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13. Juli 2010, 14:33 Uhr

Ab 32 Grad streiken die Klimaanlagen

Erst war die Rede von Einzelfällen, doch mittlerweile fahren immer mehr Züge mit defekter Klimaanlage durch das Land. Bahn-Dokumente belegen offenbar, dass die Problematik lange bekannt ist.

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Die Bahn steht mal wieder in der Kritik - so stark wie selten. Und das will etwas heißen bei dem Staatskonzern...© Christoph Stache/AFP

Die Ausfälle von Klimaanlagen in Zügen der Deutschen Bahn sind beileibe keine Ausnahmen. Seit Samstag gab es nach Angaben des Unternehmens Probleme in rund 40 Zügen. Am Mittwoch wurde ein IC auf der Strecke Berlin-Amsterdam/Schipol wegen einer defekten Klimaanlage gestoppt, und die Reisenden wurden auf andere Züge verteilt. Zudem wurde ein ICE zwischen München und Lübeck wegen Hitzeproblemen geräumt. Ein Sprecher der Bahn sagte, man sei in der gegenwärtigen Situation sehr vorsichtig. Die Passagiere seien in andere Züge gesetzt worden und hätten alle "ihr Ziel erreicht".

Allerdings scheint das Problem erst lösbar, wenn die Temperaturen in Deutschland unter 30 Grad sinken. Laut einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" sind die Aggregate der Fernzüge nur auf Temperaturen bis 32 Grad ausgelegt. In einem internen Briefwechsel zwischen dem Bahnvorstand und der Aufsichtsbehörde Eisenbahnbundesamt heißt es: Ein Abkühlen bei höheren Temperaturen als 32 Grad sei nicht gewährleistet, und durch unglückliche Umstände habe in den Vorfällen von Sonntag zudem die Luftzufuhr versagt.

Die Türen geschlossen halten

Während in der Öffentlichkeit noch die Rede von Einzelfällen war, verteilte die Bahn bereits am Montag ein Schreiben an das Zugpersonal. Das interne Papier liegt der "Bild"-Zeitung vor. Darin werden Zugchefs und Zugbegleiter darauf hingewiesen, dass nicht nur ältere ICE von Ausfällen der Klimaanlage betroffen sein können. Anschließend bekommt das Personal genaue Handlungsanweisungen, wie die hitzeanfälligen Anlagen zu bedienen sind. Außerdem sollen die Zugbegleiter die Türen an Bahnhöfen nach Benutzung wieder schließen, um nicht noch mehr warme Luft in die Waggons zu lassen.

Task-Force mit Siemens-Konzern

"Die Vorfälle geben hinreichenden Anlass zu der Annahme, dass nicht gewährleistet werden konnte, dass die Risiken für die Fahrgäste auf ein verantwortbares und rechtlich zulässiges Maß beschränkt geblieben sind.", schreibt Gerald Hörster, Präsident des Eisenbahnbundesamtes, an den Bahnvorstand. Hörster deutet in dem Schreiben an, dass das Hitzechaos für die Bahn ein Nachspiel haben könnte. "Die Ereignisse werden derzeit von der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes untersucht“, schreibt Hörster.

Drei Tage nach den ersten Zwischenfällen haben der Siemens-Konzern, der die Züge baut, und die Deutsche Bahn eine "Taskforce" gegründet. Siemens wies die Verantwortung für das Hitzechaos zurück. Man habe keine mangelhafte Technik geliefert, sondern die Bahn habe die Wartung vernachlässigt, Wartungsverträge mit dem Hersteller abgelehnt. "Wer ein Auto kauft und zehn Jahre nicht zur Werkstatt bringt, darf sich auch nicht wundern, wenn er irgendwann mit dem Fahrzeug liegen bleibt", sagte ein Siemens-Sprecher.

SPD fordert Untersuchungsausschuss

Der Ausfall von Klimaanlagen in Zügen der Deutschen Bahn ist nach Ansicht des stellvertretenden SPD-Fraktionschefs Florian Pronold auch Thema für einen Untersuchungsausschuss im Bundestag. "Wir wollen wissen, ob die Bahn zulasten der Sicherheit gespart hat, welchen Zusammenhang es zu den Hitzeproblemen gibt und wer dafür die Verantwortung trägt", sagte Pronold der "Bild". Deshalb brauche es eine "umfassende parlamentarische Untersuchung". Bei dieser müsse auch die Rolle des Bundes als Eigentümer geklärt werden.

swd/DPA
 
 
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