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24. März 2010, 17:37 Uhr

"Ich rate immer zur Wahrheit"

Wenn Prominente wie derzeit Jörg Kachelmann einer Straftat verdächtigt werden, hilft nur, die Wahrheit zu sagen. Anderenfalls droht ein nachhaltiger Imageschaden, sagt der Hamburger PR-Profi Wolf Wiegand im stern.de Interview.

Wolf Achim Wiegand Wolf Achim Wiegand (56) ist Auftrittsberater in Hamburg. Er berät Führungskräfte in Kommunikationsfragen, organisiert Medien- und Krisentrainings. Er arbeitete mehr als 30 Jahre lang als Journalist, als News-Redakteur, Auslandskorrespondent und Chefredakteur. Er war aktiv bei Presse, Radio, Fernsehen. Seit zwölf Jahren ist er selbständig als Führungskräftecoach mit Wiegand & Wiegand in Hamburg.

Herr Wiegand, alle reden über Jörg Kachelmann und die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben worden sind. Wie schätzen Sie als PR-Profi die Situation für ihn ein?

Ich denke mal, er hat jetzt zwei Probleme. Das eine ist die persönliche Glaubwürdigkeit, die leidet. Das andere ist die berufliche Reputation, die in Gefahr ist. Auf der persönlichen Ebene geht es um Freunde, Verwandte und Familie, aber auch Kollegen, die jetzt von diesen Nachrichten überrascht werden und womöglich seine Glaubwürdigkeit anzweifeln. Beruflich könnte Kachelmanns Reputation vielleicht sogar langfristig leiden, denn die Vorwürfe gegen ihn sind medial überall präsent. Jeder weiß es, und sollte Herr Kachelmann irgendwann mal wieder auf dem Bildschirm auftauchen, wird er natürlich damit rechnen müssen, dass sein Gesicht verbunden wird mit den jetzt erhobenen Vorwürfen.

Welches Krisenmanagement würden Sie Jörg Kachelmann in seiner jetzigen Situation empfehlen?

Wir beraten sehr viele hochrangige Manager in Krisenfällen und unser Ratschlag ist generell, das Einzige was nützt, ist immer totale Ehrlichkeit. Dass man das, was wirklich passiert ist, kommuniziert und nicht versucht, etwas zu verheimlichen. Ich kann im Fall Kachelmann nicht beurteilen, ob er ehrlich ist oder nicht. Aber müsste ich ihn jetzt beraten, dann würde ich ihm empfehlen, ehrlich zu sein. Denn wenn die Vorwürfe stimmen, dann ist es besser, sie zuzugeben und zu sagen, es tut mit leid, ich hab da einen Fehler gemacht, als zu versuchen, etwas wegzuschieben. Denn raus kommt es womöglich trotzdem.

Sie glauben, dass der Imageschaden geringer ist, wenn man etwas zugibt, als wenn man versucht, irgendwie mit taktischen Mitteln aus dem Ganzen herauszukommen?

Ja. Ich weiß aus Erfahrung, dass es besser ist, die Karten auf den Tisch zu legen. Tut er das nicht, oder gibt er nur scheibchenweise die Wahrheit zu, dann kommen die Recherchen der Medien und das Ganze wird ständig am Kochen gehalten, wodurch es noch schlimmer wird. Wenn man jedoch sagt, mea culpa, ich habe da ein Problem, ich habe etwas getan, was nicht richtig war, dann ist das Thema auch ganz schnell weg, weil dann keiner mehr nachbohren kann.

Woran liegt es, dass gerade beliebte Prominente von der Öffentlichkeit so schnell und so gnadenlos fallengelassen werden?

Da kommen zwei Komponenten zusammen. Das eine ist sicherlich die Lust an der Sensation. Es ist ja so, dass in den Medien die bad news auch die good news sind. Das ist leider so und wenn jemand, der so bekannt ist, in so ein Loch fällt, dann wird das von den Medien begierig aufgenommen. Dazu kommt, dass viele Menschen so was wie eine Art Neid haben. Die sehen den Erfolgsmenschen, der überall auftaucht und dem passiert dann etwas Furchtbares. Da tritt, wenn auch nur unterschwellig, eine gewisse Befriedigung ein, dass dem jetzt auch mal was passiert, dass er runtergezogen wird auf die Ebene des "ganz normalen" Menschen.

Fungieren Medien im negativen Sinn als Verstärker von Vorwürfen, oder müssen sie detailliert berichten?

Natürlich sitzen Prominente auf einem Präsentierteller und müssen damit rechnen, dass bei ihnen genauer hingeschaut wird, als bei anderen. Die Mediengesellschaft trägt dazu bei, dass solche Leute mitunter regelrecht vorgeführt werden. Hinzu kommt noch, dass - auch im aktuellen Fall Kachelmann - solche Informationen schnell an die Öffentlichkeit kommen. Generell sollte die Unschuldsvermutung gelten, so lange noch nichts bewiesen ist. Und doch wird jetzt bisweilen so getan, als stünden die Vorwürfe zweifelsfrei fest.

Fällt Ihnen ein Promi ein, bei dem das Krisenmanagement besonders gut geklappt hat und einer, der ein PR-Desaster erlebte?

Margot Käßmann ist ein Beispiel dafür, wie man es richtig macht. Eine beachtliche Leistung. Sie hat erkannt, dass sie eine moralische Institution ist und hat deshalb ganz schnell die Konsequenzen gezogen. Für mich - und wohl für andere auch - ist die ehemalige Bischöfin damit glaubwürdig geblieben. Als Mega-Gau sehe ich die Darstellung des Vorstandsvorsitzenden der HSH-Nordbank, Dirk Nonnenmacher, bei dem immer wieder neue Details auftauchen über die Milliardenverlustgeschäfte. Ich glaube, der ist beruflich und persönlich beschädigt. Da könnte man auch überlegen, ob es nicht besser wäre, einen Strich zu ziehen.

Interview: Die Fragen stellte Manuela Pfohl
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
laketahoe (25.03.2010, 11:14 Uhr)
Kostenlose Werbung - nun auch im Stern?
Davon abgesehen, dass ich von den Ratschlägen des Herrn Wiegand nicht eben überzeugt bin, wundert mich, dass diese unverschleierte Eigenwerbung bei Stern-Online erscheint.....

Der Beitrag erscheint mir in vielerlei Hinsicht verzichtbar. Zum Einen ist der Zeitpunkt für derartige PR-Überlegungen denkbar unpassend. Erst mal muss ja ermittelt werden, hat der Beschuldigte Gelegenheit, sich mittels Angaben zur Sache zu verteidigen oder zu rechtfertigen.

Und wenn dann am Ende aller Ermittlungen und einer Klageerhebung / Verhandlung feststeht, dass er es gemacht hat, dann nützt da keine noch so gefinkelte PR. Und wenn sich herausstellen sollte, dass er diese Tat nicht begangen hat, dann braucht er Herrn Wiegand und Kollegen noch weniger.

Zur Sache selbst: Ich glaube nicht, dass sich ein Mann dieser Position sein Leben durch eine Vergewaltigung abschießt und ruiniert. Und ich glaube auch nicht, dass eine Frau, die lange Jahre in einer bis zu dem der Vergewaltigung vorangegangen Streit harmonischen Liebesbeziehung mit ihm gelebt hat, Anzeige erstattet hätte .... schon eher hätte sie versucht, Geld zu bekommen. Also ist es jedenfalls für mich wahrscheinlicher, dass es die Idee einer Verlassenen oder Abgewiesenen ist ......

Mir ist Kachelmann nicht sympathisch, aber ich traue ihm soviel Zerstörungswut am eigenen Leben nicht zu .... Umsomehr, als Männer mit Geld hierzulande gar nicht schnell genug auf den Bäumen sein können, so gerne würden Goldfasanenjägerinnen bereitwillig Sex gegen Ware oder ein angenehmes Leben tauschen. Tut mir leid, aber ich habe diese Studien nicht zu verantworten, durch die man weiss, dass selbst in Beziehungen, Frauen Sex gegen Gefälligkeiten, Geschenke, etc. zulassen....

Jeder erinnert sich noch an die Verwürfe gegen Andreas Türck. Dem traute man sowas schon viel eher zu ..... und am Ende war nichts dran, trotz Zeugenschwüren ....

Unter aller Kanone finde ich (insgesamt) den Umgang der Justiz mit den Persönlichkeitsrechten Beschuldigter. Man sollte den Deutschen Staatsanwälten mal wieder einbleuen, dass sie weder PR-Agenten von Opferanwälten sind noch Newslieferanten für die Bild.

Malure (25.03.2010, 10:45 Uhr)
Heiliger?
Ein Kommentar o h n e Wertung:
Bloss weil jemand im FS den Wetterbericht "runterbetet" ist er doch noch lange kein "Heiliger" - warten wir es ab. Bei uns gilt immer noch:?In dubio pro reo?...
Hirnfreund (25.03.2010, 10:39 Uhr)
Im Zweifel für die Gerichtsmedizin
Unschuldsbekundungen hin und her ... im Zweifel glaube ich der Gerichtsmedizin. Denn die lügt nie.
Nadeera (25.03.2010, 10:16 Uhr)
@Prologo
Sie waren dabei, oder? Woher wissen Sie, dass die Vergewaltigung vorgetäuscht war? Soweit ich weiß, wurde eine Vergewaltigung der Frau gerichtsmedizinisch nachgewiesen, ob von Herrn K. oder sonst wem gilt es noch herauszufinden.
Herr K. bisher unbescholten - das ist jeder, bis zum 1. Mal halt.
Sie sind einfach nur anmaßend und tumb.
bR4iNST0RM (25.03.2010, 10:09 Uhr)
Kann der Herr Wiegand...
... nicht zum Pflichtprogramm für "unsere" Vertreter werden?
Wen wundert es, wenn bei der Befragung zum Vertrauen in Berufsgruppen die Politiker so weit abgeschlagen auf dem letzten Platz gelandet sind!? Lügnern und Betrügern vertraut man eben nicht. Aber ich denke, dass kümmert "unsere" Vertreter nur minimal bis gar nicht, solange nicht Wahlen ins Haus stehen.
JanvanHelsing (25.03.2010, 09:00 Uhr)
@swissmiss
Herr Kachelmanns Ex-Partnerin ist, genau wie Herr K., Journalistin, sie hat ihn vor 11 Jahren bei einem Interview kennen gelernt.
Laut ihrer Aussage hat war man sich von Anfang sympathisch und hat sich danach öfters getroffen.
Ihr dürfte somit auch völlig bewusst sein was ihre Anzeige und die daraus resultierenden Berichte i.d. Öffentlichkeit für folgen haben.
vombromsberg (25.03.2010, 08:59 Uhr)
dürfen diese "prommis"...
...einfach alles? kann man den ball mal so lange flach halten, bis fakten auf dem tisch liegen? kann man erst mal auf die ergebnisse des opfer's warten? diese unantastbarkeit bei fernsehfuzzis ( ...der liest das wetter vor, mehr nicht!! ), gestützt durch sogenannte fan's, geht mir richtig auf den senkel. hiese dieser kachelmann müller und wäre mein nachbar der bei vw arbeitet, wäre der drops schon gelutscht!
meine güte, immer wieder bestimmen lieschen und heinz meyer über die BILD die note des gesetzes und der gesellschaft. vergewaltiger gehören bestraft und zwar richtig....
pops (25.03.2010, 08:27 Uhr)
Was mich erstaunt,
ist, daß unsere Staatsanwälte und Ermittlungsbehöden überhaupt noch Zeit für einen neuen Fall haben. Läuft doch sicherlich - vor dem Gesetz sind alle gleich!? - eine beispiellose Verhaftungs- und Ermittlungswelle bezüglich der Vergewaltigungen der vielen Schüler/innen
durch Klerikale Bedienstete...
Ohne jemanden bevorzugen oder etwas wegreden zu wollen - Schuld ist Schuld, aber Unschuld auch Unschuld - aber man hat den Eindruck: an die einen kommt man nicht heran, dann statuieren wir eben ein Exempel an jemand, an den wir herankommen! Was mich bei all den (Gerichts-)medizinischen Untersuchungen interessieren würde, wäre: woran erkennt man eigentlich den Unterschied, ob die 'Verletzungen' (die m.W. etwa in der Sado - Maso - Szene z.T. recht erheblich sein können) wirklich Zeichen von Vergewaltigung sind oder durch ausgefallene Sex- Praktiken zwischen den Partnern entstanden? Verläßt man sich in solchen Fällen allein auf die Aussage der Klägerin? Wartet wochenlang, bis man den 'Täter' befragt bzw. wie in diesem Fall offenbar, sofort verhaftet? Alles etwas eigenartig. Bin gespannt, was dabei herauskommt...
Schönen Tag allerseits: Pops
hardius (25.03.2010, 08:18 Uhr)
Ist schon interessant
wie das Ganze anfangs von der Staatsanwaltschaft aufgezogen wurde. Eine Presseerklärung, daß ein Fernsehpromi, noch ohne Nennung von Namen, festgenommen wurde lockt die Journalisten gezielt an. Das Abwarten auf die Heimkehr von Kachelmann und dessen Festnahme erinnern an die Geheimdienste im Kalten Krieg.
Ich will sagen ob Kachelmann schuldig oder unschuldig ist, sei dahingestellt, müssen wir abwarten. Aber auf alle Fälle tut sich in unserer Justiz jemand mächtig profilieren wollen und nutzt die Gunst der Aufmerksamkeit in den Medien.
Swissmiss (25.03.2010, 02:23 Uhr)
@ Prologo
Jetzt warten wir doch erst mal die Justizuntersuchungen und eine allfällige Gerichtsverhandlung ab, bevor wir auf das Opfer (die Exfreundin und nicht Herr Kachelmann) einschlagen. Möglicherweise hat der nette Herr aus dem TV tatsächlich eine Frau vergewaltigt. Nach meiner Einschätzung leidet das Image von Herr Kachelmann zurzeit nicht mal besonders, da die Medien zwar ausführlich berichten, aber in einer Weise, die einem vermittelt, dass sie im Falle eines Freispruches von den Vorwürfen gerne bereits sind, Herr Kachelmann alles zu vergessen.
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