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8. Juni 2010, 12:38 Uhr

Vormund vor Gericht

Vor vier Jahren war die Leiche des zweijährigen Kevin im Kühlschrank seines Stiefvaters gefunden worden. Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen. Nun muss sich der staatliche Vormund des Kindes vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

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Das Grab des zweijährigen Kevin aus Bremen. Sein Vormund steht nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht© Jörg Sarbach/AP

Etwa vier Jahre nach dem Tod des zweijährigen Kevin aus Bremen hat vor dem dortigen Landgericht der Prozess gegen den Amtsvormund des Kindes begonnen. Der 67-Jährige ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem inzwischen in Rente gegangenen Mann vor, Kevin nicht rechtzeitig von seinem Stiefvater getrennt und deshalb seinen Tod mit verursacht zu haben.

Der Angeklagte bedauerte den Tod des Zweijährigen vor Gericht. "Seither ist kein Tag vergangenen, an dem ich nicht an den Jungen gedacht habe", sagte der Rentner am Dienstag zu Prozessbeginn. Er trauere um Kevin heute noch genauso wie damals.

Der Fall hatte damals bundesweit für Entsetzen gesorgt. Polizisten hatten Kevins Leiche im Oktober 2006 im Kühlschrank seines Stiefvaters gefunden. Der Junge war an den Folgen von Knochenbrüchen gestorben, die ihm sein Stiefvater zugefügt hatte. Obwohl ihm Hinweise auf Misshandlungen vorlagen, war das Bremer Jugendamt nicht eingeschritten.

Vormund steht allein vor Gericht

Nach Angaben eines Gerichtssprechers verlas das Gericht nach der Anklageschrift das Urteil gegen Kevins Stiefvater. Der Drogensüchtige war vor zwei Jahren zu zehn Jahren Haft sowie zur Einweisung in eine Entziehungsanstalt verurteilt worden. Kevins staatlicher Vormund muss sich alleine vor Gericht verantworten, weil ein ursprünglich mitangeklagter Verantwortlicher des Jugendamts krankheitsbedingt nicht mehr prozessfähig ist.

Die Verhandlungen gegen den vom Jugendamt eingesetzten Vormund sollen zunächst bis Dezember dauern. Es wird ein langwieriges Verfahren erwartet. Die Akten zu dem Fall füllen mittlerweile ein halbes Büro. Allein die Anklageschrift kommt auf 120 Seiten.

AFP/DPA
 
 
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