmen Art, ein Raffke sondersgleichen, der einfach nicht genug bekommen kann.
Blacky007 (28.01.2009, 19:45 Uhr)
Was ein armes Würstchen @Rainhelt
müssen Sie wohl sein? Kritik üben ist in Ordnung, aber nur ganz arme, meist etwas Unterbelichtete, bedienen sich hierbei lediglich der Verbalsprache. Mit etwas Grips kann man die Kritik auch anders formulieren - Intelligenz vorausgesetzt!
-
Aber JA, zugegeben, auch schon mal was "schwarz" machen lassen, wie Millionen anderer! Es ist jedoch ein enormer Unterschied, ob wer etwas "schwarz" machen lässt, weil er es sich sonst nicht leisten kann oder ob man diesen Weg auch wählt, wenn man ein Einkommen ala Zumwinkel hat.
SoistdasLeben (28.01.2009, 19:28 Uhr)
Paolo Pinkel hat sein Bundesverdienstkreuz 1 Ranges noch.
Nachdem Herr Paolo Pinkel kürzlich wieder einmal bei Frau Anne Will vor der Doppelmoral eindringlich warnte, wollte ich mal nachfragen, ob er denn seinen Orden auch abgeben mußte oder ob das lustige Beisammensein mit professionellen ukrainischen Schneefeerinnen nicht gegen landes- und Bundesgesetze verstoßen würde.
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