16. April 2008, 09:29 Uhr

Achtjährige setzt Scheidung durch

Erstmals hat im Jemen eine Minderjährige die Scheidung von ihrem 22 Jahre älteren Ehemann durchgesetzt. Die achtjährige Nojood hatte gegen ihren Vater und ihren Ehemann geklagt. Das Mädchen will jetzt wieder zur Schule gehen.

Mutig hat die acht Jahre alte Nojood vor Gericht gekämpft©

Im Jemen hat sich ein achtjähriges Mädchen mit seinem Antrag auf Scheidung durchgesetzt. "Ich bin erleichtert, jetzt geschieden zu sein und wieder zur Schule gehen zu können", sagte die achtjährige Nojood nach der Verkündung des Urteils durch ein Gericht in der Hauptstadt Sanaa. Das Mädchen hatte neben ihrem Ehemann auch ihren Vater verklagt. Letzterer habe sie vor zweieinhalb Monaten gezwungen, einen 30-jährigen Mann zu heiraten, berichtete Nojood. Sie habe einen Ehevertrag unterschreiben müssen. Erst sei ihr gesagt worden, sie werde bis zum Alter von 18 Jahren bei ihrem Vater wohnen bleiben. Doch eine Woche nach der Vertragsunterzeichnung hätten ihre Eltern ihr befohlen, bei ihrem Mann zu wohnen.

Sie werde nun bei ihrem Onkel wohnen, sagte Nojood. Ihren Vater wolle sie nicht sehen. Der Vater sagte während der Anhörung, er habe sich zur Verheiratung seiner Töchter gezwungen gesehen. "Ich habe sie mit ihrer Einwilligung verheiratet, weil ich Angst um sie und meine anderen Kinder hatte." Ein Mann habe vor einigen Jahren seine älteste Tochter entführt, später habe seine Tochter ihren Entführer aber geheiratet, berichtete er. Derselbe Mann habe dann eine seiner jüngeren Tochter entführt, obwohl diese verheiratet und Mutter von vier Kindern gewesen sei. Der Mann sei dafür ins Gefängnis gekommen. Nojoods Ehemann betonte vor Gericht, er habe das Mädchen nicht geschlagen. Gegen die Scheidung erhob er keine Einwände.

Nojoods Anwältin Schadha Nasser sagte, Nojood Schicksal sei im Jemen sicher kein Einzelfall. "Ich glaube, es gibt Tausende ähnlicher Fälle." Der Anwältin zufolge fordern Bürgerrechtsgruppen im Jemen die Festlegung eines Mindestalters für die Eheschließung auf 18 Jahre.

AFP
 
 
Jetzt bewerten
0 Bewertungen
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Administrator (16.04.2008, 14:33 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Leider war es einem Großteil der Kommentatoren nicht möglich, sachliche Postings zu verfassen. Nachdem wir bereits um eine sachliche und höfliche Debatte gebeten hatten, diese aber immer wieder ausartet, bieten wir die Kommentarfunktion an dieser Stelle nicht mehr an.
Wir bitten all jene, die gern hier kommentiert hätten ohne menschenverachtend, beleidigend oder rassistisch zu werden, um Verständnis.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
elliottsmith (16.04.2008, 12:43 Uhr)
kralli19
Gott hat damit nichts zu tun, ganz im Gegenteil.
K-H-J (16.04.2008, 12:29 Uhr)
Jemen - 8-jährige Zwangsverheiratet, gequält, vergewaltigt und gedemütigt!

Bei der ARD und ZDF bekommen wir immer wieder gezeigt, wenn Verantwortliche der US-Regierung sich gegen über Islamitische Attentäter menschenverachtet, verhalten. Angeklagt werden u.a. Foltermethoden, Haftbedingungen und Gerichtsverfahren.
Wenn es aber um islamische Länder wie den Jemen geht, wo die Scharia als eigenes Rechtssystem herrscht , dann drückt man beide Augen zu. Dann auf einmal gibt es keine Menschenwürde, Menschenrechte oder gar Kinderschutz mehr. Es bleibt ein Skandal, dass man hier im Westen, Europa und Deutschland keine generelle Reaktion zu diesen schändlichen Taten gibt. Was macht man in der UNO und in der EU? Wie immer, wenn es um solche Themen geht - Däumchen drehen. Wer glaubwürdig ist, der werfe den ersten Stein auf mich?
Malt (16.04.2008, 11:50 Uhr)
Wi hat mal ein...
...schlauer mensch gesagt: Dummheit und Stolz - schnitzt man aus dem selben Holz!
bR4iNST0RM (16.04.2008, 11:46 Uhr)
Die Ehre kann auch Fehlinterpretiert werden!
In erster Linie Glückwunsch! Was jetzt passiert, das passiert. Leider kann ein Richterspruch keine langen kulturellen Strukturen auflösen, „verbessern“ oder ewigen Schutz bieten. In diesem Fall ist es klar eine Verbesserung der Menschenrechte, aber für eine wirklichen Trend gehört leider viel mehr dazu, als „nur“ ein Entscheid vom Richter.
Trotz der jetzt akuten Gefahr, dass der „Vater“ oder „Ehemann“ irgendetwas in Sachen „verletzter Ehre“ Unternehmen, wünsche ich dem Mädchen viel Erfolg im weiteren Leben!
kralli19 (16.04.2008, 11:43 Uhr)
Ich sag nur...
Allhamdulillah für dieses Urteil. Hoffe die Kleine behält ihre Stärke und wünsche ihr alles Gute.
Countryjoe (16.04.2008, 10:53 Uhr)
Barbarisch
Absolut barbarisch! Ich hoffe, daß das Kind jetzt nicht zum Opfer der lächerlichen Ehrbegriffe dieser Kinderschänder wird.
sportartmakler (16.04.2008, 10:33 Uhr)
gratuliere
aber ich befürchte dass der steinzeitehemann dass bestimmt nicht mit seiner ehre vereinbaren kann und versucht dem mädchen gewaltsam wieder habhaft zu werden.
MEHR ZUM ARTIKEL
Jemen Achtjährige verlangt die Scheidung

Erstmals verlangt im Jemen eine Minderjährige die Scheidung von ihrem wesentlich älteren Ehemann. Weil er sie geschlagen und missbraucht haben soll, ist die achtjährige Nojood in Sanaa vor Gericht gezogen. Außerdem verklagt das Mädchen seinen Vater, weil er die Zwangsheirat eingefädelt hat.

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?