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7. Februar 2011, 15:42 Uhr

Ätzende Schwefelsäure wird in den Rhein gepumpt

Seit heute wird Schwefelsäure aus dem gekenterten Frachter in den Rhein gepumpt. Absichtlich. Unglaublich, aber offenbar eine unvermeidliche Aktion: So soll ein Auseinanderbrechen des Tankers und damit eine unkontrollierte Reaktion der Säure mit dem Wasser verhindert werden.

Rhein, Tankerunglück, Säure, ätzend, abpumpen

Abpumpaktion auf dem Rhein, die Säure wird kontrolliert in den Fluss befördert© DPA

Ätzende Schwefelsäure fließt seit Montag aus dem havarierten Tankschiff an der Loreley in den Rhein. Die Behörden begannen dreieinhalb Wochen nach dem Kentern des Frachters damit, die Chemikalie tonnenweise in den Fluss zu pumpen. Sie wollen so ein Auseinanderbrechen des Tankers und damit eine unkontrollierte Reaktion der Säure mit dem Rheinwasser verhindern

Die Verantwortlichen erwarten von dem gesteuerten Ablassen "nur geringe Beeinträchtigungen des Rheins", teilte das Pressezentrum "Havarie Loreley" am Montag mit. Das Ökosystem des Flusses sowie die Trinkwassergewinnung seien nicht gefährdet.

Am Wochenende war nahe der Loreley ein Teil der Schwefelsäure aus dem Tanker "Waldhof" in ein anderes Schiff umgepumpt worden. Dadurch sackte den Angaben zufolge der Bug des gekenterten Schiffes etwa 20 Zentimeter in eine Mulde im Flussbett ab. Der Schiffsrumpf verdrehte sich, aufgrund der enormen Spannung entstanden Beulen. Die "Waldhof" drohte bei einer weiteren Bewegung auseinanderzubrechen.

Gefährliche Fontänen wären möglich

Die Sicherheit der Bergungskräfte sei so nicht mehr gewährleistet, hieß es. Und diese habe Priorität. Bei einer unkontrollierte Reaktion der Säure mit dem Wasser würde starke Hitze entstehen, es könnte zum Beispiel gefährliche Fontänen geben.

Laut Plan werden nun maximal 80 Tonnen der Säure pro Stunde in den Rhein abgelassen, was 12 Litern pro Sekunde entspricht. Derzeit fließen pro Sekunde etwa 1,6 Millionen Liter Wasser den Rhein hinunter. Die Schwefelsäure werde deshalb schnell neutralisiert, erklärten die Behörden.

Der Tanker hatte bei der BASF in Ludwigshafen 2400 Tonnen Säure geladen. Die Experten glauben, dass seit der Havarie rund 900 Tonnen ausgetreten sind, vermutlich durch automatische Ventile. Wie viel Säure derzeit noch an Bord sei, lasse sich nicht sagen.

Ein Großteil der Ladung soll weiterhin umgeladen werden, betonte ein Behördensprecher. Wie viel in den Rhein abgelassen werde, lasse sich derzeit nicht vorhersagen. "Das hängt auch von der Reaktion des Schiffes ab."

Laborschiff überwacht die Aktion

Schwefelsäure zählt zu den aggressivsten Säuren. Experten stufen sie als schwach wassergefährdend ein. "Wir werden alles tun, um die Bevölkerung, die Einsatzkräfte und die Umwelt zu schützen", sagte der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Roger Lewentz (SPD). Falls das kontrollierte Ablassen der Säure überhaupt Schäden verursache, wären diese nach Behördenangaben "auf jeden Fall" lokal begrenzt.

Unterhalb der Unfallstelle überwacht ein Laborschiff die Aktion. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium setzte eine Rheinwarnung ab und informierte Behörden und Trinkwasserversorger entlang des Flusses. Der Tanker "Waldhof" war am 13. Januar aus nach wie vor ungeklärter Ursache gekentert. Zwei Bootsleute werden seitdem vermisst.

zen/DPA
 
 
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