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Mord mit Ansage

In der Nähe von Bremen wird ein Familienvater auf offener Straße hingerichtet. Er war zuvor von einem kurdisch-libanesischen Clan bedroht worden. Ein Beispiel für die Machtlosigkeit des Staates.

Von Kerstin Herrnkind

  Der 43-jährige Familienvater Hussein E. wurde auf offener Straße hingerichtet

Der 43-jährige Familienvater Hussein E. wurde auf offener Straße hingerichtet

  • Kerstin Herrnkind

Der Killer fuhr mit einem schwarzen BMW-Cabrio vor und eröffnete sofort das Feuer auf Hussein E. und seine Verlobte Claudia K. Das Paar wollte gerade seinen dreijährigen Sohn von den Großeltern in Schwanewede bei Bremen abholen. Im Kugelhagel warf sich Hussein E. schützend vor seine Partnerin. Claudia K. überlebte schwer verletzt. Hussein E. wurde von elf Schüssen getroffen, verblutete vor den Augen seines Schwiegervaters in spe, der ihm zur Hilfe eilen wollte.

Gefürchtet wie die Mafia

Das Motiv stand für die Mordkommission Verden schnell fest: Blutrache. Immer wieder war Hussein E. von Angehörigen der kurdisch-libanesischen Großfamilie M. bedroht worden. Die Sippe, die zu den so genannten Mhallamiye-Kurden gehört, ist in Bremen so gefürchtet, wie die Mafia in Palermo. Der Clan schert sich nicht um Gesetze, nimmt das Recht in die eigene Hand. Die Hinrichtung des 44-jährigen Familienvaters im Januar 2009 auf offener Straße markiert nicht nur den traurigen Höhepunkt einer verfehlten Integrationspolitik, sie zeigt auch, wie machtlos Polizei und Justiz ethnischen Clans inzwischen gegenüber stehen.

2600 Angehörige zählt die Großfamilie allein in Bremen. Die Papierrolle, auf der die Kripo die Verwandtschaftsverhältnisse des weit verzweigten Clans entschlüsselt hat, ist acht Meter lang. Die Familien haben nicht selten zehn Kinder. 1466 Angehörige - also über die Hälfte der Großfamilie - ist schon einmal straffällig geworden. Darunter 207 Vielfachtäter und 66 Schwer- und Schwerstkriminelle. Mehr als 1100 Straftaten sollen Mitglieder des Clans allein im Jahr 2008 begangen haben. Es gibt ein paar Angehörige der Großfamilie, die gut integriert sind. Nach Polizeierkenntnissen sind das allerdings "absolute Ausnahmen".

Vom Libanon nach Deutschland

Hussein E. wurde 1965 im Libanon geboren. Nach dem Abitur studierte er Architektur an der Universität Beirut. Bei einem Gefecht auf dem Gelände der Hochschule wurde er 1987 von Gewehrkugeln im Rücken getroffen. Schwer verletzt flog ihn eine Hilfsorganisation in die Schweiz aus, wo er operiert wurde. Nach seiner Genesung blieb Hussein E. als Bürgerkriegsflüchtling in der Eidgenossenschaft, lernte Schlosser und arbeitete als Geselle.

1991 siedelte er nach Bremen über, wo seine Geschwister lebten. Er stellte Asylantrag, der bewilligt wurde und arbeitete in seinem erlernten Beruf. 1994 heiratete Hussein E. eine Ärztin, mit der er zwei Kinder bekam. 2001 wurde der Libanese deutscher Staatsbürger.

2003 trennte er sich von seiner Frau. Wenig später wurde Hussein E. wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er seine Frau im Streit geschlagen hatte. Er vertrug sich mit seiner Ex-Frau, teilte sich mit ihr das Sorgerecht für die Kinder. Hussein E. lernte die Floristin Claudia K. kennen, verlobte sich mit ihr und bekam einen Sohn.

Zwischen den Fronten

Weil er perfekt deutsch sprach, war Hussein E. bei den Libanesen als Dolmetscher gefragt. "Er sah sich als eine Art ehrenamtlicher Sozialarbeiter", erzählt ein Bekannter. "Er kümmerte sich um Asylbewerber, half ihnen bei Behörden-gängen." Dabei geriet Hussein E. - vielleicht ohne es zu ahnen - zwischen die Fronten eines Drogenkriegs zwischen Mitgliedern der Großfamilie M. und den libanesischen Brüdern Abbas und Omar Mo.

Am Abend des 14. April 2006 tauchen die Brüder Mo. gemeinsam mit fünf Männern, darunter Hussein E. nach 22 Uhr in der Kneipe "Born-Eck" im Bremer Bahnhofsviertel auf. Abbas und Omar Mo. haben eine Rechnung mit Alaedine M. offen, glauben, dass er ihnen Marihuana im Wert von 35.000 Euro gestohlen hat.

Der verhängnisvolle Mord

Alaeddine M. - spielt gerade mit seinen Verwandten Ahmet E. und Adnan M. Karten, als die Männer im Gänsemarsch in die dunkle, schmuddelige Pinte kommen. Dann geht alles blitzschnell. "Macht die Tür zu, bringt sie alle um", schreit jemand auf Arabisch. Kurz darauf liegen drei Männer der Großfamilie M. blutüberströmt am Boden. Alaeddine M. ist durch zwei Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Adnan M. hat vier Stiche abbekommen, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Der 18-jährige Ahmet E. verblutet. Getötet von einem Messerstich direkt ins Herz.

Noch in der Nacht fliehen die Brüder Mo. mit zwei weiteren Komplizen mit dem Taxi nach Osnabrück, von wo aus sie sich in den Libanon absetzen.

Angehörige des Toten schwören Rache

Hussein E. bleibt in Deutschland, wird wenige Tage nach dem Überfall in U-Haft genommen. Er kommt in die Justizvollzugsanstalt Oslebshausen, wo viele Angehörige der Familie M. einsitzen. Ein Bruder von Ahmet E. bricht ihm das Nasenbein. Auch beim Prozess vor dem Landgericht Bremen randalieren Angehörige der Familie im Zuschauerraum und schwören Rache.

Hussein E. bestreitet, von dem Drogenkrieg gewusst zu haben, beteuert, von dem Messerangriff überrascht worden zu sein. Er sagt aus, Omar Mo. hätte ihn gebeten, zwischen ihm und Aladdine M. zu vermitteln. Die Männer hätten sich am Morgen vor dem Überfall lautstark auf dem Bahnhofsvorplatz gestritten. Von einem Drogenkrieg habe er nichts gewusst.

Wegen Mittäterschaft verurteilt

Tatsächlich sind Hussein E. keinerlei Beziehungen zum Drogenmilieu nachgewiesen worden. Die Richter glauben auch nicht, dass der Überfall im Born-Eck "der Angriff eines von vorneherein verabredeten Rollkommandos war". Für die Kammer steht auch fest, dass es nicht Hussein E. war, der die Männer im Born-Eck mit dem Messer angegriffen und Ahmet E. getötet hat.

Trotzdem verurteilt die Strafkammer den Deutsch-Libanesen Ende 2007 wegen Mittäterschaft Körperverletzung mit Todesfolge zu fünf Jahren und drei Monaten Haft. Er habe den Überfall "billigend in Kauf genommen", argumentieren die Richter. "Er hatte Pech", sagt sein Anwalt. "Das Gericht vertrat die Auffassung: Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen".

Angst vor Übergriffen

Nach dem Urteil wendet sich Hussein E. an die "taz". Er will seine Strafe auf keinen Fall in Oslebshausen absitzen. "Er hatte Angst, dass Angehörige der Familie M. ihn töten lassen würden", erinnert sich der taz-Redakteur Christian Jacob. Um ihn vor weiteren Übergriffen zu schützen, darf Hussein E. seine Strafe in Bremerhaven absitzen.

Unterdessen machen sich Mitglieder der Familie M. offenbar auf die Suche einem Auftragskiller, um den Tod von Ahmet E. zu rächen. Jedenfalls gibt ein Abschiebehäftling im August 2008 bei der Polizei in Bremen zu Protokoll, der Vater von Ahmet E. hätte ihm 60.000 Euro für den Mord an Hussein E. geboten worden. Doch die Polizei glaubt dem Zeugen nicht. Der wichtige Zeuge wird nach Mazedonien abgeschoben, wie der Bremer "Weser Kurier" später enthüllt.

Der Clan hat Hussein E. nicht vergessen

Hussein E. führt sich im Gefängnis gut, wird schnell Freigänger. Tagsüber arbeitet er im Blumengeschäft seiner Verlobten in Schwanewede. Er hat noch immer Angst vor Familie M. Deshalb fährt er nie nach Bremen. Er hofft, dass der Clan ihn nicht in Schwanewede vermutet. Ein Irrtum, den Hussein E. mit seinem Leben bezahlt.

Ein Spaziergänger hört am Abend vor Silvester gegen 18.30 Uhr Schüsse und sieht einen schwarzen BMW davon rasen. Das Cabriolet wird wenig später völlig ausgebrannt in einem Wald 100 Kilometer vom Tatort entfernt in Niedersachen gefunden. Die Mordkommission der Kripo in Verden rekonstruiert, dass sich ein Angehöriger der Familie M. den Wagen kurz vorher ausgeliehen hat. Die Mordkommission versucht, den Zeugen in Mazedonien zu finden, der behauptet hat, Familie M. habe ihn als Killer anheuern wollen. Ohne Erfolg. Der Mann bleibt verschollen.

Wenig Hoffnung auf eine Anklage

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes gegen Cemal E. - den Vater von Ahmet E. Die Ermittler glauben, dass er seinen Neffen Heisem M. dafür bezahlt hat, seinen Sohn zu rächen. Doch das Landgericht Verden lässt die Anklage nicht zur Hauptverhandlung zu. Ohne den Zeugen aus Mazedonien ist die Beweislage dünn. Das Oberlandesgericht kassiert die Entscheidung. Neue Ermittlungen werden angestellt. Tatsächlich konnte jetzt an einer Patronenhülse der Fingerabdruck von Heisem M. festgestellt worden. Doch der mutmaßliche Auftragskiller hat sich längst abgesetzt, ist vermutlich im Libanon oder in der Türkei. Noch immer wird nach ihm fahndet. Doch ob die mutmaßlichen Mörder von Hussein E. je zur Verantwortung gezogen werden können, ist fraglich.

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